Editorial 05/2014

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Neue Hüte

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

schon geraume Weile hatte es in der Gerüchteküche gegrummelt, dass Mitte des Jahres von der Raspberry Pi Foundation etwas Neues zu erwarten sei. In der ersten Juli-Woche begannen sich die Ereignisse dann zu überschlagen: Die einschlägigen Distributoren streuten erste Informationen über den bevorstehenden Launch eines neuen RasPi-Produkts, wollten aber nicht verraten, wie es heißen würde, geschweige denn, was es sei.

Nur gegen Unterzeichnung eines NDA, also einer Verschwiegenheitsvereinbarung, kam wenigstens der Name aufs Tablett: Ein "Raspberry Pi B+" sollte "etwa Ende Juli" kommen, aber dessen technische Daten blieben vorerst unbekannt. Lange Gesichter in der Redaktion: Am 25. Juli sollte unsere nächste Ausgabe in Druck gehen, den ominösen RasPi B+ würden wir also knapp verpassen.

Aber die Raspberry Pi Foundation ist immer für eine Überraschung gut: Am 11. Juli, einem Freitag, traf die Nachricht ein, dass am folgenden Montag die ersten B+ ausgeliefert werden würden. Nach intensivem Nägelkauen übers Wochenende klappten dann am 14. Juli die Unterkiefer der Redakteure gewaltig nach unten: Der neue RasPi ist nicht etwa das erwartete "Turbo"-Modell mit schnellerer CPU, mehr Speicher, breiterem Bus und eventuell SATA-Port als Sahnehäubchen – statt einer Revolution haben sich die RasPi-Entwickler für sanfte Evolution entschieden [1].

In unseren Tests erwies sich der B+ dann trotzdem als echter Knüller. Bei gleichem Preis wie der Vorgänger bringt er eine ganze Reihe sinnvoller und erfreulicher Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger mit – mehr dazu lesen Sie im Artikel ab Seite 26. Insbesondere ermöglicht die Erweiterung des GPIO-Ports jetzt einen standardisierten und für den Benutzer völlig stressfreien Anschluss von Erweiterungsboards, ähnlich wie ihn die Shields beim Arduino oder die Capes beim BeagleBoard bieten.

Bei RasPi heißt das Pendant HAT, wobei das Akronym für "Hardware Attached to the Top" steht [2]. Dem Konzept ist auch die Position der vier auffälligen, großen Montagebohrungen auf der neuen Platine geschuldet: Sie sollen ein sicheres Befestigen der neuen "Hüte" gewährleisten. Ansonsten genügt zum Erweitern in Zukunft Aufstecken und Wohlfühlen, denn über zwei der neuen GPIO-Pins kann der B+ künftig direkt beim Booten feststellen, ob ein HAT vorhanden ist, das EPROM des Zusatzboards auslesen und gleich die passenden Treiber laden.

Dem Modell B++ folgt schon bald auch ein RasPi A+ mit demselben grundsätzlichen Layout, aber wieder ohne Ethernet-Port [3]. Einen schnelleren, stärkeren RasPi 2 aber soll es laut Eben Moglen nicht vor 2017 geben [4]. Benötigen Sie schon vorher ein Plus auch an Leistung für Ihre Projekte, müssen Sie bis dahin zu Alternativen wie dem Banana Pi (S. 37), BeagleBone Black (S. 40) oder Odroid-U3 (S. 44) greifen. Allerdings: Die Foundation ist wie gesagt ja immer für eine Überraschung gut, und wir haben schon munkeln hören, dass der RasPi 2 bereits zu Weihnachten 2016 unterm Baum liegen könnte …

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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