Der Raspberry Pi 2 und sein Vorgänger im Vergleich

Erhöhter Puls

,

Der Raspberry Pi ist ein Welterfolg. Die zweite Generation beseitigt nun viele Schwachpunkte, es bleibt aber trotzdem Raum für weitere Verbesserungen.

Der erfolgreichste Single-Board-Computer der Welt erreichte seit dem Start Anfang 2012 über 5 Millionen Abnehmer. Von Anfang an nicht mit der leistungsfähigsten Hardware ausgestattet, fanden die RasPi-Fans immer neue Anwendungen, die den Mini-PC bis an seine Grenzen bringen – und reicht die Rechenleistung wirklich nicht mehr aus, dann wird die CPU übertaktet.

Erst im Juli 2014, zum Start des überarbeiteten Raspberry Pi Modell B+, hatte der Begründer der Foundation hinter der Hardware, Eben Upton, als voraussichtlichen Zeitpunkt für die von vielen ersehnte Version 2 des RasPi das Jahr 2017 angekündigt [1]. Doch schon am 2. Februar 2015 überraschten die Initiatoren die Welt und wohl auch sich selbst mit der Veröffentlichung der zweiten Generation des Computers.

Laut Jack Lang, Chairman der Foundation, ist "We want to revolutionize the desktop" das neue Ziel der Stiftung. Doch für die Revolution auf dem Desktop braucht es deutlich mehr Rechenleistung und Arbeitsspeicher, als der RasPi der ersten Generation mitbringt. Selbst mit dem Modell 2 steht diese Revolution noch am Anfang, die Evolution geht jedoch in die richtige Richtung.

Auf den zweiten Blick

Auf den ersten Blick erscheint die Platine der Version 2 identisch zum Vorgängermodell (Abbildung 1). Das Format und die Anschlüsse haben sich nicht geändert. Wer auf den RasPi 2 umsteigt, hat den Vorteil, dass sämtliches Zubehör und die meisten Addon-Boards zum Anschluss an den GPIO passen. Auf den zweiten Blick fallen jedoch eine Reihe Änderungen ins Auge: Der vorher auf dem BCM2835-Chip [2] montierte 512 MByte große Speicher wanderte im neuen Modell 2 auf die Unterseite der Platine (Abbildung 2) und ist mit 1 GByte doppelt so groß.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick unterscheiden sich die zwei Raspberry-Pi-Generationen (hier der RasPi 1 mit zusätzlich aufgebrachten Kühlelementen) kaum.
Abbildung 2: Der nun 1 GByte große Speicherchip sitzt beim Raspberry Pi 2 (im Vordergrund) nun auf der Unterseite der Platine.

Im Inneren des neuen BCM2836-SoC (Abbildung 3) arbeiten nun vier mit 900 MHz getaktete ARM-Cortex-A7-Kerne anstatt eines ARM1176JZ-F-Prozessors mit 700 MHz und nur einem Kern. Bei der GPU hingegen blieb alles beim Alten: Es kommt immer noch der gute alte Videocore IV zum Einsatz, der einzige öffentlich dokumentierte 3D-Grafik-Kern für ARM-SoCs. Das ermöglicht der Foundation, in vollem Umfang die bereits getane Arbeit zu nutzen, die Entwickler bisher zum Beschleunigen der Ausgabe geleistet haben.

Abbildung 3: Der BCM2836-SoC besitzt nur eine auf 900 MHz getaktete CPU mit vier Kernen. An der Videocore-IV-GPU hat die Foundation nichts geändert.

Bei all den guten Nachrichten gibt es allerdings auch Ernüchterndes: Die Anbindung des 100-Mbit-LAN-Ports und der vier USB-Anschlüsse geschieht weiterhin über den SMSC-Hub-Chip LAN9514 an einen internen USB-Anschluss des BCM2836. Dadurch teilen sich die vier USB-Ports und der Netzwerkanschluss weiterhin die Bandbreite eines einzigen Ports (Abbildung 4). Dieser Engpass besteht also weiterhin – viele Anwender hatten sich Gbit-LAN und individuell angebundene USB-Ports gewünscht, was Konkurrenz-Boards des RasPi schon länger bieten.

Abbildung 4: Beim Raspberry Pi 2 teilen sich die Netzwerkschnittstelle und die vier USB-Ports wieder intern eine Datenleitung.

Einfaches Upgrade

Der RasPi 2 ist vollständig abwärtskompatibel zu den Modellen B und B+ der ersten Generation. Der GPIO-Port, die Display- und Kamera-Schnittstellen, HDMI und Audio/Video-Out funktionieren wie gewohnt und befinden sich immer noch an denselben Stellen. Sie brauchen beim Umstieg auf das neue Modell also nicht zwingend ein neues Gehäuse. Die Stromversorgung des Raspberry Pi 2 erfolgt weiterhin über ein Micro-USB-Netzteil.

