Die CPU des OpenELEC-Raspberry-Pi übertakten

Konfiguration bearbeiten

Im SSH-Terminal ist es nun nicht weiter wichtig, von welchem Betriebssystem aus Sie sich in OpenELEC einloggen. Zum Bearbeiten der Konfigurationsdatei übernehmen Sie die Befehle aus Listing 1. Der erste davon erlaubt Ihnen, auf der Systempartition /flash zu schreiben. Der zweite bewirkt den Wechsel des Verzeichnisses in den entsprechenden Ordner. Mit dem letzten Kommando rufen Sie abschließend den im OpenELEC-System von Haus aus vorhandenen Texteditor Nano mit der Konfigurationsdatei auf.

Listing 1

 

$ mount /flash -o remount,rw
$ cd /flash
$ nano config.txt

In Nano scrollen Sie herunter bis zu dem Bereich, der in der Konfigurationsdatei mit Overclocking settings überschrieben ist. Unter dem mit vielen Rauten ("#") abgetrennten Banner finden Sie eine Tabelle mit default recommended values, also mit den von der Raspberry Pi Foundation empfohlenen Werten, die Sie auch in Tabelle "Empfohlene Taktraten" wiederfinden.

Orientieren Sie sich am besten an diesen Vorgaben. Allerdings gibt es beim RasPi 2 noch kaum Erfahrungswerte. Die Tabelle in der config.txt enthält (Stand: März 2015) daher auch nur Werte für den Raspberry Pi der ersten Generation. Die Werte in der Tabelle dieses Beitrags für den RasPi 2 entstammen Tests der RasPi-Community [5], die aber auch in unseren Testläufen gute Ergebnisse zeigten.

Empfohlene Taktraten

 

arm_freq [MHz]

core_freq [MHz]

sdram_freq [MHz]

over_voltage

Raspberry Pi 1

Standard

700

250

400

0

Modest

800

300

400

0

Medium

900

333

450

2

High

950

450

450

6

Turbo

1000

500

500

6

Raspberry Pi 2

Standard

900

250

450

0

High(1)

1000

500

500

2

Turbo(1)

1100

500

500

6

(1) Für den RasPi 2 gibt es noch keine offiziellen Übertaktungsempfehlungen.

Zum Übertakten entfernen Sie nun mit dem Editor die Rauten vor den Zeilen arm_freq (für die Geschwindigkeit der CPU) bis over_voltage (erhöht die Versorgungsspannung des Chipsatzes) und tragen die in einer der Reihen der Tabelle genannten Werte ein (Abbildung 5). Listing 2 zeigt die Konfiguration für einen Raspberry Pi 1 mit den Einstellungen für "High"; Listing 3 das Pendant für den RasPi 2. Mit der Tastenkombination [Strg]+[O] speichern Sie Ihre Änderungen, wobei Sie den vorgeschlagenen Dateinamen unverändert mit [Eingabe] bestätigen; mit [Strg]+[X] schließen Sie danach den Editor.

Abbildung 5: Zum Übertakten des Raspberry Pi tragen Sie die maximal angesteuerten Taktraten von Hand in die Konfigurationsdatei config.txt ein.

Listing 2

 

arm_freq=950
core_freq=450
sdram_freq=450
over_voltage=6

Listing 3

 

arm_freq=1000
sdram_freq=500
core_freq=500
over_voltage=2

TIPP

Sie sollten nicht gleich mit dem Turbo-Mode starten und die Taktraten auf das Maximum setzen, sondern sich Schritt für Schritt nach oben tasten: Nicht jeder RasPi verträgt die maximal möglichen Taktraten. Beobachten Sie daher nach dem Erhöhen der Rechengeschwindigkeit das System. Läuft es stabil, dann drehen Sie eine Stufe höher. Treten Aussetzer oder gar Abstürze auf, gehen Sie einen Schritt zurück – dann zählt Ihr RasPi wohl zu den Exemplaren, die schon früh das Ende der Fahnenstange erreichen.

Bei all diesen Übertaktungsmöglichkeiten erhöht das Betriebssystem die Taktrate nur bei Bedarf. Dümpelt Kodi im Leerlauf vor sich hin, dann setzt das System die Geschwindigkeit der CPU auf die Standardvorgaben zurück. Nur beim Betrachten hochauflösender Videos oder beim Navigieren durch die Menüs dreht das System die Taktrate hoch. Das spart Strom und senkt vor allen Dingen die Betriebstemperatur des RasPi im Durchschnitt wesentlich ab. Zudem fährt bei zu hohen Temperaturen ein integrierter Schutzmechanismus die CPU ohnehin herunter.

Das durch die Auslastung bestimmte Hochtakten benötigt allerdings immer einen kurzen Moment. Für eine schnellstmögliche Ansprechgeschwindigkeit lässt sich die variable Taktung mit der Option force_turbo=1 deaktivieren (Listing 4). Beachten Sie jedoch, dass der RasPi dabei ein sogenanntes Sticky-Bit in der CPU setzt, sodass der Hersteller bei einer Reklamation das gnadenlose Übertakten erkennen kann. Für den Einsatz als Mediacenter sollte diese Maßnahme auch gar nicht nötig sein: Mit den schonenden Übertaktungsmaßnahmen arbeitet der RasPi schnell genug.

Listing 4

 

# set to 'force_turbo=1' to disable dynamic
# overclocking (you can lose your warranty!)
force_turbo=0

Funktionskontrolle

Nach dem Speichern der veränderten Konfigurationsdatei müssen Sie zum Aktivieren der Änderungen das OpenELEC-System neu starten. Klemmen Sie dazu den RasPi kurz von der Stromversorgung ab oder nutzen Sie das unter dem Power-Icon links unten am Homescreen von Kodi angeordnete Menü zum Herunterfahren oder Neustarten des Mediacenters. Besonders mit dem RasPi 1 sollte sich das übertaktete System umgehend positiv bemerkbar machen: Schon allein das Navigieren durch die Menüs fühlt sich jetzt flüssiger an.

Spüren Sie kaum einen Unterschied, dann kontrollieren Sie unter Optionen | Systeminfo | Hardware den Erfolg Ihrer Maßnahme (Abbildung 6) und erhöhen bei Bedarf die Taktrate um einen weiteren Schritt. Beachten Sie beim Blick in die Systeminfos, dass der Raspberry Pi nur bei Bedarf hochtaktet. Zur Kontrolle sollten Sie daher ein möglichst hochauflösendes Video wie etwa "Tears of Steel" [6] als HD-1080p-MOV abspielen (cla).

Abbildung 6: Die Systeminformationen verraten Ihnen, mit welcher Geschwindigkeit die CPU des Mediacenter-Systems aktuell arbeitet.

Notfallplan

Verkraftet Ihr Raspberry Pi das Übertakten überhaupt nicht und startet das System nicht mehr, dann bearbeiten Sie die Konfigurationsdatei entweder am Rechner, oder Sie schließen eine Tastatur an den OpenELEC-RasPi an und halten während des Startvorgangs die Umschalttaste gedrückt. Registriert der RasPi diesen Tastendruck, ignoriert er sämtliche Änderungen an der config.txt und startet somit ohne Nachbrenner.

Glossar

SSH

Mithilfe des Secure-Shell- oder kurz SSH-Protokolls und einem entsprechenden Client-Programm bauen Sie eine verschlüsselte Verbindung zu einem entfernten Gerät auf. Das System lässt sich dann über eine Kommandozeile bedienen, mit geeigneten Programmen übertragen Sie auch Dateien zwischen den verbundenen Geräten.

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