Editorial 06/2014

Knapp verpasst

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

mal gewinnt man, mal verliert man. In der letzten Ausgabe hatten wir Glück: Der RasPi B+ debütierte gerade rechtzeitig, um ihn Ihnen taufrisch im Test präsentieren zu können. Diesmal kam ein wichtiges Update zu spät, um es noch ausführlich ins Heft zu schaffen: Das neue Raspbian-Release 2014-09-09 und das entsprechende NOOBS erschienen just zwei Tage, nachdem unsere Heft-DVD ins Presswerk gegangen war. Deswegen finden Sie darauf noch die Raspbian- und NOOBS-Versionen vom Juni.

Nachdem das aktuellste Raspbian einige interessante Neuerungen mitbringt, will ich es Ihnen aber wenigstens hier kurz vorstellen. Wie üblich bringt das Image zahlreiche Verbesserungen bei der Firmware und beim Kernel mit, unter anderem auch einen Treiber für Broadcoms brandneuen 802.11n-WLAN-Chip BCM43143. Auch einige Anwendungen haben die Entwickler auf die frischesten Versionen gehoben. So finden sich jetzt das Java-JDK 8, Mathematica 10 und Sonic Pi 2 im Lieferumfang, neu hinzu kommt in der Standardinstallation Minecraft Pi.

Am interessantesten dürfte aber der neue Standard-Webbrowser sein: Epiphany löst den bisher verwendeten Midori in dieser Rolle ab. Wer auch auf dem Desktop Linux verwendet, der kennt den auf GTK+ basierenden Browser bereits aus dem Fundus von Gnome 3. Insgesamt acht Monate Entwicklungszeit steckten die Raspberry-Pi-Mannschaft und die britische Open-Source-Schmiede Collabra in die Portierung von Epiphany. Der auf Webkit 1.1 als Engine aufsetzende Browser unterstützt HTML5 samt dessen Video-Erweiterungen. Der 2D-Rendering-Code wurde für den ARMv6-Befehlssatz des RasPi-SoC optimiert, die Videodekodierung erfolgt via Hardware. Außerdem bringt Epiphany eine verbesserte Javascript-Engine samt Just-in-Time-Compiler mit.

Sie sehen: Ein Update lohnt sich. Falls Sie die SD-Karte Ihres RasPi nicht komplett neu bespielen wollen, kommen Sie auch durch eine Aktualisierung im laufenden Betrieb in den Genuss der neuen Features und Versionen: Tippen Sie dazu einfach in einem Terminal die Befehle aus Listing 1 ein. Auf diese Weise bringen Sie auch ein System auf den aktuellsten Stand, das Sie mit dem Raspbian-Image von der Heft-DVD eingerichtet haben.

Ein Gutes hat es ja immerhin, dass wir für diese Ausgabe das aktuellste Raspbian knapp verpasst haben: Von der NOOBS-Version auf unserem Datenträger können Sie nach wie vor offline neben Raspbian auch Arch, Pidora, OpenELEC, Raspbmc oder RISC OS einrichten. Dagegen enthält die neueste NOOBS-Version ausschließlich die Raspbian-Archive, die anderen Betriebssysteme lassen sich nur noch über eine bestehende Internet-Verbindung nachziehen. Die Raspberry Foundation begründet das mit dem Zwang, auf der SD-Card Platz schaffen zu müssen – nachvollziehbar, aber schade.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Listing 1

 

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade
$ sudo rpi-update
$ sudo reboot
[... Neustart ...]
$ sudo apt-get install epiphany-browser
$ sudo apt-get install minecraft-pi

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