Das Upgrade vom Modell B+ auf das neue Modell 2 B klappt für Raspbian-Anwender einfach über das Aktualisieren der Software, das den neuen Kernel für ARMv7 installiert (Listing 1). Der steht seit Anfang Februar bereit. Zusätzlich sollten Sie mittels sudo raspi-config oder manuell in der /boot/config.txt etwaige Übertaktungen deaktivieren, da sonst eventuell ein Datenverlust auf der Micro-SD-Karte des Modell 2 droht. Manipulationen an der Taktrate bleiben aber auf anderem Wege möglich, dazu später mehr.

Listing 1

 

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade
$ sudo rpi-update

Nach dem Software-Update entnehmen Sie die Micro-SD-Karte und setzen sie in den neuen RasPi ein, die im System installierten Software-Pakete laufen anstandslos weiter. Ein Downgrade funktioniert genauso einfach, setzen Sie die Speicherkarte wieder in einen RasPi der ersten Generation ein, dann startet dieser sofort durch.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF
Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Der Raspberry Pi 3 Model B im Detail

    Viele Raspberry-Fans wünschten sich für die nächste Generation des Mini-Computers USB 3.0, SATA-Schnittstelle und Gigabit-Ethernet. Dies alles bietet der Raspberry Pi 3 nicht, dafür aber WLAN, Bluetooth und eine schnelle 64-Bit-CPU.

  • Der neue Raspberry Pi 2 im Vergleich mit dem Odroid-C1

    Wer sich für einen Mini-PC entscheidet, darf nicht allein auf die Leistungsdaten schielen. Das zeigt ein Vergleich zwischen Raspberry Pi 2 und dem kraftvollen Newcomer Odroid-C1.

  • Heft-DVD 03/2015

    Wer sich mit einem Raspberry Pi beschäftigt, der braucht die passenden Systeme für den Mini-PC. Unsere Heft-DVD liefert Ihnen die wichtigsten Distributionen in den aktuellen Versionen. Dazu erhalten Sie die Software für die Artikel und Workshops im Heft.

  • Editorial RPG 03/2015

    Als die Raspberry Pi Foundation das überarbeitete Modell B+ präsentierte, waren durchaus einige RasPi-Fans ein wenig enttäuscht. Die vier USB-Ports und die stabilere Stromversorgung kamen vielen Bastlern gelegen, doch die RasPi-Community wartete sehnlich auf ein Modell mit mehr Leistung. Der unerwartet schnell präsentierte Raspberry Pi 2 versöhnt die Gemeinschaft nun wieder.

  • RasPi-Alternative Banana Pi im Test

    Zum Basteln genügt die Leistung des Raspberry Pi locker, doch als Mini-Server oder Multimedia-Center dürfte er ruhig ein wenig mehr Saft haben. Der Banana Pi verspricht Kompatibilität zum Raspberry Pi – bei einem Plus an Rechenleistung.

Aktuelle Ausgabe

02/2019
Neue Energien

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Scheibchenweise

    Zu den Stärken von Sonic Pi gehört es, mit wenigen Zeilen Code Samples dynamisch auszuwählen und zu zerlegen.

  • Unter Strom

    Für einen kleinen Spannungsmesser wie den INA3221 gibt es viele Einsatzmöglichkeiten. Wir zeigen, wie Sie den flexiblen Baustein richtig verdrahten.

  • Vermittlungsstelle

    Fischertechnik-Modelle bieten sich zum Fernsteuern an. Mit dem Ftduino schlagen Sie die Brücke zwischen dem RasPi und dem Technik-Spielzeug.

  • Durchgeschlängelt

    Mit den M0-Boards steigen Sie unkompliziert in die Welt der Mikrocontroller ein – ganz ohne C-Kenntnisse.

  • Gesiebt und gefiltert

    Filter und Werbeblocker einzurichten ist besonders auf Smartphones aufwendig. Den eBlocker hingegen schließen Sie einfach nur an Ihren Router an.

  • Es werde Licht

    Wollen Sie bei beginnender Dämmerung nicht ständig die Helligkeit der heimischen Beleuchtung nachregeln, überlassen Sie das einfach einem RasPi – der macht es automatisch.

  • Energiekontrolle

    Der Gesetzgeber erschwert das Direktvermarkten von Strom durch technische Hürden: So muss sich die Einspeisung etwa aus der Ferne abschalten lassen. Der RasPi löst das Problem.

  • H<->2<->-Power

    Gilt es, Energie aus einer regenerativen Quelle zu speichern, erweist sich die Kombi aus einer Brennstoffzelle und dem RasPi als ideale Lösung.

  • Kleine Wolke

    Lokale Cloud-Lösungen im Heimnetz finden immer mehr Nutzer. Mit dem RasPi und Seafile haben Sie eine Lösung zur Hand, die selbst professionellen Ansprüchen genügt.

  • Planvoll verdrahtet

    Die Leiterplattendesign-Software KiCad leistet trotz einer etwas umständlichen Bedienung auch Hobbybastlern gute Dienste.