Editorial 04/2014

Tiefer gelegt

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wer erst einmal einen Raspberry Pi in der Hand gehabt hat, der will das kleine Schätzchen nicht mehr hergeben. Je nach Geschmack, Elektronikkenntnissen und Lötkünsten fällt jedem Anwender auf Anhieb eine ganz persönliche Anwendungsnische für den patenten Rechenzwerg ein. Das schlägt sich auch unmittelbar in der Beliebtheit des Mini-Rechners nieder: In einer aktuellen Umfrage der Embedded-Linux-Website LinuxGizmos.com [1] nach dem beliebtesten Hacker-SBC räumte der RasPi mit gehörigem Vorsprung den ersten Platz ab (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Top-10 der Linux-Hacker-SBCs laut einer Umfrage vom Mai 2014. (Bild: LinuxGizmos.com [1])

Zwar macht der Raspberry Pi seine Besitzer also glücklich, aber eben doch nicht wunschlos glücklich: Bei allem Respekt vor seiner Rechenleistung könnte der Durchsatz auf dem Bus doch gerne höher ausfallen. Insbesondere im Multimedia-Einsatz vermisst man eine leistungsfähige Anschlussmöglichkeit für eine Festplatte. Außerdem erweist sich beim Streaming das Fast-Ethernet-Interface des RasPi als Bremse – mit Gigabit-Ethernet wär das nicht passiert. Und schließlich: 512 MByte RAM sind ja ganz schön, aber Arbeitsspeicher ist bekanntlich durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Arbeitsspeicher.

So verwundert es denn wenig, dass beharrlich Gerüchte um ein imaginäres Modell C des Raspberry Pi ihre Kreise Ziehen, das bei CPU, Bus, RAM und Schnittstellen rundum aufrüsten soll. Wie schon ein oberflächlicher Reality Check ergibt, ist hier aber wohl der Wunsch der Vater des Gedankens und ein RasPi C weit und breit nicht in Sicht – zumindest nicht von der Raspberry Pi Foundation. Die emsige chinesische Chipschmiede LeMaker jedoch hat mit dem Banana Pi jetzt einen weitgehend zum Vorbild kompatiblen RasPi-Klon auf den Markt geworfen, der den Kernvorstellungen zum "RasPi C" schon sehr nahe kommt.

Ein Embedded-Fachmann und RasPi-Spezialist, der schon sehr früh einen der Banana Pis ergattern konnte, stellt in einem Artikel ab Seite 56 den "RasPi auf Steroiden" ausführlich vor und beleuchtet dessen Licht- und Schattenseiten. Kurz vor Drucklegung schlugen auch in der Redaktion drei der RasPi-Klone direkt aus China auf – mehr über unsere Experimente damit lesen Sie im nächsten Heft. Bei Erscheinen dieser Ausgabe dürften außerdem die ersten Banana Pis samt Zubehör bei hiesigen Versandanbietern verfügbar sein, so unter anderem bei Conrad, Reichelt und Vesalia. Während unsere Banana Pis für rund 40 Euro inklusive Versand direkt vom Hersteller LeMaker kamen, wird sich der deutsche Ladenpreis wohl fürs Erste um die 70 Euro bewegen (dafür natürlich aber mit Gewährleistung, die unseren "Chinesen" fehlt).

Übrigens: Falls Sie sich nicht nur für den RasPi und Banana Pi, sondern auch für andere SBCs aus den LinuxGizmos-Top-10 interessieren, dann sollten Sie keinesfalls die nächsten zwei Ausgaben von RasPi-Geek versäumen. Darin stellen wir Ihnen neben dem Banana Pi die drei anderen beliebten und teils deutlich leistungsstärkeren RasPi-Konkurrenten eingehend vor: den Beaglebone Black [2], den Odroid U3 [3] sowie den Cubietruck [4]. Nichts für Sie dabei? Dann schreiben Sie uns doch kurz an mailto:redaktion@raspi-geek.de, was auf Ihrer persönlichen Wunschliste steht.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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