Die CPU des OpenELEC-Raspberry-Pi übertakten

© Aaron Amat, 123RF

Schneller!

Der Raspberry Pi glänzt nicht gerade mit überbordender Rechenleistung. Damit die oft aufwendigen Animationen von Kodi und das Abspielen hochauflösender Videos ihn nicht überfordern, dürfen Sie ihn übertakten – mit offiziellem Segen.

Die in den ersten Modellen des Raspberry Pi eingebaute CPU vom Typ BCM2835 [1] gibt der Hersteller Broadcom eigentlich für Taktraten von bis zu 1 GHz frei. Weil die RasPi-Entwickler allerdings im Vorfeld nicht genau einschätzen konnten, wie sich der Mini-Rechner im rauen Alltag ohne Kühlkörper und Lüfter schlagen würde, setzten sie die Raspberry Pis der ersten Generation sicherheitshalber auf eine Taktrate von 700 MHz zurück.

Um den Anwendern dennoch die Möglichkeit zu geben, das volle Potenzial der CPU zu nutzen, lässt sich das RasPi-Herz via Software übertakten. Anfänglich riskierten die Overclocker damit ihre Gewährleistungsansprüche. Nach reichlich Feedback durch die Schraubergemeinschaft und nach eigenen Tests entschied sich die Raspberry Pi Foundation dann aber schließlich, das Übertakten des RasPi ganz offiziell zu erlauben [2].

Der mit vier 900 MHz schnellen Rechenkernen ausgestattete Raspberry Pi 2 (Abbildung 1) arbeitet schon von Haus aus deutlich schneller als die RasPis der ersten Generation. Die Foundation spricht von einer im Schnitt sechsmal höheren Rechenleistung. Doch auch der zweite RasPi lässt sich nach wie vor übertakten, ohne dass Sie die Gewährleistung verlieren. Mit der entsprechenden Konfiguration dreht die CPU des RasPi 2 auf bis zu 1,1 GHz hoch.

Abbildung 1: Der auf dem Raspberry Pi der zweiten Generation verbaute Broadcom BCM2836 lässt sich von 900 MHz auf bis zu 1,1 GHz übertakten.

Speicherkarte bearbeiten

Die Kodi-Distribution OpenELEC macht es dem Anwender im Gegensatz zur Alternative Xbian nicht leicht, den Raspberry Pi zu übertakten. Während es dafür bei Xbian im Konfigurationswerkzeug einen grafischen Dialog gibt, müssen Sie bei OpenELEC die Konfigurationsdatei des Systems [3] bearbeiten. Dazu bieten sich zwei Wege an: Entweder Sie entnehmen dem Kodi-RasPi die Speicherkarte und bearbeiten die Datei an einem Rechner, oder Sie melden sich über das Netzwerk auf dem Mini-Rechner an und ändern die Datei ohne Umbaumaßnahmen.

Für Ersteres stecken Sie den RasPi vom Strom ab und nehmen die Speicherkarte aus dem Gerät. Mit einem SD-Kartenleser (und bei Bedarf einem Micro-SD-Adapter) lesen Sie deren Inhalte dann am PC ein. Im Stammverzeichnis der 256 MByte großen Systempartition des OpenELEC-Systems finden Sie die Datei config.txt, die Sie mit einem beliebigen Texteditor öffnen. Abbildung 2 zeigt das Vorgehen auf einem Linux-System. Da die Partition allerdings mit einem Windows-Dateisystem formatiert ist, funktioniert das ebenso gut auf Windows- oder Mac-Systemen.

Abbildung 2: Die Konfigurationsdatei des Raspberry Pi lässt sich mit einem Kartenleser auf jedem PC auslesen und mit einem beliebigen Texteditor bearbeiten.

