Bücher rund um den Raspberry Pi

Lesefutter

Rund um den Raspberry Pi haben Verlage weltweit eine breite Palette an Büchern auf den Markt geworfen. Die zum Teil umfangreichen Ausgaben versprechen umfassendes Wissen zum Mini-PC. Unsere Bücherecke nimmt einzelne Bücher unter die Lupe und zeigt, was Sie erwartet und ob sich der Kauf lohnt.

Bücher zum Raspberry Pi erscheinen in jüngster Zeit in zunehmender Frequenz. Alle Verlage, die Computertechnik im Programm führen, haben mittlerweile etliche Titel zu dem Thema im Programm, die meisten davon liegen in deutscher Sprache vor. Das gilt auch für die zwei interessanten Neuerscheinungen, die wir im Folgenden vorstellen: "Raspberry Pi: Das umfassende Handbuch" aus dem Galileo-Verlag und "Hacks für die Digitale Fotografie: Digitalfotografie mit Arduino und Raspberry Pi" von O'Reilly.

Raspberry Pi: Das umfassende Handbuch

Mit dem über tausend Seiten starken RasPi-Handbuch von Michael Kofler, Charly Kühnast und Christoph Scherbeck bringt der Galileo-Verlag das bisher umfangreichste und vollständigste Buch zu diesem Thema auf den Markt. Die renommierten Autoren stehen für fundierte Sachkenntnis – insbesondere, was den Einsatz und die Konfiguration der verwendeten Linux-Systeme angeht. Das Werk eignet sich nach Aussage des Trios durchaus auch für Anwender ohne besonderes Vorwissen, vor allem für solche ohne Programmierkenntnisse.

Die fünf in insgesamt 39 Kapitel unterteilten Abschnitte des Buchs weisen eine recht unterschiedliche Qualität auf. Gerade (Linux-)Erfahrene dürften hier vieles überblättern, insbesondere aber die ersten fünf Kapitel, von denen nur eins Raspberry-Spezifisches behandelt. Dort geht es unter anderem um das Overclocking. Für die Behandlung von Ausnahmesituationen verweisen die Autoren allerdings auf externe Webseiten – keine gute Idee, da viele Anwender von deren meist englischsprachigen Texten überfordert sein dürften. Die anderen Einstiegskapitel diskutieren allgemeine Computer- und Linux-Themen und erscheinen zumeist entbehrlich.

Die nächsten vier Kapitel widmen sich zur Gänze dem Einsatz des Raspberry Pi als Mediaplayer, wobei auch die dabei auftretenden Probleme nicht unter den Tisch fallen. Neben den verschiedenen Spezialdistributionen für diesen Einsatz finden auch das Streaming sowie die Fernsteuerung des Mediacenters via Smartphone eine eingehende Behandlung.

Die folgenden Kapitel variieren inhaltlich sehr stark: Von einer ziemlich entbehrlichen Einführung in die Elektronik-Grundlagen über eine schon sinnvollere Beschreibung von Peripheriechips und Sensoren bis hin zu den Erweiterungsboards und Displays finden sich hier viele mehr oder minder nützliche Informationen mit vielen Code-Beispielen.

Drei Kapitel widmen sich der Programmierung des Raspberry Pi mit Python, je ein weiteres geht auf die Programmiersprachen Java, C und PHP, die Shell-Programmierung und sogar die "Wolfram Language" ein – das wirkt doch etwas sehr zusammengewürfelt. Erst der letzte Teil des Buchs geht ab Seite 850 auf konkrete Raspberry-Pi-Projekte ein. Dazu zählen neben einer Überwachungsanlage, der Hausautomation und einem Tor-Router auch ein GPS-Empfänger, ein WLAN-Router und einige weitere typische Einsatznischen.

Wer dicke Schwarten liebt, der findet mit diesem relativ preisgünstigen Buch sicherlich das, was er sucht. Alle anderen wären mit einem halb so starken Pamphlet, das dafür spezifischer auf den Raspberry Pi eingeht, wohl besser bedient und auch glücklicher. Da es nicht ganz leichtfällt, in der Totholz-Ausgabe des Buchs das Gesuchte auch zu finden, sollten Sie die Anschaffung der E-Book-Variante in Betracht ziehen. Letztere gibt es als EPUB, MOBI und DRM-freies PDF.

