RasPi als DHCP- und DNS-Server

Zeiteinstellung

Damit in Ihrem Netzwerk eine gemeinsame Zeitführung auf allen Geräten gewährleistet ist, richten Sie auf dem RasPi einen NTP-Server ein, den alle Geräte zur Zeitsynchronisierung verwenden. Das dem Artikel zugrunde liegende Raspbian-Image enthält diesen bereits. Allerdings empfiehlt es sich, den vorgegebenen Zeitserver zu ändern. