Leichtgewichtige Webapps im Kurztest

Angetestet: Webapps

 

Briefverteiler

Der schlanke Webmailer Rainloop 1.6.3.715 koppelt sich an IMAP-Server beliebiger Anbieter, ohne dazu eine schwergewichtige Datenbank zu benötigen.

Wer seine elektronische Post per Webmail abrufen möchte, der muss sich bei GMX, Microsoft oder Google anmelden und sich wohl oder übel von diesen Diensten auch während des Surfens tracken lassen. Besonders Google und Microsoft nutzen die so gesammelten Daten gern, um Anzeigen perfekt auf den Websurfer zuzuschneiden. Wer trotzdem auf Webmail nicht verzichten möchte, der setzt sich mit Rainloop einfach einen eigenen Webmailer auf.

Zur Installation entpacken Sie das Quellarchiv ins Dokumentenverzeichnis des Webservers. Die Web-Applikation benötigt nicht zwingend eine Datenbank, sie muss lediglich PHP-Skripte auf dem Server ausführen können. Anschließend lässt sich das Admin-Backend unter http://Server/rainloop/?admin öffnen. Hier ändern Sie unter Security das Admin-Passwort und fügen unter Domains eigene IMAP- und SMTP-Server hinzu, die Ihre Rainloop-Instanz abfragen soll – Gmail, Outlook.com und Yahoo-Mail sind von Haus aus eingetragen. Unter Social gestatten Sie Rainloop, optional Google, Facebook oder Twitter zur Authentifikation zu nutzen. Eine Dropbox-Integration erlaubt das Einfügen von E-Mail-Attachments aus Dropbox heraus.

Nach der Konfiguration melden Sie sich über http://Server/rainloop mit Ihren Zugangsdaten für den E-Mail-Anbieter an. Dank IMAP synchronisiert der Webmail-Client automatisch Ihre Mails, sortiert sie in Ordner und setzt den Lesestatus. Rainloop steht unter einer CC-Lizenz, sie dürfen es für private Zwecke oder nicht kommerzielle Projekte kostenlos nutzen. Im gewerblichen Umfeld fällt eine monatliche Lizenzgebühr von bis zu 10 US-Dollar an. Da Sie zum Anmelden die Zugangsdaten Ihres E-Mail-Anbieters übertragen, sollten Sie Rainloop generell nur über SSL-gesicherte Leitungen nutzen.

Rainloop 1.6.3.715

Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0

Quelle: https://github.com/RainLoop/rainloop-webmail

Zettelwirtschaft

Ob Listen, spontane Geistesblitze oder durchdachte Texte: Die webbasierte Notiz-App Laverna 0.4.0 räumt mit der Zettelwirtschaft auf.

Evernote, Springpad, Google Keep oder Microsoft OneNote: Im Web gibt es zahlreiche Online-Notizbücher. Allerdings gibt man bei diesen fremdgehosteten Diensten nicht nur seine Notizen einem fremden Anbieter preis, sondern muss oft auch noch zahlen. Die in Javascript geschriebene Webapp Laverna legt Ihre Notizen lokal im Browser-Speicher ab, sodass sie sich auch offline nutzen lassen. Eine Datenbank braucht sie zum Betrieb nicht.

Sie installieren Laverna über den Paketmanager Npm der Javascript-Plattform Node.js. Da die Inhalte von Laverna im Browser-Cache liegen, müssen Sie sich bei der App nicht extra anmelden. Über die Settings lagern Sie die Daten zu Dropbox oder einem selbst gehosteten Remote-Storage (http://remotestorage.io) aus und arbeiten so auch rechnerübergreifend mit Laverna.

Ihre Notizen verfassen Sie mithilfe eines Editors in Markdown-Syntax. In seiner zweigeteilten Ansicht setzt Laverna den links ins Textfeld getippten Textsatz in der rechten Ansicht direkt in die formatierte Ausgabe um. Dabei lassen sich sogar Bilder einbinden, die dazu jedoch auf einem externen Speicherdienst gehostet sein müssen. Laverna lädt sie dann lediglich aus dem Netz und bettet sie in die Notiz ein.

