Workshop: RISC OS auf dem RasPi (Teil 2)

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Verwaltungsakt

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Wer seine ersten Gehversuche unter RISC OS startet, der merkt schnell, dass hier so gut wie alles anders läuft als bei anderen Betriebssystemen. Das gilt nicht zuletzt auch für die etwas exzentrisch anmutende Datei- und Programmverwaltung.

README

Der erste Teil des Workshops vermittelte die Grundlagen zur Bedienung von RISC OS. In der zweiten Folge geht es nun um die Konfiguration des Systems sowie die Bedienung des Filers zum Umgang mit Dateien, Verzeichnissen, Applikationen und File-Typen.

Um RISC OS an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, bündelt die Applikation !Configure die gängigsten Konfigurationsmöglichkeiten. Sie finden das Tool in der Raspberry-Pi-Distribution auf der Pinnwand; es handelt sich dabei um einen Link auf die Applikation !Boot im Wurzelverzeichnis. !Configure teilt die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten in sogenannte Plugins auf (Abbildung 1). Wir beschränken uns im Folgenden auf die für Einsteiger wesentlichsten davon.

Abbildung 1: Das Modul Configuration umfasst die wichtigsten Systemeinstellungen.

Boot dient zum Anpassen der Bootsequenz und zur Verwaltung des !Boot-Verzeichnisses. Klicken Sie mit der linken Maustaste (Select) auf Boot, so öffnet sich der Dialog Boot sequence (Abbildung 2). Von dort aus verzweigen Sie bei Bedarf in weitere Fenster.

Abbildung 2: Im Plugin Boot sequence stellen Sie das Startverhalten von RISC OS ein.

Mit Add to Apps verwalten Sie das Apps-Verzeichnis auf der Iconbar. Ein Teil der darin enthaltenen Applikationen ist fest hinterlegt und lässt sich nicht verändern. Bei Bedarf fügen Sie aber selbst Applikationen hinzu oder entfernen sie wieder. Ein Klick mit der linken Maustaste (Select) auf Add to Apps öffnet das Fenster Add to Apps folder. Lassen Sie nun eine Applikation in diesem Fenster per Drag & Drop fallen, entsteht eine Verknüpfung mit dem Apps-Verzeichnis. Set übernimmt die Einstellungen. Das Markieren und der anschließende Klick auf Remove entfernt die Applikation aus dem Apps-Verzeichnis, allerdings nur die Verknüpfung.

Look at legt fest, welche Anwendungen der Filer beim Neustart sehen soll. Öffnen Sie ein Verzeichnis mit einer Applikation, dann erkennt RISC OS automatisch dazugehörige Dateitypen, Icons und so weiter. Ein Doppelklick auf einen bekannten Dateityp öffnet automatisch die dazugehörige Applikation, sofern der Filer sie kennt. Auch hier fügen Sie die entsprechenden Anwendungen per Drag & Drop hinzu und bestätigen die Aktion mit Set.

Der "große Bruder" von Look at heißt Run: Hier hinterlegte Applikationen führt das System beim Start aus. Install mischt !Boot-Dateien externer Applikationen systemkonform ein. Der Filer vergleicht hierzu nicht nur das Änderungsdatum, sondern auch die interne Versionsnummer der eingemischten Bibliotheken, und übernimmt nur aktuellere Versionen.

Über das Pinboard stellen Sie das Erscheinungsbild der Pinnwand ein. Dazu gehören sowohl die Anordnung der angepinnten Objekte als auch die Wahl von Farbe und Textur für den Hintergrund (Abbildung 3). Als Wallpaper eignen sich Bilder der Formate JPEG oder Sprite, die Sie via Drag & Drop auf das Image-Widget rechts vom Schalter Custom Image ziehen und dort fallen lassen.

Abbildung 3: Um das Look & Feel des Desktops anzupassen, verwenden Sie das Plugin Pinboard.

