Mit Kodi ein kleines Mediacenter aufbauen

© Alexandr ChubaroV, 123RF

Flimmerkiste mit Himbeergeschmack

Mit der kostenlosen Software Kodi verwandelt sich ein RasPi in ein Mediacenter mit schicker Oberfläche – und hat darüber hinaus noch einiges mehr zu bieten.

Moderne Fernseher gehen mittlerweile ins Internet und spielen Medien von einer angeschlossenen Festplatte ab. Häufig ist die Bedienung dieser Smart-TVs jedoch fummelig, bei den unterstützten Formaten sind sie meist wählerisch und viele Modelle funken dazu noch Informationen über den Benutzer zum Hersteller.

Ein Raspberry Pi mit der Mediacenter-Software Kodi [1] bietet sich da als komfortable und sichere Alternative an. Das Duo bringt selbst ältere Fernseher ins Internetzeitalter. Im Gegensatz zu anderen Set-Top-Boxen oder Wohnzimmer-PCs verbraucht der Mini-Rechner aber nicht nur weniger Platz, sondern arbeitet obendrein noch sehr stromsparend.

Couch-Potato

Im Wesentlichen stellt Kodi nur eine vereinfachte Oberfläche bereit, über die sich Filme und Musik auswählen und wiedergeben lassen. Über Addons erweitern Sie dieses Grundgerüst aber um zahlreiche weitere Funktionen. Einen Zugang zum Netz vorausgesetzt, zapfen Sie auf diesem Weg Internetradios an, rufen Youtube-Videos ab, stöbern in den Mediatheken von ARD und ZDF und schauen sogar das IPTV Entertain der Deutschen Telekom an – ein entsprechendes Abonnement vorausgesetzt (siehe Kasten "Ich glotz' (kein) TV"). Über Skins passen Sie das Aussehen der Oberfläche an Ihren Geschmack an.

Ich glotz' (kein) TV

Während das Fernsehen über das Internet (Stichwort IPTV) kein Problem bereitet, erfordert der Empfang von terrestrischem, Satelliten- oder Kabelfernsehen einige Verrenkungen. Zunächst benötigen Sie einen über USB angeschlossenen DVB-Empfänger. Diesen muss das Betriebssystem des Raspberry Pi erkennen und einbinden, was nicht bei allen Empfängern reibungslos klappt. Unter Umständen müssen Sie eine passende Firmware-Datei suchen und im Verzeichnis /lib/firmware ablegen.

Ob das in Ihrem Fall notwendig ist und wie Ihre Firmware-Datei heißt, verrät nach dem Anstöpseln des Empfängers der Befehl dmesg | grep -i dvb. Da die DVB-Sticks recht viel Strom verbrauchen, sollten Sie sie immer über einen aktiven USB-Hub an den Raspberry Pi anschließen. Um die Fernsehprogramme aus dem Äther zu holen, braucht Kodi zudem die Hilfe der Software TV-Headend. Dessen Einrichtung würde einen eigenen Artikel erfordern, seine Dokumentation finden Sie im TV-Headend-Wiki [15].

Das Mediacenter läuft auf allen Raspberry Pis in der B-Variante. Durch die Unterstützung des verbauten Grafikchips laufen selbst auf dem Modell der ersten Generation HD-Videos flüssig. Sofern vorhanden, sollten Sie dennoch ein Modell der zweiten Generation bevorzugen. Dank seiner kraftvolleren Hardware bauen sich Menüs flotter auf, anspruchsvollere Themes laufen rund und insgesamt reagiert die Software wesentlich schneller auf Eingaben.

TIPP

Zur Wiedergabe von DVDs und Blurays benötigen Sie ein externes Laufwerk. Allerdings spielt Kodi nur kopierschutzfreie Bluray-Medien ab.

Bis zum Herbst 2014 hieß Kodi übrigens noch XBMC. Das ursprünglich für die Konsole Xbox entwickelte "Xbox Media Center" läuft jedoch schon länger auf zahlreichen anderen Systemen und Computern. Um das zu unterstreichen und einem Rechtsstreit mit Microsoft aus dem Weg zu gehen, benannten die Entwickler das Programm mit Version 14 um.

Alles in einem

Zum Einrichten von Kodi benötigen Sie zunächst eine Tastatur. Eine solche empfiehlt sich aber auch für den späteren Betrieb: Damit tippen Sie den Titel eines gesuchten Musikstücks nicht nur wesentlich komfortabler ein, auch die Suche im Internet geht deutlich flotter von der Hand.

Für den Einsatz im Wohnzimmer empfiehlt sich dabei ein Gerät mit Bluetooth oder ein kompaktes schnurloses Keyboard mit integriertem Touchpad. Zum Navigieren in den Menüs genügt jedoch schon eine Fernbedienung oder wahlweise eine passende Android-App [2]. Ins Internet gelangen Sie, indem Sie entweder ein Netzwerkkabel durchs Wohnzimmer ziehen oder aber dem Raspberry Pi einen WLAN-Adapter verpassen. Verschiedene deutsche Händler bieten kompatible Sticks im Umfeld der eigentlichen Hardware an.

Um einen Raspberry Pi mit Kodi auszustatten, gibt es gleich mehrere Möglichkeiten: Am einfachsten gelingt die Installation über die Distribution OpenELEC. Dabei handelt es sich um ein vorbereitetes System, das direkt Kodi startet. Zur Installation müssen Sie lediglich eine Datei auf eine SD-Karte übertragen und diese dann in den Raspberry Pi schieben.

Allerdings war die auf der offiziellen Raspberry-Pi-Homepage angebotene Version des Systems zu Redaktionsschluss veraltet. Eine Variante mit der aktuellen Kodi-Version finden Sie wahlweise online [3] im Abschnitt RaspberryPi Builds oder auf der Heft-DVD. Wenn Sie das erste Modell des Raspberry Pi verwenden, laden Sie sich die Datei unter ARM11 builds herunter, die ein Diskimage im Namen trägt. Besitzer des Raspberry Pi 2 greifen hingegen zu ARMv7 builds.

Sie erhalten ein Archiv, das Sie entpacken. Unter Windows greifen Sie dafür zum Beispiel zum freien Packprogramm 7-Zip [4], unter Mac OS X und Linux öffnen Sie ein Terminal und tippen im Verzeichnis mit der Datei den folgenden Befehl ein:

gunzip -d OpenELEC-RPi.arm-5.0.5.img.gz

Die entpackte Datei schreiben Sie auf eine SD-Karte. Für Windows-Anwender bietet sich dazu das Programm Win32DiskImager an, unter Mac OS X und Linux nutzen Sie den Befehl dd [5] im Terminal.

Der erste Start dauert ein wenig. Es meldet sich ein Assistent. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie zwischen den Punkten, [Eingabe] wählt aus. Steuern Sie auf diese Weise English an, wählen Sie German und gehen Weiter. Den Namen des Rechners bestätigen Sie mit Weiter. In der Liste erscheinen alle erkannten Netzwerke. Wählen Sie jetzt dreimal Weiter, womit Sie in in der eigentlichen Oberfläche landen.

Zu OpenELEC gibt es verschiedene Alternativen, die sich jedoch entweder noch in der Entwicklung befinden, wie OSMC [6] und XBian [7], oder aber verwaist sind. Zu den letztgenannten Projekten zählt das einst recht beliebte Raspbmc [8], das in OSMC aufgehen soll [9].

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