Laverna 0.4.0

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/Laverna/laverna

Lesezeichen

Egal, welchen Webbrowser auf welchem Rechner Sie gerade nutzen: Unmark 1.2.6 merkt sich, welche Seiten Sie noch besuchen wollten.

Viele User speichern Verweise auf interessante Webseiten gar nicht mehr klassisch im Browser ab, sondern nutzen Dienste wie Pocket oder Readability. Die merken sich nicht nur den entsprechenden Link, sondern speichern gleich den zugehörigen Inhalt, sodass sich dieser selbst dann noch nachlesen lässt, wenn die Seite das Zeitliche gesegnet hat. Unmark dagegen möchte nur ein Online-Bookmarkmanager sein, diese Arbeit aber besser machen als die in den Browsern integrierten Lesezeichenmanager.

Bookmarks sichern Sie über die Weboberfläche von Unmark oder ein optionales Browser-Plugin für Chrome/Chromium direkt aus der Kopfzeile des Browsers heraus. Dabei lässt sich jedem Lesezeichen ein Label wie Read, Watch, Listen oder Buy zuweisen. So erkennen Sie später schnell, auf welcher Webseite Sie noch vorbeisehen wollten. Nach dem Besuch haken Sie den Link als besucht ab und schieben ihn somit ins Archiv. Dieses lässt sich bei Bedarf in der Zeitleiste einsehen oder per Suchfunktion durchforsten.

Eine Handy-App bietet Unmark nicht an. Da die Webapp jedoch auf Responsive Design setzt, funktioniert Unmark auch in mobilen Webbrowsern ohne große Schwierigkeiten. In der gehosteten Variante des Dienstes unter Unmark.it dürfen Sie ohne einen kostenpflichtigen Account zum Preis von 12 US-Dollar im Jahr keine Bookmarks aus dem Browser importieren und lediglich 50 Lesezeichen sichern. Die Open-Source-Variante von Unmark hingegen erlegt Ihnen keinerlei Beschränkungen auf, Sie müssen sie allerdings selbst einrichten und betreiben.

Unmark 1.2.6

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/plainmade/unmark

Nachrichtenfluss

Ehemalige Google-Reader-Anwender, die noch immer eine neue Bleibe für ihre Feeds suchen, finden in Miniflux 1.1.2 eine gute Alternative.

Als Google Mitte 2013 bei seinem webbasierten Feedreader Google Reader den Stecker zog, mussten sich die Anwender zwangsläufig ein neues Zuhause suchen. Viele fanden beim kommerziellen Anbieter Feedly Unterschlupf, andere setzen seitdem lieber auf eine selbst zu hostende Lösung wie Tiny Tiny RSS oder Selfoss. Tiny lässt sich dank zahlreicher Plugins und Themes leicht anpassen, Selfoss glänzt mit einer besonders zeitgemäßen Gestaltung.

Wem keine der beiden Webapps zusagt, dem steht mit Miniflux eine Alternative zur Verfügung. Das mit PHP umgesetzte Miniflux begnügt sich dank seiner schlanken Architektur auch mit einem schwächeren Webserver auf Basis eines Raspberry Pi und nutzt als Datenbank-Backend das ressourcenschonende Sqlite. Damit Miniflux automatisch die abonnierten Feeds im Hintergrund lädt, richten Sie einen Cronjob ein – entsprechende Informationen dazu bietet die ausführliche Dokumentation auf Github.

Miniflux kommt von Haus aus mit verschiedenen Themes, darunter dunkle Varianten sowie solche, die besonders gut mit der Fensterbreite skalieren, sodass sich der Feedreader auch gut vom Handy oder Tablet aus bedienen lässt. Möchten Sie Miniflux nicht selbst hosten, bekommen Sie gegen eine einmalige Zahlung von 15 Euro einen Account auf Miniflux.net – eine monatliche Gebühr fällt nicht an.

Miniflux 1.1.2

Lizenz: AGPL

Quelle: https://github.com/fguillot/miniflux

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