Editorial RPG 03/2015

Citius, altius, fortius

Als die Raspberry Pi Foundation das überarbeitete Modell B+ präsentierte, waren durchaus einige RasPi-Fans ein wenig enttäuscht. Die vier USB-Ports und die stabilere Stromversorgung kamen vielen Bastlern gelegen, doch die RasPi-Community wartete sehnlich auf ein Modell mit mehr Leistung. Der unerwartet schnell präsentierte Raspberry Pi 2 versöhnt die Gemeinschaft nun wieder.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Überraschungspartys sind selten eine richtige Überraschung. Der Jubilar weiß, dass er Geburtstag hat; er weiß, dass er gerade seine Promotion abgeschlossen hat; und auch der erste Hochzeitstag gerät selten auf beiden Seiten in Vergessenheit. Mit der unverhofften Veröffentlichung des Raspberry Pi 2 [1] sorgte die Raspberry Pi Foundation allerdings für einen echten Überraschungscoup und spontane Begeisterung: so gut wie niemand hatte die zweite Generation des RasPis so kurz nach der Einführung des überarbeiteten Raspberry Pi Modell B+ [2] auf dem Plan – auch wir wurden in der Redaktion von einem per Eilkurier überbrachten Testgerät mitsamt einem leckeren Raspberry Pie aus Mehl und Eiern aus dem Tagesgeschehen geworfen.

Der Raspberry Pi 2 eröffnet den RasPi-Fans dank deutlich beschleunigtem Prozessor mit nun vier Kernen und einem auf 1 GByte verdoppeltem Arbeitsspeicher zahlreiche neue Einsatzmöglichkeiten. Trotz den zentralen Neuerungen blieb erfreulicherweise vieles beim Alten: Das Format und die Anschlüsse sind unverändert, dadurch bleibt sämtliches Zubehör, vom Gehäuse bis zur RasPi-Kamera und der Vielzahl an GPIO-Erweiterungen, zum neuen RasPi kompatibel. Auch bei der GPU unterließ die Foundation folgenschwere Experimente. Wenig verwunderlich, schließlich bietet keine andere ARM-GPU außer dem VideoCore IV eine vollständige Dokumentation und freie Treiber. Gleicherweise herrscht auch beim Preis Kontinuität. Die Preisempfehlung liegt weiterhin bei 35 US-Dollar.

Doch der konservative Ansatz bei der Überarbeitung des Erfolgs-Minis birgt auch Potential für Enttäuschungen. Vom RasPi-Nachfolger hatte sich die Community eigentlich GBit-Ethernet und unabhängig operierende USB-Ports erhofft. Doch diese Funktionen übernimmt auf dem Raspberry Pi 2 weiterhin ein Microchip LAN9514 [3], bei dem sich die vier USB-Anschlüsse und der LAN-Port die Bandbreite eines einzigen internen USB-Ports teilen müssen. Damit bleibt der Datendurchsatz und somit auch der Nutzen des RasPis als kleiner Fileserver stark limitiert – der SCP-Benchmark in unserem Bericht zum RasPi 2 zeigt dies deutlich. Auch zeitgemäße USB 3.0- oder SATA-Anschlüsse stehen weiterhin auf dem an die Entwickler gerichteten Wunschzettel.

Als Quintessenz aus dem andauernden Erfolg des Raspberry Pi muss man den Schluss ziehen, dass sich nachhaltiger Erfolg nicht automatisch aus dem olympischen Motto "Schneller, Höher, Stärker" ergibt. Zahlreiche RasPi-Clone und alternative SBCs bieten mehr MHz, mehr GByte und mehr MBit zu einem ähnlichen Preis, dennoch kommen diese bei weitem nicht an die Beliebtheit des Raspberry Pi heran. Dank seiner offenen Plattform, guter Unterstützung mit freien Treibern und der damit verbundenen schier unendlich großen und kreativen Community bleibt die Maker-Szene dem RasPi seit Jahren treu.

Beim Blick in die Zukunft darf sich die Foundation nun aber nicht auf Ihren bisherigen Erfolgen ausruhen. Ohne USB 3.0 und GBit-Ethernet wird ein hypothetischer Raspberry Pi 3 die Krone des Marktführers unter den Single-Board-Computern abgeben müssen. Bei diesem Schritt steht allerdings ein Abschied vom BCM283/BCM2836-SoC und somit ein größerer Umbruch an, da die Möglichkeiten des Chipsatzes ausgereizt sind. Sorgt die Foundation dabei für Kompatibilität zu bestehender Hard- und Software, bleibt der RasPi auch in der dritten Generation auf dem Thron.

Herzliche Grüße

Christoph Langner

Redakteur

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