Bastelrouter Banana Pi R1 im Überblick

Was geht?

Da das Board vom normalen Banana Pi abstammt, laufen alle dafür angepassten Images auf der Platine. Das ist jedoch insofern nutzlos, weil diese die besondere Hardware nicht unterstützen. Der Hersteller verweist deshalb auf drei Distributionen: eine Version basierend auf Android mit speziellen Tools für einen Router, eine OpenWrt-Variante und auf die Distribution Bananian. Die Bananian-Version vom Januar [2] bildet die Grundlage für diesen Workshop.

Android kommt aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht. Für OpenWrt spricht, dass es konsequent auf den Einsatz als Betriebssystem für einen Router ausgerichtet ist. Wer plant, einen Router von der Stange umzustellen, sollte auf alle Fälle einen Blick darauf werfen. Dagegen spricht derzeit, dass es sich noch in der Entwicklung befindet. Es gibt bisher keine offiziellen Images [3], aber im Netz kursieren verschiedene Versionen, so über die Homepage des Herstellers oder auf alternativen Seiten [4]. Insbesondere die WLAN-Unterstützung scheint aber noch sehr wackelig zu laufen.

Bei Bananian handelt es sich dagegen um eine gezielt auf die A20-Familie und insbesondere auf die vorliegenden Rechner ausgelegte Distribution. Mit dem Hersteller hat sie nichts zu tun; Bananian stammt aus der Schmiede des Hamburgers Nico Isenbeck [5]. Der Vorteil gegenüber einem System wie Raspbian liegt in der Tatsache, dass es eine dedizierte Server-Distribution ist.

Das Image fällt dank einer konsequenten Paketauswahl recht klein aus. Vermissen Sie softwareseitig etwas, bereitet das Nachinstallieren aus den ARM7-Repositories von Debian via Apt-get keinerlei Probleme.

Leistung als Switch

Nach der üblichen Installation, bei der Sie das Image auf dem PC mittels Dd oder Win32 Disk Imager auf Micro-SD-Karte kopieren, booten Sie den R1 von dieser und melden sich als root und mit dem Passwort pi an. Als Nächstes konfigurieren Sie das Gerät mittels bananian-hardware und rufen danach bananian-config auf.

Dank HDMI-Ausgang und USB-Anschluss geht das wie vom RasPi gewohnt. Als Alternative schließen Sie die Platine per Kabel ans Ethernet an und loggen sich per SSH ein. Hierzu müssen Sie gegebenenfalls die Konfiguration des Netzwerks in der Datei /etc/network/interfaces (auf der zweiten Partition der Micro-SD-Karte) vor dem Booten an die lokalen Gegebenheiten anpassen – standardmäßig bezieht der R1 seine Adresse per DHCP.

Bananian startet auf dem R1 in seiner Grundkonfiguration als Standalone-Rechner. Alle per Ethernet angeschlossenen Rechner haben die Möglichkeit, mit dem R1 zu kommunizieren. Untereinander klappt das allerdings erst, wenn Sie alle Ports in ein gemeinsames VLAN zusammenfassen. Das erledigen Sie über die Datei /etc/network/if-pre-up.d/swconfig, in die Sie die Befehle aus Listing 1 eintragen. Eine dazu passende Interface-Konfiguration zeigt Listing 2.

Listing 1

 

#!/bin/sh
ifconfig eth0 up
swconfig dev eth0 set reset
swconfig dev eth0 set enable_vlan 1
swconfig dev eth0 vlan 1 set ports '4 0 1 2 3 8t'
swconfig dev eth0 set apply
exit 0

Listing 2

 

auto lo
iface lo inet loopback
auto eth0.1
iface eth0.1 inet static
address 192.168.1.1
netmask 255.255.255.0
gateway 192.168.1.250

Der Banana Pi R1 hat somit eine einzige IP-Adresse, alle Ports sind gleichberechtigt. Das Switching übernimmt hier der Switch-Chip in Hardware, die CPU-Last steigt selbst bei hohem Durchsatz im Netzwerk nicht. Der Durchsatz, gemessen mit Iperf, bewegte sich in unserem Test im Bereich von 110 MByte/s, sowohl zwischen zwei am Switch angeschlossenen Rechnern als auch zum R1 als Gegenstelle. Das ist ausreichend, in der Praxis bleibt davon aber ohnehin üblicherweise nur ein Teil übrig.

Im Idle-Modus nimmt das Board rund 3 Watt Leistung auf, unter Last im Switch-Betrieb steigt der Wert auf 5 Watt. Ein alter, "dummer" Switch im Haushalt benötigt zum Vergleich sowohl im Idle-Modus als auch unter Last konstant 3 Watt. Der TP-Link WDR4900, ein recht leistungsstarker SOHO-Router, benötigt 5 bis 7 Watt. Der dumme Switch ist nur scheinbar effizienter, denn der Switch zusammen mit einem Raspberry Pi würde mehr Strom benötigen als der R1. Trotzdem wäre der Rechner für den reinen Switch-Betrieb viel zu umfangreich ausgestattet. Erst ein zusätzlicher und quasi parallel betriebener Server macht den R1 als Kombination interessant.

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