Plattformunabhängige Werkzeugsammlung Swiss File Knife

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Schweizer Messer

Swiss File Knife ersetzt auf einen Streich über einhundert einzelne Kommandozeilenprogramme, passt aber trotzdem auf einen USB-Stick und läuft unter allen gängigen Betriebssystemen.

README

Sie sind genervt von den zahlreichen Parametern der einzelnen Kommandozeilenprogramme? Sie müssen ständig mit dem Terminal auf unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten? Dann sollten Sie sich Swiss File Knife genauer ansehen.

Wer gerne das Terminal verwendet, der nutzt zwangsläufig viele verschiedene Programme. Sie alle unterscheiden sich in der Bedienung, was man ganz besonders zu spüren bekommt, wenn man zwischen verschiedenen Betriebssystemen hin- und herwechselt.

In solchen Fällen lohnt ein Blick auf SFK der Firma StahlWorks Technologies [1]: Das Werkzeug ersetzt zahlreiche herkömmliche Kommandozeilenprogramme und kann nicht nur Dateien verwalten, sondern auch Textdateien manipulieren und sogar einen FTP- oder HTTP-Server starten. Auf diese Weise lassen sich schnell Dateien übertragen oder Internetdienste ausprobieren beziehungsweise aufrechterhalten. Obendrein bietet Swiss File Knife (SFK) auch noch die Möglichkeit, einzelne Kommandos in Skripten zusammenzufassen.

Einen kleinen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten des Tools liefert der Kasten "Fähigkeiten von Swiss File Knife". Im Idealfall brauchen Sie für die Arbeit nur noch SFK, dessen Funktionen zudem immer die gleiche Bedienung beziehungsweise Syntax bieten.

SFK steht als vorkompiliertes Programm bereit, das keine weiteren Abhängigkeiten besitzt. So können Sie das Werkzeug auf einem USB-Stick überall mit hinnehmen und vor Ort für Wartungs- oder Rettungsarbeiten einsetzen. Neben 32- und 64-Bit-Binaries für den Raspberry Pi und andere ARM-Rechner gibt es auch Varianten für Linux sowie Windows und Mac OS X. Sie können also auf allen gängigen Systemen mit dem gleichen Werkzeug arbeiten und müssen nicht ständig umdenken.

Fähigkeiten von Swiss File Knife

Dateien und Verzeichnisse

  • Dateien im Verzeichnisbaum anhand von Zeit, Größe und Name heraussuchen und passend sortiert präsentieren
  • Dateien auf verschiedene Arten finden und Duplikate aufspüren
  • Unterschiede zwischen zwei Verzeichnissen anzeigen
  • Kommandos und Programme auf ausgewählte Dateien oder einen ganzen Verzeichnisbaum anwenden
  • MD5-Checksummen (Fingerabdrücke) erstellen und verifizieren
  • Hexdumps von Binärdateien erstellen
  • Inhalte von ZIP-, TAR-, TAR.GZ- und TAR.BZ2-Archiven anzeigen (nur kommerzielle Fassung)

Textdateien

  • Anfang und Ende von Dateien anzeigen (ähnlich head und tail)
  • Dateien filtern und Inhalte (teilweise) ersetzen
  • Dateien schnell teilen und wieder zusammensetzen
  • Tabulatoren entfernen
  • Windows-Zeilenumbruch (CRLF) gegen den Unix-Zeilenumbruch (LF) austauschen

Netzwerk

  • Dateien über die eingebauten FTP- und HTTP-Server austauschen
  • Dateien über die eingebauten FTP- und HTTP-Clients herunterladen
  • Datenstrom einer TCP-, UDP- oder HTTP-Verbindung ausgeben / beobachten

Wahl der Waffe

Alle Varianten von SFK finden Sie auf der Sourceforge-Seite [2] des Tools unter Files | 1-swissfileknife im Verzeichnis mit der aktuellen Versionsnummer, zu Redaktionsschluss 1.7.2. In der Liste klicken Sie dann die zu Ihrem System passende EXE-Datei an, die Sie an der Endung des Dateinamens erkennen (alle auch auf der Heft-DVD).

Für den Raspberry Pi und andere ARM-Rechner eignet sich ...-arm.exe, für 32- und 64-Bit-Linux stehen ...-linux.exe und -linux-64.exe parat. Die Datei mit dem Suffix -linux-lib5.exe ist für ältere Distributionen gedacht, auf denen noch die Bibliothek libstdc++.so.5 zum Einsatz kommt. Die OS-X-Versionen für PPC- und Intel-Maschinen erkennen Sie am Namensbestandteil mac, die Windows-Variante heißt schnöde sfkVersion.exe.