Über Screen (Abbildung 4) stellen Sie Typ und Auflösung des Bildschirms sowie den Screensaver ein. RISC OS bezieht die Konfiguration aus einem Monitor Definition File, allerdings spielen viele der gelisteten Monitortypen heute keine Rolle mehr. Je nach Art des Monitors müssen Sie ein wenig experimentieren. Der im Test verwendete Raspberry Pi funktionierte beispielsweise an einem Monitor des Typs Generic mit einer Auflösung von 1920 x 1080, wie sie sich auch für HD-Fernseher eignet. Bevor Sie Einstellungen mit Set übernehmen, probieren Sie die Parameter mit Try aus. Als Bildschirmschoner steht eine Auswahl kleiner Programme bereit, aus der Sie sich das Passende aussuchen. DPMS unterstützt das Display Power Management Signaling: Monitore, die das Verfahren unterstützen, gehen nach Ablauf der eingestellten Zeitspanne in einen Standby-Modus.

Abbildung 4: Screen erlaubt das Einstellen des Monitors sowie des Bildschirmschoners.

Der Raspberry Pi besitzt keine interne Hardware-Uhr. Aus diesem Grund müssen Sie die Uhrzeit nach dem Booten unter Time and date (Abbildung 5) per Hand einstellen oder die Daten aus dem Internet über einen Zeitserver beziehen. Die deutsche Bezugsquelle lautet de.pool.ntp.org. Unter Locality passen Sie die verwendete Zeitzone an Ihren Standort an. UTC+01:00 Central Europe entspricht der in Deutschland verwendeten Mitteleuropäischen Zeit (MEZ). Für die Sommerzeit (Mitteleuropäische Sommerzeit, MESZ) kommt eine weitere Stunde hinzu. Diese "Daylight Saving Time" (DST) lässt sich unter RISC OS mittels des Schalters DST active setzen. Der automatische Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit funktioniert in der RISC-OS-Version für den Raspberry Pi derzeit noch nicht.

Abbildung 5: In Time and date stellen Sie das Datum und die Uhrzeit des Systems ein.

Unter Mouse konfigurieren Sie das Verhalten der Maus. Drag delay benennt die Zeitspanne, für die Sie die Maustaste drücken müssen, bis das System bemerkt, dass Sie das Objekt ziehen wollen. Drag start distance gibt die Mindestentfernung an, über die Sie die Maus ziehen müssen, damit RISC OS die Operation als Ziehen erkennt. Double-Klick delay gibt das Zeitintervall an, in das zwei aufeinanderfolgende Klicks fallen müssen, damit das System sie als Doppelklick wertet. Double-click cancel distance legt die Entfernung fest, über die Sie die Maus während eines Doppelklicks maximal verschieben dürfen. Autoscroll delay gibt an, wie lange ein Dauerklick auf einen der Richtungspfeile dauern muss, damit der Filer mit dem Dauerscrollen eines Fensters beginnt. Open submenus automatically sorgt für ein automatisches Öffnen vorhandener Untermenüs. Bring iconbar forward automatically holt die Iconbar in den Vordergrund, sobald der Mauszeiger auf ihr verweilt.

Die Grundeinstellungen für die Tastatur treffen Sie im Plugin Keyboard. In der Vorgabe verwendet das System UK, für deutsche Tastaturen wählen Sie hier Germany aus. Falls Ihre Tastatur einen Nummernblock besitzt, aktivieren Sie diesen mit Num lock. Unter Macro Keys lassen sich Applikationen, Verzeichnisse oder Dateien registrieren, die dann auf Tastendruck (ohne oder mit gedrücktem [Strg]) starten oder sich öffnen.

Bei Standard-PC-Tastaturen ordnet RISC OS den Zuständen Red, Green und Blue folgende Tasten zu: Red entspricht der linken Windows-Taste, Green der rechten, und Blue der Menü-Taste. Die zu registrierenden Objekte ziehen Sie per Drag & Drop in das Textfeld. Im kommenden Release der Distribution werden die Bezeichnungen überarbeitet (Left Flag, Right Flag, Right Menu).

Unter Fonts passen Sie die Systemschriften an oder installieren neue Schriftarten. Truetype-Fonts müssen Sie vor dem Einsatz mit einem entsprechenden Tool [1] konvertieren. Unter Help nehmen Sie Einstellungen für die Applikation !Help vor. Diese blendet kontextsensitive Hilfetexte zum Desktop oder zu Applikationen ein, sobald Sie mit dem Mauszeiger entsprechende GUI-Elemente berühren. Auf die Netzwerk-Konfiguration mit Network ging bereits der erste Teil dieses Workshops grob ein.

