Aktuelle Software für den Raspberry Pi im Kurztest

Angetestet

Datei-Wächter Filemonitor 2.4.1, Logfile-Wachhund Logwatch 7.4.2 Beta, Browser-Shell Phpshell 2.4, Infosammler Phpsysinfo 3.2.1

Datei-Wächter

Filemonitor 2.4.1 identifiziert auf komfortable Weise geöffnete Dateien. Das Tool liefert alle benötigten Informationen zu einer Datei. Allerdings braucht es als Java-Software einen kraftvollen Rechner als Unterbau.

Aktuelle Betriebssysteme wie Linux oder Windows starten schon beim Bootvorgang Dutzende von Prozessen, die zahlreiche Dateien und Verzeichnisse öffnen und nutzen. Wer wissen möchte, welcher Prozess oder welches Programm eine bestimmte Datei gerade in Beschlag nimmt, der braucht ein Tool wie Filemonitor.

Das Java-Tool ermittelt alle zum aktuellen Zeitpunkt geöffneten Dateien. Dabei erfindet das Tool das Rad jedoch nicht neu, sondern greift unter Linux auf bewährte Helfer wie das Konsolenprogramm Lsof zurück. Dessen Ausgabe bereitet das Programm zu einer übersichtlichen, tabellarischen Ansicht auf.

Jede Zeile ordnet eine geöffnete Datei einem laufenden Prozess zu. Hier finden Sie Informationen, wie den Namen des Prozesses, dessen ID, den entsprechenden Datei-Deskriptor oder den aktuellen Status der Datei. Nach dem Aufruf protokolliert die Software seine Zugriffe auf Dateien.

Für eine Analyse in Echtzeit fließen die Daten jedoch zu schnell. Es empfiehlt sich, die Informationen über einen gewünschten Zeitraum zu erfassen und die so gewonnenen Daten in Ruhe zu analysieren. Zum Beschränken der Datenmenge auf die wesentlichen Einträge bietet das Programm Filter. Damit listet das Tool nur die erfassten Daten auf, die relevant sind.

Möchten Sie die überflüssigen Informationen gar nicht erst erfassen, definieren Sie in den Einstellungen ein entsprechendes Profil. Dieses umfasst Filter, die Benutzer, Dateien, Prozesse oder Verbindungen gezielt erfassen oder ignorieren. Diese Einstellungen kombinieren Sie durch logische ODER-Beziehungen oder fügen sie zu einer einzigen UND-Beziehung zusammen. Eine Kombination von beiden ist nicht möglich.

Nichtsdestotrotz reduziert ein Profil die Menge an erfassten Daten. Wenn Ihnen das immer noch zu unübersichtlich ist, blenden Sie darüber hinaus noch einzelne Spalten aus der Gesamtübersicht aus. Aktuelle Versionen der Software enthalten eine Komponente, die die Abfrage von einem entfernten System ermöglicht. Im Test scheiterte dies jedoch.

Filemonitor 2.4.1

★★★

Lizenz: GPLv3

Quelle: http://glsof.sourceforge.net

Logfile-Wachhund

Mit Logwatch 7.4.2 Beta behalten Sie den Inhalt von Logdateien im Auge. Für eine optimale Analyse benötigt das Programm aber viel Feintuning. In Kombination mit dem Scheduler Cron eignet sich das Duo ausgezeichnet zum Überwachen.

Die Logdateien des Systems sind wertvolle Informationsquellen, wenn Sie wissen möchten, was auf dem Rechner los ist. Alle Status- und Fehlermeldungen sowie Firewall-Informationen landen hier. Wer die Dateien im Auge behalten möchte, überträgt die Aufgabe am einfachsten an ein Tool wie Logwatch.

Das Perl-Programm übernimmt für Sie die Analyse der Daten. Die Ergebnisse fasst es als Bericht zusammen. Zur regelmäßigen Kontrolle kombinieren Sie die Software mit dem Scheduler Cron. Die notwendige Konfigurationsdatei ist bereits im Archiv enthalten. Das Ergebnis erhalten Sie via Mail.

Die zu überwachenden Dateien legen Sie in /etc/logwatch/conf/logwatch.conf fest. Möchten Sie ältere Logfiles in die Analyse aufnehmen, setzen Sie den Parameter archives. Standardmäßig kontrolliert die Software nur die aktuellen Dateien.

Falls nicht anders konfiguriert, gibt das Programm den Bericht als Text in der Konsole aus. Alternativ fordern Sie einen HTML-Bericht an. Falls nicht anders eingestellt, überwacht das Tool alle bekannten Dienste. Welche das sind, erkennen Sie an den Prüfskripten im Verzeichnis /usr/share/logwatch/scripts/service. Diese dürfen Sie nach Gusto anpassen oder um eigene Skripte erweitern. Möchten Sie nur bestimmte Dienste überwachen, legen Sie dies über den Service-Parameter in der Konfiguration fest.

Es besteht die Möglichkeit, einzelne Dienste von der Überwachung auszuschließen. Hierzu geben Sie den Dienst ebenfalls mit dem Service-Parameter an und setzen ein Minuszeichen vor den Namen des Dienstes. Sollen nicht ganze Dienste, sondern nur einzelne Logeinträge nicht in die Analyse einfließen, legen Sie dies in ignore.conf in /etc/logwatch/conf fest.

Auf Systemen, die die Logs mehrerer Rechner sammeln und verwalten, grenzen Sie über HostLimit die Auswertung auf Einträge bestimmter Systeme ein. Im Quellarchiv sind bereits Beispiele enthalten.