Es steht auch ein ZIP-Archiv zum Download, das unter anderem die Mac-OS-X-, Windows- und Linux-Versionen enthält, Letztere allerdings nur in der 32-Bit-Fassung. Nach dem Entpacken finden Sie die Linux-Programme im Unterverzeichnis uxbin.

Lassen Sie sich bei den RasPi- beziehungsweise Linux-Versionen in jedem Fall nicht von der Endung .exe stören: Es handelt sich trotzdem immer um ein ausführbares Binary. Benennen Sie es in sfk um und machen Sie es ausführbar, etwa mit: chmod +x sfk. Anschließend können Sie SFK direkt nutzen, ohne es installieren zu müssen. Auf Rechnern, auf denen Sie es regelmäßig nutzen wollen, kopieren Sie es am besten an einen passenden Ort, wie etwa nach ~/bin oder /usr/bin.

Zahlemann und Söhne

Zusätzlich zum freien, der BSD-Lizenz unterliegenden Swiss File Knife, das Sie auf Sourceforge erhalten, bietet StahlWorks Technologies noch eine kommerzielle "Extended Edition" an [4]. Sie kann zusätzlich die Inhalte von Archiven der Typen .zip, .tar.gz und .tar.bz2 durchsuchen und filtern, ersetzt Zeichenketten und Byte-Sequenzen in Text- beziehungsweise Binärdateien in einer höheren Geschwindigkeit und versteht beim Suchen und Ersetzen auch Wildcards sowie spezielle Suchmuster (aber weiterhin keine regulären Ausdrücke). Die "Extended Edition" gibt es ausschließlich als 32-Bit-Programm und nicht für ARM-Rechner, eine Lizenz kostet 30 Euro.

Listig

Wenn Sie SFK ohne Parameter aufrufen, präsentiert es Ihnen seine Funktionen. Welche Aufgabe das Programm erledigen soll, teilen Sie ihm über entsprechende Optionen mit. So listet beispielsweise sfk list Musik alle Dateien im Unterverzeichnis Musik auf (Abbildung 1).

Abbildung 1: Hier liefert sfk zunächst einfach alle Dateien im Verzeichnis Musik, dann sortiert nach ihrem letzten Änderungszeitpunkt und zum Schluss nur die drei zuletzt geänderten Dateien.

Der erste Parameter bestimmt grundsätzlich immer die auszuführende Aktion. So weist list SFK an, eine Liste mit Dateien auszugeben. Diese Funktionen bezeichnen die Entwickler von Swiss File Knife als Kommandos. Als zweiter Parameter folgt das Verzeichnis oder die Datei, auf die sich das Kommando bezieht.

Nach dem gleichen Schema rufen Sie auch alle weiteren Funktionen auf. Einige der Kommandos lassen sich noch über weitere Parameter feinsteuern. So liefert etwa $ sfk list -late=all Musik alle Dateien aus dem Verzeichnis Musik, sortiert nach deren Datum- und Zeitstempel. Ersetzen Sie all gegen die Zahl 3, dann zeigt SFK nur die ersten drei Dateien an.

Sofern Sie Parameter angeben, müssen diese immer direkt auf den Kommandonamen folgen. Rufen Sie lediglich sfk list auf, erhalten Sie eine Liste mit allen weiteren Parametern. Auch die meisten anderen Kommandos liefern ohne weitere Parameter ausführliche Informationen über die Optionen. So verrät sfk ftp beispielsweise, wie Sie eine Datei auf einen FTP-Server schieben.

Keine Regel ohne Ausnahme: Manche Kommandos benötigen keine Parameter und legen sofort mit der Arbeit los. So verrät sfk space, wie viel freier Speicherplatz auf dem aktuellen Laufwerk noch zur Verfügung steht. Bei solchen Kommandos liefert der Parameter -help eine Hilfeseite (Abbildung 2). Welche Kommandos das betrifft, erfahren Sie über den Aufruf sfk: Swiss File Knife kennzeichnet diese Kandidaten mit einem entsprechenden Hinweis, meist mit dem Kürzel [-h].

Abbildung 2: Die Online-Hilfe für das Kommando space fällt ungewöhnlich kurz aus. Die der anderen Kommandos liefert meist mehrere Bildschirmseiten.

Die von SFK ausgegebenen Hilfeseiten fallen durchweg ziemlich lang aus. Um sie in Ruhe studieren zu können, leiten Sie sie am besten in eine Textdatei um, nach folgendem Strickmuster

$ sfk list > list_hilfe.txt

Etwas bequemer lässt sich die Referenz auf der SFK-Homepage durchsuchen [1]. Eine Referenz mit allen Kommandos verkauft StahlWorks Technologies für 3 US-Dollar als PDF [3]. Die ersten 20 Seiten lassen sich kostenlos lesen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei jedoch um die Inhalte der Hilfe-Seiten, die SFK ausgibt – in der Regel können Sie sich also den Kauf sparen.

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