Nvidia GameStream mit dem Raspberry Pi

Optimierungsbedarf

Mit den Standardeinstellungen kommt es selbst beim Übertragen des anspruchslosen Desktop-Streams oft nach wenigen Sekunden zu einem Standbild mit vielen Komprimierungsartefakten. Das liegt daran, dass Limelight von Haus aus nicht speziell für den Raspberry Pi entwickelt wurde. Daher lohnt es sich, etwas auf die über Schalter dargebotenen Einstellungsmöglichkeiten von Limelight einzugehen (siehe Tabelle "Limelight-Optionen").

Limelight-Optionen

Option

Funktion

-app Programmname

aufzurufendes Spiel oder Anwendung

-720

Auflösung 1280 x 720 Pixel

-1080

Auflösung 1920 x 1080 Pixel

-width Breite

vertikale Auflösung vorgeben

-height Höhe

horizontale Auflösung vorgeben

-30fps

30 Bilder pro Sekunde übertragen

-60fps

60 Bilder pro Sekunde übertragen

-bitrate Wert

gibt die Bitrate des Video-Streams an

Als besonders wichtig erweist sich an dieser Stelle für den Raspberry Pi das Limitieren der Bitrate über -bitrate 25000. Diese reizt zwar die Ethernet-Schnittstelle nicht vollends aus, führt aber zu einem stetigen Videostream ohne Aussetzer oder Standbilder, bei dennoch guter Bildqualität. Des Weiteren lohnt es sich, die Bildwiederholungsrate auf 30 Bilder pro Sekunde zu begrenzen. Dies steigert die Qualität der einzelnen Bilder, da für jedes Bild doppelt so viel Speicher zur Verfügung steht und somit die Qualität des Streams allgemein steigt.

Mit den entsprechenden Optionen ergibt sich dann für den Aufruf eines Spiels bei einer Bitrate von 25 000 und 30 FPS der Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 5. Hängt der RasPi dagegen an einem Beamer mit einer etwas individuellen Auflösung, dann geben Sie auch diese dem Aufruf von Limelight mit (vierte Zeile).

Listing 5

 

#!/bin/bash
### Full-HD-Fernseher, 30 FPS und Bitrate von 25000:
java -jar limelight.jar -1080 -30fps -bitrate 25000 -app $1 stream IP-Adresse
### Video-Beamer mit 1280 x 800 Auflösung im Format 16:10
### java -jar limelight.jar -width 1280 -height 800 -30fps -bitrate 25000 -app $1 stream IP-Adresse

Damit Sie das Kommando nicht immer wieder neu eintippen müssen, legen Sie den Inhalt aus Listing 5 mit einem beliebigen Editor unter /opt/limelight/ ab, machen die Datei ausführbar und verlinken sie anschließend in ein Verzeichnis, das Teil der $PATH-Variablen ist (Listing 6). Danach verkürzt sich der Aufruf eines Spiels auf allgemein limelight Spiel oder – beispielsweise im Fall von Steam – auf limelight Steam.

Listing 6

 

$ sudo chmod +x /opt/limelight
$ sudo ln -s /opt/limelight /usr/local/bin

Fazit

Das mit Limelight auf den Raspberry Pi gestreamte Bild fällt zwar nicht perfekt aus, doch bleibt es zumeist frei von Komprimierungsfehlern oder störenden Aussetzern. Sollten Sie kein stabiles Bild erhalten, prüfen Sie zuallererst Ihre Installation auf eine nicht ausreichend schnelle Netzwerkverbindung zwischen RasPi und dem Game-Server. Wenn möglich, vermeiden Sie eine WLAN-Verbindung: Schlechter Empfang führt hier schnell zu Rucklern, starken Komprimierungsartefakten oder gar eingefrorenen Bildern.

Alles in allem funktioniert die Kombination aus Limelight und Raspberry Pi für viele Zwecke ausreichend gut. Hardcore-Gamer werden wahrscheinlich eher zu einer kommerziellen Lösung mit noch besserer Grafik und einfacherem Setup tendieren, doch für "verspielte" RasPi-Fans bietet eine Limelight-Installation einen weiteren interessanten Einsatzzweck für den Mini-Rechner. 

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