Nistkasten im Eigenbau mit Videoüberwachung und Flugkontrolle

© Monticello, 123RF

Starenkasten

Technik trifft Natur – ein vollverkabelter Nistkasten zeichnet Flugbewegungen auf und liefert gleichzeitig Bilder aus der Kinderstube.

Beim Stichwort "Starenkasten" denkt so mancher zuerst an das unliebsame Blitzen, wenn er mit dem Auto zu schnell unterwegs war. In unserem Fall aber spielt hohes Tempo keine Rolle, es geht vielmehr um die heimische Vogelwelt: Der fällt es immer schwerer, passende Plätze für die Brut zu finden. So liegt es für Naturfreunde nahe, den Staren einen Nistkasten zu bauen.

Das Modell aus diesem Beitrag bietet aber im Gegensatz zum Fertigprodukt aus dem Baumarkt einige Extras. So überwacht eine Kamera das Geschehen im Inneren, zwei Lichtschranken ermitteln darüber hinaus die Bewegungen der Vögel beim Füttern des Nachwuchses. Eine Webseite fasst die Ergebnisse zusammen.

Vorüberlegungen

Für ein Projekt von diesem Umfang lohnt es sich, als Erstes einen Plan aufzustellen. So behalten Sie den Überblick, welche Teilaufgaben sich darin verbergen. Das Wichtigste ist der Nistkasten selbst; danach sollten Sie sich um eine geeignete Kamera kümmern. Schließlich wollen Sie sehen, wer sich bei Ihnen einquartiert hat.

Das hilft Ihnen außerdem, wenn es zu Problemen kommt: So ließ sich in einem Nistkasten, den der Autor aufgehängt hatte, zunächst kein einziger Vogel nieder. Des Rätsels Lösung: Ein Wespenvolk wollte dort ebenfalls hausen. Vermutlich haben die neugierigen Vögel und die Wespen sich gegenseitig gestört, sodass letztendlich keine Partei ein dauerhaftes Domizil fand.

Als Nächstes kommt die Lichtschranke an die Reihe. Mit einer einzelnen Lichtschranke finden Sie allerdings nicht heraus, ob ein Einflug oder ein Ausflug stattfindet: Dazu brauchen Sie zwei hintereinanderliegende Schranken. Ein Bewegungsmelder bietet eine zusätzliche Möglichkeit für das Überwachen. Alle diese Komponenten halten Sie mit entsprechenden Programmen zusammen.

Nistkasten

Vor dem Beginn der Arbeit ist es außerdem lohnenswert, sich ein wenig mit Vogelkunde zu beschäftigen. Um Stare und andere Vögel beim Nisten zu beobachten, brauchen diese ein Heim in Reichweite. Achten Sie dabei darauf, dass Sie den Nistkasten für Katzen unzugänglich anbringen.

Im Internet finden Sie zahlreiche Baupläne für Nistkästen. Im Beispiel kam ein vereinfachtes Modell zum Einsatz, dessen Vorteil darin liegt, dass sich alle Teile im Baumarkt zurechtsägen lassen. Die dort vorhandenen Sägewerke bekommen nur 90-Grad-Winkel hin. So entstanden aus einer 3 Zentimeter dicken, 20 Zentimeter breiten und 2 Meter langen sägerauen Bohle die Einzelteile für das Haus (Abbildung 1).

Abbildung 1: Anhand dieses einfachen Plans für einen Nistkasten entstand ein Heim für Vögel, das schon einige Generationen beherbergt hat.

Das Sägeraue bietet den gefiederten Freunden gute Möglichkeiten zum Festkrallen. Es hilft außerdem den Jungen, einfacher aus dem Nistkasten herauszukommen. Nachdem Sie alle Teile ordentlich verschraubt haben, verkleiden Sie das Dach zum Schutz gegen Regen mit Dachpappe, die an den Seiten etwas übersteht. Die Neigung des Dachs erzeugen Sie, indem Sie den Kasten einfach etwas schräg hängen.

Das Flugloch bohren Sie mit einer handelsüblichen Lochsäge. Fixieren Sie dabei das Werkstück gut, um ein Verkanten des Bohrers zu vermeiden. In den Boden sollten Sie noch ein oder zwei etwa 6 Millimeter starke Löcher bohren, um Flüssigkeit abzuleiten.

Stare und andere Höhlenbrüter benötigen eine geschlossene Nisthöhle mit einem Einflugloch. Dessen Größe legt fest, welcher Vogel im Nistkasten brütet (siehe Tabelle "Durchmesser Einflugloch"). Es sollte außerdem weder zur Wetterseite zeigen (also nicht nach Westen), noch sollte der Kasten längere Zeit der prallen Sonne ausgesetzt sein (Süden). Osten oder Südosten wären deshalb die idealen Einflugpositionen.

Durchmesser Einflugloch

Vogelart

Durchmesser (mm)

Star

45

Blaumeise

26-28

Haubenmeise

26-28

Sumpfmeise

26-28

Weidenmeise

26-28

Tannenmeise

26-28

Kohlmeise

32

Kleiber

32

Feldsperling

35

Haussperling

35

Trauerschnäpper

35

Möchten Sie das Obst aus Ihrem Garten selbst essen, sollten Sie lieber einen Meisen- als einen Starenkasten anpeilen: Die Meise mag eher Insekten und lässt das Obst in Ruhe. Ein Star taucht zudem selten alleine auf (Abbildung 2). Viel Wissenswertes über die heimischen Vögel finden Sie auf den Seiten des Naturschutzbunds [1].

Abbildung 2: Heute badet Familie Star. Das kalte Wetter stört sie dabei überhaupt nicht.

Abbildung 3 zeigt einen schon einige Jahre in Gebrauch befindlichen Nistkasten, der schon einige Brutphasen mitgemacht hat. Er ist alt, aber solide – insgesamt steht jedoch ein Update der Technik auf zeitgemäßes Niveau an.

Abbildung 3: Der Nistkasten hat sich nach drei Jahren Einsatz ein Update in Sachen Technik verdient.

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