TIPP

Die Konfigurationseinstellungen schützen Sie unter Hard Disk Lock mit einem Password.

Die Option Access ermöglicht das Teilen von Laufwerken wie Festplatten oder SD-Karten und Druckern in einem Netz von RISC-OS-Rechnern. Die Rollen des Servers beziehungsweise Clients gestalten sich dabei fließend. Nach dem Aktivieren von Access (zu erkennen am grünen Punkt) und anschließendem Neustart erscheint auf der Iconbar ein neues Symbol namens Discs. Ein Doppelklick darauf öffnet ein Fenster mit den lokalen und den remote angebotenen Laufwerken. Ein Doppelklick auf ein Laufwerk installiert dieses auf der Iconbar, woraufhin es sich nutzen lässt. Die Freigabe von bereits im System eingerichteten Druckern funktioniert ähnlich.

Um den RISC-OS-Desktop nach dem Booten in einen bestimmten Anfangszustand zu bringen, gehen Sie wie folgt vor: Starten Sie den Raspberry Pi neu und richten Sie den Desktop so ein, wie er nach dem Booten erscheinen soll. Starten Sie beispielsweise einige Applikationen, öffnen Sie Verzeichnisse, Druckertreiber, und so weiter. Klicken Sie dann auf das Task-Manager-Symbol (die Himbeere rechts auf der Iconbar). Im Menü des Tasks-Fensters wechseln Sie zu Desktop settings. Bestätigen Sie dann in Save settings mit OK. Das System legt nun den aktuellen Zustand in einer Desktop-Bootdatei innerhalb von !Boot ab, die es bei jedem Neustart wieder lädt. Dabei überschreibt RISC OS ohne Nachfrage eine bereits bestehende Desktop-Bootdatei.

Der Filer

Der Filer dient als Schnittstelle zwischen Benutzer und Rechner. Im Stil eines klassischen Dateimanagers bietet er Grundfunktionen zum Kopieren, Löschen und Verschieben an. Ein Linksklick auf das SD-Karten-Symbol links unten in der Iconbar zeigt im Filer-Fenster alle Dateien im Wurzelverzeichnis SDFS::RISCOSPi.$ der SD-Karte an. Bei SDFS handelt es sich um das File-System (siehe Kasten "Dateisysteme unter RISC OS"), RISCOSPi bezeichnet den Namen des Datenträgers.

Dateisysteme unter RISC OS

RISC OS unterstützt zahlreiche Dateisysteme für unterschiedlichste Speichermedien. Auf dem Raspberry Pi kommt primär SDFS für die SD-Karte im Raspberry Pi Slot zum Zug. SCSIFS unterstützt USB/SCSI-over-USB-Medien wie etwa USB-Sticks mit SD-Kartenleser. FAT32FS kommt für FAT32-formatierte Medien zum Einsatz, etwa für USB-Festplatten oder USB-Speichersticks. RamFS nutzt das System für eine interne, im Hauptspeicher angelegte logische Disk, SparkFS für komprimierte Archive. ShareFS eignet sich für den Zugriff auf über Rechnergrenzen hinweg geteilte Verzeichnisse und Ressourcen.

Verzeichnisse symbolisiert RISC OS mit einer blauen Mappe. Sobald Sie den Ordner Documents öffnen, erscheint ein weiteres Fenster, das den Titel SDFS::RISCOSPi.$.Documents trägt. Öffnen Sie weitere Verzeichnisse, so erzeugt der Filer für jedes davon ein neues Fenster (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der Filer öffnet jedes Verzeichnis in einem eigenen Fenster.

Erscheint Ihnen die Fensterflut zu groß, dann schließen Sie einige Fenster mit dem Close-Button (der zweite Schalter oben links am Fensterrahmen, (Abbildung 7)) und versuchen die Operation erneut mit Adjust statt mit Select. Nun zeigt der Filer neue Verzeichnisse im bereits geöffneten Fenster an. So steigen Sie zügig den Verzeichnisbaum hinab. Um im Verzeichnisbaum eine Stufe höher zu steigen, klicken Sie den Close-Button mit Adjust an.

