Die Kodi-Distributionen OpenELEC und Xbian im Vergleich

© Sasin Tipchai, 123RF

Paketiert

Das Kodi-Mediacenter gibt es für Windows, Mac und Linux. Auch auf Android, iOS oder Apple-TV ist die Software zu Hause. Soll ein Raspberry Pi die Funktion eines kosten- und stromsparenden Mediacenters übernehmen, dann greifen Sie am besten zu einer Kodi-Distribution wie OpenELEC oder Xbian.

Kodi [1] ist kein kommerzielles Produkt wie etwa Microsoft Office oder die Mediacenter-Alternative Plex [2]. Die Entwicklung von Kodi liegt, wie bei LibreOffice oder dem Firefox-Browser, in den Händen einer Stiftung, hinter der interessierte Unternehmen und Personen stehen.

Im Falle von Kodi verteidigt die XBMC Foundation [3], eine Non-Profit-Organisation, die noch den alten Namen des Mediacenters trägt, die Rechte der Kodi-Gemeinschaft. Der Quellcode des Programms liegt offen, aufgrund der GPL-Lizenz darf jeder das Programm kopieren, weitergeben oder verändern.

Typisch für ein Open-Source-Programm ist die Tatsache, dass die Software für viele Plattformen bereitsteht. Kodi funktioniert auf allen gängigen Computern mit Windows, MacOS X oder Linux als Betriebssystem, zudem gibt es Versionen für mobile Geräte oder TV-Zubehör mit Android, iOS oder Apple-TV.

Wer Kodi benutzen möchte, der muss sich eins dieser Systeme aufsetzen, den Zugang zum Netzwerk einrichten, Freigaben für Dateien einbinden und am Ende Kodi installieren. Für ein vollständiges Kodi-Erlebnis sollten Sie zudem noch einen File- und Webserver auf dem jeweiligen System aufsetzen.

Kodi als Distribution

Ähnlich wie bei Distributionen wie Ubuntu oder OpenSuse gibt es allerdings für Kodi Distributionen, die das Mediacenter auf Basis eines Linux-Kernels mitsamt den wichtigsten Komponenten zu leicht installierbaren Paketen zusammenbinden. Für den Raspberry Pi haben sich mit OpenELEC [4] und Xbian [5] zwei Kodi-Distributionen etabliert (siehe Kasten "Alternative Raspbmc?"). So brauchen Sie sich als Anwender nicht lange mit der Installation des Grundsystems zu plagen, es reicht, das Image auf eine Speicherkarte zu schreiben und das RasPi-System mit dieser zu starten.

Alternative Raspbmc?

Neben OpenELEC hatte sich in der Vergangenheit Raspbmc [13] als Kodi-Distribution etabliert. Wie Xbian setzte Raspbmc auf einem ausgewachsenen Linux auf, im Gegensatz zu Xbian baute es allerdings auf die Raspberry-Pi-Distribution Raspbian. Seit Februar 2015 liegt die Distribution jedoch auf Eis, da der Entwickler sich mit dem Open-Source-Mediacenter OSMC [14] auf ein neues Projekt konzentriert. Raspbmc erhält noch bis Juni 2015 Sicherheitsupdates, danach werden die Server abgeschaltet.

Auf dem Bildschirm sehen OpenELEC und Xbian auf den ersten Blick praktisch identisch aus. Beide nutzen das Standard-Theme von Kodi, beide passen nicht einmal das Hintergrundbild an. Der größte Unterschied liegt in den jeweiligen Werkzeugen für die Konfiguration, die beide Distributionen nutzen. Bei OpenELEC finden Sie systemnahe Einstellungen unter Optionen | OpenELEC, bei Xbian öffnen Sie dafür Optionen | Einstellungen | XBian.

Doch unter der Haube arbeiten beide Distributionen mit gänzlich unterschiedlichen Mitteln. Zwar nutzen beide den Linux-Kernel, doch während OpenELEC auf ein selbst entwickeltes System aufsetzt, kommt bei Xbian eine Debian-Installation [6] als Unterbau zum Einsatz. So kitzelt OpenELEC zwar das Maximum an Leistung aus dem RasPi, dafür ist es auf den Einsatz als Mediacenter beschränkt. Das Xbian-System ergänzen Sie dagegen mit unzähligen Debian-Paketen um weitere Funktionen.

OpenELEC

OpenELEC hilft Ihnen mit beim ersten Start aufgerufenen Assistenten bei den wichtigsten Einstellungen des Systems. So stellen Sie Kodi direkt auf Deutsch um, richten den Netzwerkzugang ein oder aktivieren gleich von Anfang an den Zugriff über SSH oder Samba. Diese Einstellungen finden Sie im Nachhinein in den Settings unter Optionen | OpenELEC wieder.

Dort bestimmen Sie unter System, wie und wann die Software nach Updates sucht und ob das System diese automatisch installiert (Abbildung 1). An dieser Stelle ziehen Sie außerdem ein Backup des Kodi-Systems oder spielen es bei Bedarf wieder ein. Sollte das System gar nicht mehr funktionieren, dann setzen Sie es an dieser Stelle wieder auf die Werkseinstellungen zurück.

Abbildung 1: OpenELEC bringt von Haus aus ein ansprechendes Werkzeug für die Konfiguration der meisten systemnahen Einstellungen mit.

Im Reiter Netzwerk aktivieren Sie einen im Assistenten noch außer Acht gelassenen WLAN-Adapter oder konfigurieren einen VPN-Zugang. Die Details für die Verbindung oder den Zugang zum drahtlosen Netzwerk richten Sie anschließend unter Verbindungen ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: In den OpenELEC-Settings konfigurieren Sie neben dem kabelgebundenen LAN den Zugang zu einem drahtlosen Netzwerk.

Tippen Sie hier auf eines der Netzwerke, haben Sie die Möglichkeit, eine IP-Adresse oder einen DNS-Server von Hand einzutragen und so besondere Konstellationen des Netzwerks zu berücksichtigen.

Unter Services bietet Ihnen OpenELEC die Möglichkeit, Samba, SSH und andere Dienste zu beeinflussen. Zudem aktivieren Sie hier Bluetooth, so bedienen Sie Kodi mithilfe eines Bluetooth-Dongles und einer entsprechenden Tastatur drahtlos von der Couch aus. Die einzelnen Geräte konfigurieren Sie anschließend im Reiter Bluetooth, ohne einen angeschlossenen Bluetooth-Dongle bleibt dieser leer.

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