Fünf Alternativen zum Raspberry Pi

© Jakub Gojda, 123RF

Kampf der Klonfrüchte

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Die RasPi-Konkurrenz aus Fernost lockt mit mehr und schnelleren Kernen, größerem Speicher und mehr Anschlüssen – aber lohnt sich ein Umstieg wirklich?

Der Raspberry Pi war weder der erste noch bei seinem Erscheinen der beste Einplatinen-Computer. Schon vorher gab es Angebote an sogenannten Entwicklerboards mit ähnlicher Ausstattung. Trotzdem glich das Erscheinen des RasPi einer Revolution – aus offensichtlichen Gründen: Im Gegensatz zu den in recht kleinen Auflagen produzierten Entwicklerboards war der Raspberry Pi von Anfang an für einen potenziell großen Nutzerkreis konzipiert. Das Gerät sollte der Ausbildung dienen und deshalb lieber günstig als leistungsstark sein, lautete die Devise der Macher.

Dass letztlich nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene mit dem RasPi spielen, liegt an der Einfachheit und der gleichzeitigen Universalität des Computers. Das alleine erklärt aber noch nicht seinen Erfolg. Wichtig dafür war vor allem auch die Raspberry Pi Foundation, die sich nicht nur um die Hardware kümmert, sondern auch die Software und die wachsende Community betreut. Der Vergleich des RasPi mit seinen Klonen in den folgenden Abschnitten bezieht deshalb nicht nur die Hardware mit ein, sondern auch die beiden Aspekte Software und Community.

Die Tabelle "RasPi-Alternativen im Vergleich" zeigt exemplarisch die Ausstattung einer Reihe von RasPi-ähnlichen Kleincomputern. Letztlich beschränken sich die Unterschiede aufs Quantitative und haben nichts mit der Qualität zu tun: Anzahl der Kerne, Taktfrequenzen, Art und Typ von Peripherieanschlüssen. Die CPUs der Geräte in der Tabelle unterstützen allesamt den ARMv7-Befehlssatz – für ihn gibt es exzellente Linux-Unterstützung, da solche Prozessoren im Embedded-Bereich schon lange üblich sind. Eines bringt die Tabelle freilich nicht zum Ausdruck: das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.

RasPi-Alternativen im Vergleich

Board

Prozessor

Kerne

Takt

GPU

RAM

Flash

Karte

SATA

Netz

WLAN / Bluetooth

Video

Audio

USB

Sonstiges

Raspberry**Pi 2

Broadcom

4

0,9 GHz

Broadcom VideoCoreIV

1 GByte

Micro-SDHC

100 Mbit/s

– / –

HDMI, Analog Video

HDMI

4 x USB2, 1 x OTG

Anschluss Kameramodul

Cubietruck

Allwinner A20

2

0,9 GHz

Mali 400

2 GByte

8 GByte

Micro-SDHC

ja

1000 Mbit/s

ja/ja

HDMI, VGA

HDMI, S/PDIF, Kopfhörer

2 x USB2, 1 x OTG

IR, Hw-Taster, Line-In/Out via Pins

Banana**Pi

Allwinner A20

2

0,9 GHz

Mali 400

1 GByte

SDHC

ja

1000 Mbit/s

– / –

HDMI, Analog Video

HDMI, Kopfhörer

2 x USB2, 1 x OTG

IR, Hw-Taster, Anschluss Kameramodul, Mikrofon

Orange**Pi Plus

Allwinner H3

4

1,6 GHz

Mali 400

1 GByte

8 GByte

SDHC

ja

1000 Mbit/s

ja/-

HDMI

HDMI, Line-Out

4 x USB2, 1 x OTG

IR, Hw-Taster, Anschluss Kameramodul, Mikrofon

Odroid-C1

Amlogic

4

1,5 GHz

Mali 450

1 GByte

Micro-SDHC

1000 Mbit/s

– / –

Micro-HDMI

Micro-HDMI

4 x USB2, 1 x OTG

IR, RTC

A20-OLinuXino-Lime-4GB

Allwinner A20

2

0,9 GHz

Mali 400

512 MByte

4 GByte

Micro-SDHC

ja

100 Mbit/s

– / –

HDMI

HDMI

2 x USB2, 1 x OTG

LCD-Konnektor, Hw-Taster

Softwareseitig hat die Stiftung die Verantwortung für Raspbian übernommen und gibt regelmäßig Aktualisierungen heraus [1]. Die Foundation monopolisiert jedoch ihre Software keineswegs, auf der Download-Seite gibt es auch Links zu diversen Alternativen. Wer sich für das sogenannte NOOBS-Image entscheidet, kann zum Installationszeitpunkt sogar unter mehreren Betriebssystemen auswählen. Die Community wird ebenfalls großgeschrieben, die Einstiegsseite [2] zählt viele Links zu weiteren Seiten, zu Online-Magazinen wie "MagPi" oder Youtube-Channeln wie Raspi.TV. Die Foren [3] zählen über 700 000 Postings mit gut 100 000 Themen, die Mitgliederzahl weist dieselbe Größenordnung auf.

Pfiffige Details: Cubietruck

Der Cubietruck [4], auch Cubieboard 3 genannt, glänzt mit einer geradezu barocken Ausstattung an Komponenten (Abbildung 1). Sein Vorgänger Cubieboard 2 ähnelt dem RasPi weitaus mehr, kann aber preislich im Vergleich zu sehr ähnlich ausgestatteten Alternativen nicht mithalten. Der Nachfolger Cubieboard 4 mit der Allwinner-A80-CPU (zwei Quad-Cores im Big-Little Design) steht zwar in den Startlöchern, ist aber hierzulande bislang noch nicht verfügbar.

