Raspberry Pi als Synchronisationszentrale

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Im Gleichtakt

Als ausgewachsener Netzwerkspeicher ist der Raspberry Pi zu schwach auf der Brust. Geht es aber nicht um große Datenmengen, dann glänzt der kleine Rechner als flexible Datendrehscheibe.

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Den Datenbestand zwischen mobilen und stationären Rechnern wie Tablets, Smartphones und Laptops konsistent zu halten, erweist sich nicht immer als einfach. Auch Cloud-Anbieter wie Dropbox decken nur einen Teil davon ab. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln übernimmt der Raspberry Pi als Hub diesen Job.

Das alte Microsoft-Motto "ein PC auf jedem Schreibtisch" gilt längst als überholt, der Zoo an täglich genutzten intelligenten Geräten wächst und wächst. Notgedrungen gilt dasselbe auch für den Bedarf an Datenaustausch – Datensynchronisation heißt das Zauberwort. Das Problem: Schon bei fünf Geräten (Server, Desktop, Laptop, Tablet, Smartphone) gibt es jede Menge mögliche Verbindungen. Ein zentraler Synchronisationsserver ersetzt dann sinnvollerweise die einzelnen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, der Datenaustausch findet asynchron über einen zentralen Hub statt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wer den Datenbestand zwischen verschiedenen Geräten konsistent halten möchte, kommt um einen zentralen Hub zur Synchronisation nicht vorbei.

Der Hub bleibt immer verfügbar, die einzelnen Geräte nicht – damit entfallen nicht nur die vielen Einzelverbindungen, sondern auch die Notwendigkeit, dass die am Datenaustausch beteiligten Geräte gleichzeitig online sind. Die Konsequenz daraus: die Datenaustauschzentrale sollte auf einem möglichst stromsparenden Rechner laufen – jedes Watt kostet bei 27 Cent Stromkosten pro kWh immerhin 2,37 Euro im Jahr. Damit eignet sich ein Minirechner wie der Raspberry Pi ideal als Grundlage für einen Sync-Server (siehe Kasten "Wie viel Server braucht es?")

Wie viel Server braucht es?

In vielen Haushalten läuft inzwischen ein NAS (Network Attached Storage), das als Dateiablage dient und immer öfter auch Cloud-Dienste bereitstellt. Zum Teil deckt ein solches System auch Synchronisationsaufgaben ab, einen zusätzlichen Sync-Server benötigen Sie dann nicht mehr.

Falls das NAS mit einem proprietären OS arbeitet oder Sie es wegen des Stromverbrauchs nur bei Bedarf einschalten, kann ein kleiner Rechner in die Bresche springen. Viel Schreib- und Leseleistung muss er gar nicht bereitstellen, denn bei der Synchronisation wandern in der Regel nur kleine Datenmengen über die Leitung.

Alle Dienste, die dieser Artikel beschreibt, funktionieren nicht nur auf dem RasPi problemlos, sondern beispielsweise auch mit dem Mini-Router TP-Link MR3020 [12] samt USB-Stick. Die einzige Ausnahme stellt das Backup-Szenario dar – hier dauert ein typischer Lauf beim TP-Link ungefähr vier Mal so lange wie beim Raspberry Pi. Dafür benötigt das Gerät aber auch nur ein Watt und erlaubt darüber hinaus einen mobilen Einsatz.

Alternative Dropbox?

Dropbox gilt heute fast als Synonym für die plattformübergreifende Datensynchronisation. Wer diese nicht dem amerikanischen Hoster überlassen will, wählt freie Alternativen wie Owncloud [1] oder Seafile [2]. Beide Lösungen laufen auch auf dem Raspberry Pi [3]. Doch nicht immer passt das Schema von Dropbox, sämtliche Daten auf allen beteiligten Geräten synchron zu halten, auf das Problem.

Geht es um das Synchronisieren von Daten, die sich gewöhnlich in einer Datenbank befinden, versagt Dropbox komplett. Das betrifft beispielsweise das Synchronisieren von Firefox-Daten, Adressbüchern oder Terminkalendern. Aber selbst bei normalen Dateien gibt es Anwendungsfälle, die mit anderen Diensten einfacher funktionieren. Das liegt daran, dass Dropbox es nicht erlaubt, Ordner oder Dateien nur mit bestimmten Geräten zu synchronisieren – sie landen stets auf allen. Möchten Sie beispielsweise bearbeitete und kleingerechnete Bilder per Smartphone vorzeigen, brauchen Sie diese auch nur dort – und nicht etwa auf einem anderen PC.

Der RasPi bietet die Möglichkeit, verschiedene Sync-Lösungen parallel zu betreiben. Sie kommen sich nicht ins Gehege, und der Ressourcenbedarf fällt auch nicht so umfangreich aus, dass er den Minirechner überfordern würde.

Vorarbeiten

Als Ausgangspunkt der vorgestellten Lösung dient ein abgespecktes Raspbian-System. Das Deinstallieren aller nicht benötigten Pakete drückt den Platzbedarf der Installation auf deutlich unter 1 GByte, also weniger als ein Drittel der aktuellen Raspbian-Distribution. Damit bleibt genug Speicherplatz für den Datenaustausch. Um den Artikel nachzuvollziehen, verwenden Sie zunächst aber die Standardversion.

Für zwei der Lösungen benötigt der RasPi einen lauffähigen Webserver samt PHP. Als Vorarbeit installieren Sie mit Root-Rechten die notwendigen Pakete mit dem Skript aus Listing 1. Wir entschieden uns für den leichtgewichtigen Webserver Lighttpd; Raspbian bietet mit Apache oder Nginx aber auch Alternativen, die genauso funktionieren.

Listing 1

#!/bin/bash
# Installation Webserver
apt-get update
apt-get install lighttpd
# PHP5 Basisinstallation plus Cache
apt-get install php5-cgi php-apc
ln -s /usr/share/doc/php-apc/apc.php /var/www/
lighttpd-enable-mod fastcgi-php
/etc/init.d/lighttpd force-reload
# Systeminfo über PHP
apt-get install php-sysinfo
ln -s /usr/share/phpsysinfo /var/www/status
# Rechte setzen
chown -R www-data:www-data /var/www

Das letzte Paket, phpsysinfo, benötigen Sie nicht zwingend – es zeigt aber auf einen Blick, ob die Installation geklappt hat. Dazu rufen Sie im Browser die URL http://RasPi-IP/status auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Status-Seite von Phpsysinfo zeigt auf einen Blick den Zustand des Systems und des Webservers.

Der Artikel geht davon aus, dass der Server nur im Heimnetz läuft und Sie deshalb keine sichere Verbindung via HTTPS benötigen.

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