Bastelrouter Banana Pi R1 im Überblick

WLAN

Vor dem Betrieb des WLANs steht eine sehr fummelige Aufgabe an: die Kabel für die WLAN-Antennen anzuschließen (der weiße Aufkleber in Abbildung 3 ist kleiner als eine 1-Eurocent-Münze). Sie drücken die kleinen Pigtails der Antennenkabel einfach von oben auf; ein Taschenbuch der richtigen Stärke als Unterlage verhindert Schaden an der Platine.

Abbildung 3: Das Anschließen der Kabel für die WLAN-Antennen erfordert etwas Geschick und vor allem eine ruhige Hand.

Die drahtlose Kommunikation stellt aktuell den Schwachpunkt des Routers dar, da der verbaute Chip nicht mit dem Access-Point-Programm Hostapd zusammenarbeitet. Zum Glück steht der Quellcode für eine funktionierende Variante auf der Seite des Herstellers Realtek bereit. Ein Eintrag im Forum [6] beschreibt im Detail die notwendigen Schritte für den Selbstbau der beiden Binaries hostapd und hostapd_cli.

Den Compiler und sonstige notwendige Tools für den Bau installieren Sie über das Metapaket build-essential; die Programme speichern Sie nach /usr/local/sbin. Die Installation des Pakets hostapd mit

$ sudo apt-get -y install hostapd

holt zwar erst einmal die nicht unterstützte Version auf die Platte, aber zusätzlich eine Reihe anderer Dateien, die notwendig sind. In /etc/init.d/hostapd ändern Sie den Pfad zum Programm hostapd von /usr/sbin/hostapd auf das kompilierte Programm /usr/local/sbin/hostapd ab.

Im nächsten Schritt passen Sie die Konfiguration von Hostapd an. Die entsprechende Konfigurationsdatei darf an beliebiger Stelle im Dateisystem liegen, muss aber in /etc/defaults/hostapd eingetragen sein. Listing 8 zeigt ein einfaches Beispiel für die Konfiguration mit dem WLAN als eigenes Netz. Zum Testen starten Sie den Access Point von Hand:

$ sudo /etc/init.d/hostapd start

Listing 8

 

ssid=Bananen-Netzwerk
ctrl_interface=/var/run/hostapd
interface=wlan0
driver=rtl871xdrv
channel=10
beacon_int=100
hw_mode=g
ieee80211n=1
wme_enabled=1
ht_capab=[SHORT-GI-20][SHORT-GI-40][HT40+]
wpa=2
wpa_passphrase=pi31415926535
wpa_key_mgmt=WPA-PSK
wpa_pairwise=TKIP
rsn_pairwise=CCMP
max_num_sta=8
wpa_group_rekey=86400
ignore_broadcast_ssid=0

Den automatischen Start legen Sie über das Kommando sudo insserv hostapd fest. Je nach Bedarf spannt das WLAN ein eigenes (Gast-)Netz auf oder ist Teil einer Bridge mit dem Kabelnetzwerk. In Sachen Durchsatz erreicht der R1 von theoretisch rund 120 Mbit/s Nutzdatenrate bis zu 50 Mbit/s. Die Zahlen schwanken stark, vor allem in Abhängigkeit von benachbarten Funknetzen. Im Idle-Modus erhöht der Betrieb als Access Point den Stromverbrauch nicht, im Betrieb steigt er um etwa 1 Watt.

Falls Sie sich daran stören, dass das WLAN-Device statt wlan0 beim R1 wlan1 heißt, löschen Sie die Datei /etc/udev/rules.d/70-persistent-net.rules: Darin findet sich noch ein alter Eintrag des Bananian-Maintainers, und der von diesem verwendete Chip hatte naturgemäß eine andere MAC-Adresse.

Fazit

Der Banana Pi R1 entpuppt sich an vielen Stellen als richtiges Bastel-Board, und das ist durchweg positiv gemeint: Er eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, erzwingt aber auch den einen oder anderen Handgriff an Hardware und Software.

Insbesondere für die Ausbildung eignet sich der R1 ganz hervorragend. Als Server/Switch/Router-Kombination macht er eine gute Figur und schlägt Systeme von der Stange aufgrund der guten Ausstattung und der Verfügbarkeit an Debian-Paketen. SOHO-Router unter OpenWrt und DD-Wrt sind diesbezüglich eingeschränkt, da es nicht so viele Pakete gibt oder nur abgespeckte, auf den üblicherweise sehr kleinen Speicher optimierte Versionen existieren.

Für die üppige Ausstattung mag sich das eine oder andere Szenario finden. Gibt es nur ein Kabel ins Wohnzimmer, böte sich der R1 gleichzeitig als Switch, Access Point und Mediaplayer am Fernseher an. Die schlechte Unterstützung der Mali-GPU stellt in diesem Szenario den Wermutstropfen dar.

In Summe machen die vielen Komponenten das Board relativ teuer, darüber hinaus ist die Stabilität des Systems im Dauerbetrieb noch nicht gesichert. Ein Router oder Server läuft optimalerweise möglichst lange und ohne Probleme – schon das Fehlen eines geeigneten Gehäuses gibt hier Anlass zu Zweifeln, bietet aber gleichzeitig Raum für Startups, die den R1 veredeln.

Glaubt man Berichten in den einschlägigen Foren, dann arbeitet LeMaker bereits an einer neuen Revision, die dann Komponenten für die Heimautomation enthält. Die Szene bleibt spannend: Erscheinen in Zukunft immer üppiger ausgestattete Platinen, die alles an Bord haben, oder geht der Trend wieder zu kleinen einfachen, aber spezialisierten Lösungen? 

Der Autor

Bernhard Bablok (mailto:mail@bablokb.de) arbeitet bei der Allianz Managed&Operations Services SE als Entwickler für SAP-HR. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Radl oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmieren und neuerdings Mini-PCs.

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