Login per SSH-Client

Steckt das Mediacenter unzugänglich hinter einem Berg von Unterhaltungselektronik, dann bietet sich der zweite Weg an. Bei diesem müssen Sie Ihren OpenELEC-RasPi nicht zerlegen, sondern melden sich elegant via Netzwerk an. Damit das funktioniert, genehmigen Sie vorab im Konfigurationswerkzeug von OpenELEC unter Optionen | OpenELEC im Reiter Services mit SSH aktivieren das Einloggen über das Netzwerk per SSH. Anschließend lesen Sie unter Optionen | Systeminfo | Info die OpenELEC zugewiesene IP-Adresse aus (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Systeminformationen des Kodi-Mediacenters verraten Ihnen neben der IP-Adresse des Systems zahlreiche interessante Details.

Als Windows-Anwender benötigen Sie anschließend einen SSH-Client wie PuTTY [4]. Das kostenlose Open-Source-Programm müssen Sie nicht groß installieren: Laden Sie einfach die Datei putty.exe herunter und führen Sie sie aus dem Explorer heraus mit einem Doppelklick aus. Im Anwendungsfenster des nur in Englisch vorliegenden Programms geben Sie in der Sektion Category im Feld Host Name (or IP address) die IP-Adresse der OpenELEC-Installation ein (Abbildung 4). Mit Open stellen Sie anschließend die Verbindung her. Dabei müssen Sie den bisher noch unbekannten Schlüssel des Systems akzeptieren. Als Login geben Sie root ein, das Passwort lautet in der Standardeinstellung openelec.

Abbildung 4: Windows-Anwender nutzen zum Login auf den OpenELEC-RasPi am besten den kostenlosen und quelloffenen SSH-Client PuTTY.

Mit Linux und MacOS X auf dem Rechner brauchen Sie keine zusätzliche Software, die Systeme bringen einen SSH-Client für die Kommandozeile gleich mit. Öffnen Sie daher einfach ein Terminalfenster und melden sich mit ssh root@IP-Adresse auf dem RasPi an. Auch hier lautet das Passwort wieder openelec. Löst der Router des Netzwerks Rechnernamen korrekt auf, dann können Sie sich das Anpassen der IP-Adresse sparen und den Befehl auf ssh root@openelec verkürzen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

02/2019
Neue Energien

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Scheibchenweise

    Zu den Stärken von Sonic Pi gehört es, mit wenigen Zeilen Code Samples dynamisch auszuwählen und zu zerlegen.

  • Unter Strom

    Für einen kleinen Spannungsmesser wie den INA3221 gibt es viele Einsatzmöglichkeiten. Wir zeigen, wie Sie den flexiblen Baustein richtig verdrahten.

  • Vermittlungsstelle

    Fischertechnik-Modelle bieten sich zum Fernsteuern an. Mit dem Ftduino schlagen Sie die Brücke zwischen dem RasPi und dem Technik-Spielzeug.

  • Durchgeschlängelt

    Mit den M0-Boards steigen Sie unkompliziert in die Welt der Mikrocontroller ein – ganz ohne C-Kenntnisse.

  • Gesiebt und gefiltert

    Filter und Werbeblocker einzurichten ist besonders auf Smartphones aufwendig. Den eBlocker hingegen schließen Sie einfach nur an Ihren Router an.

  • Es werde Licht

    Wollen Sie bei beginnender Dämmerung nicht ständig die Helligkeit der heimischen Beleuchtung nachregeln, überlassen Sie das einfach einem RasPi – der macht es automatisch.

  • Energiekontrolle

    Der Gesetzgeber erschwert das Direktvermarkten von Strom durch technische Hürden: So muss sich die Einspeisung etwa aus der Ferne abschalten lassen. Der RasPi löst das Problem.

  • H<->2<->-Power

    Gilt es, Energie aus einer regenerativen Quelle zu speichern, erweist sich die Kombi aus einer Brennstoffzelle und dem RasPi als ideale Lösung.

  • Kleine Wolke

    Lokale Cloud-Lösungen im Heimnetz finden immer mehr Nutzer. Mit dem RasPi und Seafile haben Sie eine Lösung zur Hand, die selbst professionellen Ansprüchen genügt.

  • Planvoll verdrahtet

    Die Leiterplattendesign-Software KiCad leistet trotz einer etwas umständlichen Bedienung auch Hobbybastlern gute Dienste.