Der Raspberry Pi als Minecraft-Server

© Sarawut Aiemsinsuk, 123RF

Gewürfelt

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Minecraft fasziniert weltweit Millionen von Spielern. Völlig neue Perspektiven und ein anderes Spielgefühl ergeben sich aus einer Server-Partie mit Freunden und Bekannten. Den dafür benötigten Minecraft-Server stecken Sie mit einem Raspberry Pi in die Tasche.

Seit seiner Vorstellung im Jahr 2009 entstand rund um Minecraft [1] eine stetig wachsende und begeisterte Fangemeinde. Das Klötzchen-Spiel entwickelte eine so große Popularität, dass Microsoft auf das kleine Entwicklungsstudio aufmerksam wurde und es im September 2014 kurzerhand übernahm. In verschiedenen und abwechslungsreichen Spielmodi erforschen die Spieler virtuelle Welten, bauen eigene Unterkünfte und Einrichtungen oder realisieren sogar aufwendige Projekte wie virtuelle Computer [2].

In diesen Welten basiert wirklich alles auf Blöcken, deren Optik ohne Zweifel auch zum Charme des Spiels beiträgt. Bereits allein am Computer, vor der Konsole oder mit dem Smartphone in der Hand fesselt Minecraft den Spieler auf seine eigene Weise. Fast noch mehr Spaß macht jedoch das gemeinsame Erkunden einer Minecraft-Welt. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Minecraft-Server. Der erfordert jedoch nicht unbedingt einen leistungsfähigen Rechner: Ein Raspberry Pi genügt. Anschließend steht einer spontanen Mehrspielerrunde nichts im Wege.

Der richtige Server

Überraschenderweise gibt es "den" Minecraft-Server nicht. Im Internet finden sich stattdessen eine Reihe verschiedener Alternativen: Da wäre zunächst der offizielle Minecraft Multiplayer Server [3] zu nennen, der ohne große Anpassungen auskommen muss. Dieser Purismus sorgte in angelsächsischer Tradition dafür, dass die Software den Beinamen Vanilla-Server erhielt.

Weite Verbreitung fand auch der aus dem Original-Server weiterentwickelte Bukkit-Server CraftBukkit [4], allerdings steht dessen Weiterentwicklung auf der Kippe. Das Projekt bietet aus offiziellen Quellen aufgrund von Urheberrechtsverletzungen [5] keine Builds mehr an. Im Internet lassen sich inoffizielle Downloads finden, doch auf fremde Quellen sollten Sie sich bei Server-Software nicht verlassen. Auch andere Klone und Server-Mods müssen sich dieser Thematik beugen.

Der offizielle Server benötigt Java, weshalb es von jeher Kritik an seiner Leistungsfähigkeit gibt. Daher erhielt der in C++ programmierte und inzwischen in Cuberite [6] umbenannte [7] Custom Minecraft Server alias MCServer bei seiner Vorstellung viel Aufmerksamkeit. Er gilt als schneller und ressourcenschonender als das Original, zudem liegt der Quellcode unter der Apache License offen.

Dieser Artikel stellt die Installation und Konfiguration beider Varianten für Gelegenheitsspieler vor – daher lassen wir Init-Skripte erst einmal außen vor. Aus Sicht der Spieler gibt es in Sachen Zugang und Betrieb keine Unterschiede zwischen den beiden Server-Typen, aus Sicht eines Administrators allerdings schon.

Nützlicher Helfer

Am einfachsten fällt die Bedienung des Raspberry Pi sicherlich mit Tastatur und Bildschirm. Da der Minecraft-RasPi in Zukunft jedoch im stillen Kämmerlein vor sich hin werkeln wird, sollten Sie sich schon zum Start per SSH auf dem Rechner einloggen und lernen, den Server über das Terminal zu installieren, zu starten oder zu beenden. Ein nützlicher Helfer bei der Arbeit auf der Konsole ist das Programm Screen [8].

Mit Screen verhindern Sie, dass aus dem Terminal heraus gestartete Programme beim Beenden der Verbindung ohne große Warnung im Nirwana verschwinden. Ärgerlich, wenn Ihnen das aus Versehen passiert, wenn gerade Spieler mit dem Server in Verbindung stehen. Screen bekommen Sie unter Raspbian per sudo apt-get install screen aus den Paketquellen, anschließend starten Sie mit screen -S minecraft eine Session mit dem Namen "minecraft".

Darin arbeiten Sie jetzt wie gewohnt, starten also zum Beispiel den Minecraft-Server. Mit dem Tastenkürzel [Strg]+[A],[D] verlassen Sie diese Sitzung, erledigen weitere Aufgaben auf dem System oder beenden die SSH-Verbindung – der in der Screen-Session gestartete Server läuft weiter. Bei Bedarf melden Sie sich wieder am RasPi an und kehren mit screen -r minecraft zur Sitzung zurück.

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