Abbildung 7: Dieses Bild zeigt den grundsätzlichen Fensteraufbau unter RISC OS.

Aufbau und Bedienung von Fenstern

Button

Maustaste

Effekt

Back

Select

Fenster in den Hintergrund legen.

 

Adjust

Fenster in den Vordergrund holen.

 

[Umschalt]+Select

Fenster eine Ebene nach hinten legen.

 

[Umschalt]+Adjust

Fenster eine Ebene nach vorne holen.

Close

Select

Fenster schließen.

 

Adjust

Fenster schließen und übergeordnetes Fenster öffnen.

 

[Umschalt]+Select

Fenster als Icon auf der Pinnwand ablegen.

 

[Umschalt]+Adjust

Übergeordnetes Fenster öffnen.

Title Bar

Select

Fenster in den Vordergrund holen.

 

Select+Ziehen

Fenster in den Vordergrund holen und verschieben.

 

Adjust+Ziehen

Fenster verschieben, ohne es in den Vordergrund zu holen.

Iconise

Select

Fenster als Icon auf der Pinnwand ablegen.

 

Adjust

Fenster als Icon auf der Pinnwand ablegen.

Toggle Size

Select, Adjust

Wechsel zwischen voller und letzter Fenstergröße. Mit [Umschalt] überdeckt das Fenster die Iconbar nicht.

Scroll Up

Select

Eine Zeile nach oben rollen.

 

Adjust

Eine Zeile nach unten rollen.

Scrollbar Well

Select

Eine Seite nach oben rollen.

 

Adjust

Eine Seite nach unten rollen.

Scrollbar Slider

Select+Ziehen

Fensterinhalt auf und ab bewegen.

 

Adjust+Ziehen

Fensterinhalt auf, ab, links und rechts.

Adjust Size

Select

Fenster nach vorne holen.

 

Select+Ziehen

Fenster nach vorne holen und Größe ändern.

 

Adjust+Ziehen

Größe ändern, ohne Fenster nach vorne zu holen.

Die Positionen der Buttons ersehen Sie aus Abbildung 7.

Reprise: Maustasten unter RISC OS

Den Maustasten ordnet RISC OS folgende Funktionen zu: Ein Klick auf die linke Taste (Select) führt eine Hauptaktion aus, ein Klick auf die rechte Taste (Adjust) eine Nebenaktion. Drücken Sie auf die mittlere Taste (Menu), dann öffnet sich ein kontextsensitives Menü.

Select verhält sich ähnlich wie bei anderen Systemen: Aktionen nehmen Sie mit einem Einfachklick, Doppelklick oder Halten und Verschieben ("dragging") vor. Adjust führt in der Regel eine Variation von Select aus. In einem Menü beispielsweise wählt Select einen Eintrag aus und schließt dann das Menü wieder. Dagegen wählt Adjust zwar ebenfalls den Eintrag aus, lässt das Menü jedoch geöffnet.

Ein ähnliches Verhalten weisen auch einige Dokumentenfenster von Anwendungen auf. Haben Sie zum Beispiel einen Text im Editor-Fenster geöffnet und schließen es mittels Adjust, dann öffnet sich direkt der Ablageort des Textes im Filer. Verwenden Sie in Kombination mit dem Close-Button und Adjust die Umschalttaste, so erscheint ein neues Filer-Fenster des Vaterverzeichnisses. Einen Datei-Explorer, wie ihn Gnome, KDE, Mac OS X oder Windows bereitstellen, bietet RISC OS nicht an.

Um ins Filer-Menü zu gelangen, klicken Sie die mittlere Maustaste, während der Mauszeiger auf dem Hintergrund des Filer-Fensters steht. Über das Untermenü Display stellen Sie das Erscheinungsbild des Fensters ein, so etwa die Größe der Datei-Icons, die Icon- beziehungsweise Listendarstellung sowie die Sortierungsmethode für die Dateien. Diese Einstellungen gelten für das Fenster, in dem Sie die Aktion ausgelöst haben, sowie für alle neu geöffneten Filer-Fenster. Das Untermenü File erscheint ausgegraut, falls Sie das Filer-Menü nicht über einen File-Icon (Datei, Verzeichnis, Applikation) geöffnet haben. Mit Select all wählen Sie alle Dateien im Filer-Fenster aus.