Logwatch 7.4.2 Beta

★★★

Lizenz: MIT License

Quelle: http://sourceforge.net/projects/logwatch

Browser-Shell

Für die Arbeit auf einem Server ohne SSH-Zugriff erweist sich Phpshell 2.4 als ausgezeichneter Notnagel. Das Tool ist schnell installiert und beherrscht alle grundlegenden Befehle. Allerdings ist die Verbindung nicht abgesichert.

Haben Sie bei einem Provider nur einen einfachen Webspace gebucht, enthält das Angebot in der Regel einen FTP-Zugang; einen SSH-Zugang stellen die meisten Anbieter in der Regel nicht bereit. Wer zu administrativen Zwecken dennoch eine Konsole benötigt, für den ist Phpshell eine Alternative. Sie platzieren das Skript einfach in einem Unterverzeichnis und rufen es dann im Browser auf. Es stellt ein Terminal zum Ausführen einfacher Shell-Befehle bereit.

Dabei sind Sie zwar grundsätzlich nicht auf bestimmte Befehle festgelegt, die Implementation als Browser-Software birgt aber dennoch Einschränkungen: Programme, die eine X-Umgebung benötigen oder auf die Ncurses-Bibliotheken zurückgreifen, versagen hier ihren Dienst.

Auch langlaufende Befehle, wie etwa einen umfangreichen Find-Aufruf, bricht das Programm in der Regel nach 30 Sekunden ab. Dies ist jedoch keine Eigenheit der Shell, sondern liegt an der PHP-Konfiguration der meisten Webserver. Ein weiterer Vorzug, der Ihnen vorenthalten bleibt, ist die Tab-Completion, insbesondere für Shell-Routiniers ein herber Verlust.

Entscheiden Sie sich dennoch für die PHP-Software, ist das Tool schnell installiert und konfiguriert. Dazu passen Sie die Datei config.php an, die sich ebenfalls im Verzeichnis des Programms befindet. Sie gliedert sich in die Rubriken aliases, settings und users.

Zum Verwalten der Nutzer legen Sie in der Rubrik users für jeden Benutzer einen eigenen Eintrag mit Benutzernamen und einem verschlüsselten Passwort an. Das Passwort erzeugen Sie bei Bedarf mit dem ebenfalls im Archiv enthaltenen Tool pwhash.php.

Die Rubrik aliases erlaubt die Definition von Kurznamen für bestimmte Befehle. Ideal, wenn Sie komplexere Aufrufe in der Shell absetzen möchten. Dabei gilt es aber zu bedenken, dass ein definierter Alias allen Nutzern bereitsteht. Globale Shell-Einstellungen wie den Prompt oder das Startverzeichnis nehmen Sie in der Rubrik settings vor. Hier aktivieren Sie bei Bedarf ebenfalls die Upload-Funktion des Skripts.

Phpshell 2.4

★★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://phpshell.sourceforge.net/

Infosammler

Phpsysinfo 3.2.1 fasst in einer HTML-Seite Informationen über Hardware oder Prozesse auf dem System zusammen. Ideal, wenn Sie einen Raspberry Pi im Blick behalten möchten.

Das Tool Phpsysinfo stellt die Daten eines Rechners übersichtlich in einer dynamischen Webseite zusammen. Im Browser lesen Sie ab, wie viel Arbeitsspeicher gerade belegt ist oder wie hoch der Durchsatz auf der Netzwerkschnittstelle ist. Selbst grundlegende Parameter der Hardware, wie etwa den vorhandenen Prozessor oder eingebaute Steckkarten, sieht der Anwender auf einen Blick.

Die Installation gestaltet sich relativ einfach: Sie entpacken als Erstes die Daten auf den Server. Im zweiten Schritt passen Sie die Datei phpsysinfo.ini entsprechend Ihren Vorstellungen an. Das im Archiv enthaltene Beispiel für die Konfiguration eignet sich hier als Vorlage.

Seine Informationen bezieht das Programm unter anderem aus dem Verzeichnis /proc. Um diese abzufragen, deaktivieren Sie den Parameter safe_mode in der PHP-Konfigurationsdatei php.ini. Dies erweist sich unter bestimmten Umständen als ein Sicherheitsrisiko, insbesondere wenn weitere PHP-Anwendungen auf demselben System laufen.

Rufen Sie die Software im Browser auf, erhalten Sie Informationen zur vorhandenen Hardware wie Prozessor oder PCI-Devices, sehen die Auslastung des Arbeitsspeichers, welche Partitionen im System eingebunden sind und welche Distribution installiert ist. Damit Sie immer aktuelle Daten haben, aktualisiert sich die Anzeige im Minutentakt. Dieses Intervall passen Sie bei Bedarf in der Konfiguration an.

Die Konfiguration bietet außerdem die Möglichkeit, die Palette der angezeigten Informationen durch Hinzunahme von Plugins zu erweitern. Eine Reihe dieser Plugins stecken bereits im Quellarchiv, sind aber standardmäßig nicht integriert. Hierzu zählt unter anderem die Abfrage des Batteriestatus, der S.M.A.R.T.-Status der Festplatten, der Status des Software-Raids oder die Liste der ausgeführten Prozesse. Eine Anleitung zum Erstellen eigener Plugins liefert die Datei README_plugin. (agr)

phpsysinfo 3.2.1

★★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://phpsysinfo.github.io/phpsysinfo/

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