Abbildung 1: Der Cubietruck bietet Platz für den Einbau einer Festplatte – hier steckt sie schon drin.

Den Cubietruck zeichnen eine Reihe von pfiffigen Details aus. So kommt er mit einem simplen "Gehäuse", das die Integration einer 2,5-Zoll-Festplatte ermöglicht. Als weiteres Alleinstellungsmerkmal bringt er einen VGA-Anschluss mit. Damit macht er auch an alten Bildschirmen eine gute Figur, aktuelle Displays steuert er zudem via HDMI an.

Als Schnäppchen lässt sich der Cubietruck nicht gerade bezeichnen, mit einem Preis von rund 90 Euro liegt er am oberen Ende der Skala. Dafür gibt es auf der Platine aber auch 8 GByte Flash und 2 GByte RAM – je Core also 1024 MByte. Viele Boards, so auch der RasPi 2, glänzen ja inzwischen mit vielen Kernen, doch liegt der Speicher pro Kern dann oft bei mageren 250 MByte. So kommen diese Rechner spätestens dann ins Stocken, wenn die Kerne ausgelastet sind und gleichzeitig laufende Programme ihren Speicher fordern.

Weitere Details wie Gigabit-Ethernet, ein SATA-Anschluss und ein Infrarot-Empfänger runden das Bild ab und machen den Cubietruck scheinbar zur perfekten RasPi-Alternative. Wie so oft bei den Klonen aus der A20-Liga spuckt dem Anwender hier aber die Software in die Suppe. Das betrifft nicht nur die schlecht unterstützte Mali400-GPU, sondern das gesamte Design. Da die Software für die GPU das hardwaregestützte Rendering und Decoding nicht gut oder gar nicht unterstützt, fallen die typischen Mediaplayer-Anwendungen für den Cubietruck flach. Doch selbst als kleiner Server taugt die Kiste nur bedingt. Wie unsere Tests des Boards [4] gezeigt haben, bleibt auch von der Gigabit-Ethernet-Performance nicht viel übrig, sobald die CPUs anderweitig beschäftigt sind.

Auch auf der Supportseite glänzt der Cubietruck nicht gerade. Die letzte Aktualisierung der Images liegt zu Redaktionsschluss (Mitte Mai 2015) bereits geraume Zeit zurück (Ende Oktober 2014). Schon immer gab es zwar Images aus der Community [5], die besser abgestimmt waren als die des Herstellers, aber für tiefgreifendere, hardwarenahe Probleme sollte eigentlich der Anbieter die Verantwortung übernehmen. Die Cubietruck-Community fällt relativ klein aus; immerhin gibt es ein deutsches Forum mit ungefähr 5000 Postings.

Möchtegern-Klon: Banana Pi

Als der Banana Pi herauskam, schäumte die RasPi-Gemeinde erst einmal vor Empörung – da kopierte eine chinesische Firma ein Erfolgskonzept einschließlich des Namens des Originals und suggerierte obendrein, dass ihr besser ausgestatteter Rechner trotzdem "kompatibel" zum Original mit seinem ganzen Ökosystem an Zusatzkomponenten sei.

Engagierte Blogger und auch unser eingehender Test [6] zeigten dann aber schnell auf, dass vom Kompatibilitätsversprechen nur wenig übrig bleibt. So fällt schon der Formfaktor eben nur beinahe gleich aus. Dummerweise entscheidet bei Sockelleisten und Gehäusen aber oft schon ein Millimeter, ob ein Zusatz-Board passt oder nicht. Auch softwaretechnisch war es mit der Kompatibilität nicht weit her: Ein Raspbian bootet zwar mit wenig Änderungsaufwand auch auf dem Banana Pi, aber mit der Unterstützung der Hardware ist es nicht weit her. Da der Banana Pi wie der Cubietruck mit dem Mali-GPU-Chip arbeitet, gibt es hier auch dieselben Probleme.

Inzwischen hat sich ein eigenes Ökosystem mit Gehäusen und Zusatzkomponenten um den Banana Pi herum entwickelt, allerdings vor allem in Asien. Das Forum von LeMaker, der Firma hinter dem Banana Pi, zählt mehr als 16 000 Postings, ein deutsches Forum [7] bringt es auf immerhin 5000 Beiträge. Softwareseitig erscheinen zwar von LeMaker immer wieder neue Images, die sich aber im Wesentlichen auf rudimentäre Anpassungen von Images der Konkurrenz beschränken. Offenbar sieht sich der Hersteller nicht in der Pflicht für einen kontinuierlichen, umfassenden Software-Support. Wenigstens gibt es aus der Banana-Community inzwischen aber zumindest eine gute Server-Distribution auf Debian-Basis: Bananian [8]. Da es auf die Debian-Repositories zurückgreift, lassen sich damit auch andere Projekte realisieren.

Momentan gibt es wenig Gründe, die für die Banane statt der Himbeere sprechen. Zwar steht auch beim Banana Pi ein Nachfolger mit vier Kernen in den Startlöchern – er löst die grundsätzlichen Probleme aber nicht, sondern macht sie nur noch offensichtlicher. Zwar ist die neue Hardware schon veröffentlicht, der Software-Support hinkt aber auch dort hinterher. Eine Ausnahme stellt der Banana Pi R1 dar (Abbildung 2): Er sticht durch seinen Switch-Chip aus dem Einheitsbrei der Kleincomputer heraus und eröffnet dadurch viele neue Möglichkeiten. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie in dieser Ausgabe.

Abbildung 2: Der Banana Pi R1 eignet sich mit Switch-Chip und mehreren Netzwerkanschlüssen als Router-Grundlage.

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