Die Dateiauswahl funktioniert auch über das Aufspannen eines "Gummibands". Dazu ziehen Sie bei gedrücktem Select das Band über die auszuwählenden Objekte. Die Auswahl heben Sie durch Clear Selection oder einen Klick auf das Filer-Fenster wieder auf. Unter Options stellen Sie Funktionen ein, die der Filer beim Kopieren, Verschieben und Löschen von Dateien verwendet. RISC-OS-Neulinge sollten unbedingt Confirm deletes aktivieren: Das verhindert durch Einblenden einer Nachfrage das versehentliche Löschen von Dateien. Ein solches lässt sich nicht wieder rückgängig machen, da RISC OS keinen Mülleimer kennt, sondern die Dateien sofort ins Nirwana befördert. Bei Bedarf lässt sich ein solcher Abfallkorb jedoch nachrüsten [2].

Mit Verbose bestimmen Sie, wie viele Zusatzinformationen RISC OS bei Dateioperationen liefern soll. Aktivieren Sie diese Option, öffnet sich zum Beispiel beim Kopieren von Dateien ein Info-Fenster, das den Fortschritt des Kopiervorgangs anzeigt. Damit verfolgen Sie auch längere File-Operationen, die normalerweise im Hintergrund stattfinden.

Mit Force erzwingen Sie beim Kopieren das Überschreiben einer geschützten Zieldatei. Newer überschreibt ein Ziel nur dann, wenn die Quelldatei einen neueren Zeitstempel besitzt. Einige der Optionen erlauben es, sie als Grundeinstellung in RISC OS zu konfigurieren. In der Applikation !Configure finden Sie dazu das Plugin Filer. New directory legt ein neues Verzeichnis an. Set directory setzt das Verzeichnis des File-Fensters als neues "Currently Selected Directory" oder kurz CSD. Das CSD erweist sich vor allem beim Verwenden der Kommandozeile als hilfreich.

Dazu ein Beispiel: Öffnen Sie mit [Strg]+[F12] ein Task Window, geben Sie in das Fenster den Befehl cat ("catalog") ein und bestätigen mit [Eingabe]. Dieser Befehl (in RISC-OS-Sprech "Star-Command" genannt) listet die Inhalte des Currently Selected Directorys. In der Ausgabe des Task-Fensters finden Sie oben das Kürzel CSD. Hinter diesem Namen steht das aktuelle Currently Selected Directory, zum Beispiel SDSF::RISCOSPi.$. Öffnen Sie nun ein neues Verzeichnis und wählen Sie dann im File-Fenster abermals Set Directory. Dann geben Sie im Task Window erneut cat ein und sehen sich das Ergebnis an: Es erscheint der Inhalt des neuen CSD. Dabei gilt: Kommandozeilenbefehle, die keine Pfadangabe als Parameter übergeben, arbeiten immer im CSD. Open Parent zeigt das Vaterverzeichnis in einem neuen File-Fenster an, Refresh frischt den Fensterinhalt auf.

Öffnen Sie nun probeweise einmal das Filer-Menü, wenn Sie mit dem Mauszeiger auf einer Datei, einem Verzeichnis oder einer Applikation stehen (Abbildung 8). Dann erscheinen unter dem zweiten Untermenü weitere dateibezogene Funktionen.

Abbildung 8: Der Umgang mit dem Filer-Menü bedarf einer gewissen Einarbeitungszeit, da das Konzept komplett aus dem von anderen Systemen bekannten Schemata ausschwenkt.

Unter dem Eintrag Copy erscheint das Save-Fenster. Darin benennen Sie das gewählte File um und verschieben das Icon anschließend per Drag & Drop in das Zielfenster. Ein Klick auf OK legt im Quellverzeichnis eine Kopie unter dem neuen Namen an. Delete löscht die ausgewählten Dateien. Mit Access schützen Sie Files via protected/unprotected vor Veränderung, public/private legt die Sichtbarkeit im RISC-OS-Netz fest. Unter Access Details geben Sie differenzierte Berechtigungen an, Count zählt die Anzahl der ausgewählten Objekte.