Info

Michael Kofler, Charly Kühnast, Christoph Scherbeck

Raspberry**Pi: Das umfassende Handbuch

Galileo Press, 2014

1064 Seiten, gebunden, in Farbe

ISBN 978-3-8362-2933-3

Buch: 39,90 Euro

E-Book: 34,90 Euro

Webseite: https://www.galileo-press.de/raspberry-pi_3636/

Digitalfotografie mit Arduino und Raspberry Pi

Die praktische Anwendung von SBCs in der Digitalfotografie demonstriert Autor Peter Recktenwald in seinem gut 370 Seiten starken Buch. Es gliedert sich in sechs Kapitel, die jeweils mehrere "Hacks" enthalten. Der erste Abschnitt umfasst – wie inzwischen aus unerfindlichen Gründen üblich und eigentlich völlig unnötig – die absoluten Basics der Elektronik. Immerhin enthält es auch einige relevante Informationen zu den unterschiedlichen Arduino-Modellen sowie elementare Fakten zum Raspberry Pi.

Ab Seite 89 beginnt mit dem Abschnitt Nützliche Tools eine Sammlung ganz unterschiedlicher Hacks, die nur zum Teil etwas mit Elektronik, wohl aber sehr viel mit Fotografie zu tun haben. Dazu zählen beispielsweise ein Fotoaufnahmetisch (also eine Lichtbox) und ein verschiebbarer Stativträger ("Fotoslider") sowie eine Sammlung von Werkzeugen und Verbrauchsmaterialien.

Das dritte Kapitel widmet sich dem zentralen Projekt dieses Buchs, dem Bau eines sogenannten Foto-Controllers. Dabei handelt es sich um ein auf dem Arduino basierendes Steuergerät, mit dem sich Kameras automatisch oder aus der Ferne auslösen, Blitze steuern und Sensoren auswerten lassen. Die Hacks in diesem Kapitel beschreibt der Autor sehr ausführlich und unterschlägt dabei auch nicht die regelmäßig auftretenden Probleme bei der Beschaffung der nötigen Hardware. Erfreulicherweise weist er in allen Fällen auf mögliche Abhilfen und Alternativen hin.

Basierend auf diesem Projekt fasst das vierte Kapitel eine Reihe von Erweiterungen für den Foto-Controller zusammen. Zu den beschriebenen Ausbaumöglichkeiten zählen ein FET-Verstärker, eine Infrarot-Fernbedienung und ein Lichtschranke. Dann folgen Hacks für Schall- und Lichtsensoren, Bewegungsmelder sowie Steuerungen für Servo-, Schritt- und Getriebemotoren. Nicht alles davon kann jeder Digitalfotograf auch gebrauchen, doch die vorgestellten Lösungen regen auf jeden Fall zu eigenen Experimenten an.

Im fünften Kapitel geht es um Schmankerl wie Zeitraffer- und Highspeed-Fotografie – beides hochinteressante Themen, die sich ohne Unterstützung durch zusätzliche Hard- und Software gar nicht umsetzen lassen. Recht überzeugend wirken hier die Fotos von platzenden Ballons oder Gewitterblitzen, die der Autor als Beispiele liefert.

Das letzte Kapitel ab Seite 343 beschäftigt sich dann mit Hacks, die den Raspberry Pi verwenden. Warum der Autor die Foto-Falle oder die Panorama-Steuerung allerdings nicht mit den bis hierhin eingesetzten Arduino-Boards, sondern mit dem RasPi realisiert, bleibt unklar – zumal Recktenwald in einem der ersten Kapitel darauf hingewiesen hat, dass das MegaADK-Board auch über einen USB-Host verfügt.

Das thematisch zielsicher ausgerichtete Buch zeigt zahlreiche, zumeist mit vertretbarem Aufwand realisierbare Projekte, die für viele Fotoamateure interessant sein dürften. Völlig überflüssig erscheinen lediglich einige Hacks in den ersten Kapiteln, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben. 

Info

Peter Recktenwald

Hacks für die Digitale Fotografie

O'Reilly, Oktober 2014

384 Seiten, broschiert

ISBN 978-3-95561-644-1

Buch: 34,90 Euro

E-Book: 28 Euro (PDF/EPUB/MOBI)

Webseite: http://www.oreilly.de/catalog/digfotografiehacksger/

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