Help erscheint nur dann, wenn das Applikationsverzeichnis ein !Help-File besitzt. Die Anwahl von Info zeigt Details zur Datei an, wie etwa Namen, Dateigröße, Berechtigungsstatus und Zeitstempel. Mittels Find suchen Sie Files im angegebenen Verzeichnis, optional auch mit Wildcard (*). Mit Set Type setzen Sie für das File den Dateityp. Via Stamp verändern Sie für die ausgewählten Dateien den Zeitstempel (Datum/Zeit). Einige der Funktionen erreichen Sie auch per Tastaturkürzel (siehe Tabelle "Tastaturkürzel für den Filer").

Das Kopieren von Files erfolgt entweder über die Kommandozeile mit einem Copy-Befehl oder in RISC-OS-Manier mittels Drag & Drop vom Quell- zum Zielfenster. Um Dateien zu verschieben, halten Sie während des Drag & Drop die Umschalttaste gedrückt. Ein Kopieren oder Verschieben per Drag & Drop direkt auf das Verzeichnissymbol klappt jedoch nicht.

Tastaturkürzel für den Filer

Kürzel

Effekt

[Rückschritt]

öffnet das Vaterverzeichnis

[Strg]+[A]

wählt den ganzen Inhalt des Filer-Fensters aus

[Strg]+[F]

wechselt die Filer-Anzeige

[Strg]+[S]

wechselt die Sortierreihenfolge im Fenster

[Strg]+[W]

setzt das Currently Selected Directory

[Esc]

nimmt die Auswahl zurück

[Strg]+[K]

löscht das ausgewählte File

[Tab]

springt zum nächsten Filer-Fenster

[Umschalt]+[Tab]

springt zum vorherigen Filer-Fenster

[Strg]+[F12]

schließt das Filer-Fenster

Dateitypen

Der erste Teil des Workshops wies schon darauf hin, dass RISC OS nicht wie etwa Windows mit Dateinamenserweiterungen arbeitet, sondern den File-Typ als Meta-Information im System hinterlegt. Den Dateityp definiert das System über eine Systemvariable, repräsentiert durch eine dreistellige Hexadezimalzahl und einen Klarnamen.

Im Verzeichnis SDFS::RISCOSPi.$.Documents.Images.Artworks finden Sie einige Artworks-Bilder. Das Vektorzeichenprogramm Artworks zählt zu den populärsten Anwendungen unter RISC OS. Öffnen Sie die File-Info für Midget, dann sehen Sie, dass für dieses File der Dateityp ArtWorks mit dem Hexcode D94 hinterlegt ist. Öffnen Sie die Datei nun per Doppelklick, erscheint das Bild im Artworks-Dateibetrachter.

Diese Reaktion ist im System für den Dateityp D94 hinterlegt. Um das näher zu betrachten, öffnen Sie ein Task-Window, geben im Fenster den Befehl show File$Type* ein und bestätigen mit [Eingabe]. Das Ergebnis zeigt eine Liste der derzeit im System bekannten Dateitypen. Der Aufbau folgt dabei dem Schema File$Type_XYZ : Name, wobei XYZ für die dreistellige Hexadezimalzahl und Name für die Bezeichnung des Dateityps steht.

Geben Sie das Kommando show Alias$@RunType* ein, erscheint eine Liste aller Zuordnungen für Doppelklicks auf ein File eines bestimmten Dateityps. Im Alias Alias$@RunType_D94 für den File-Typ der Artworks-Datei steht Folgendes:

Run SDFS::RISCOSPi.$.!Boot.Resources.!AWViewer.!Run %*0

RISC OS startet also für diesen Dateityp mit Run die Applikation !AWViewer, genau genommen das !Run-File mit dem Artworks-File als Parameter %*0 (Abbildung 9).

Abbildung 9: Die Zuordnung von Dateitypen zu Programmen sowie deren Startverhalten zeigt die Ausgabe im Task window.

Um den Datenaustausch mit der Windows-Welt zu erleichtern, gibt es die Konvention, dass RISC OS Dateinamenserweiterungen wie .ext bei foo.ext als foo/ext darstellt – zu sehen etwa bei welcome/html auf der Pinnwand. Damit bleibt unter RISC OS die Eindeutigkeit der Dateinamen erhalten.

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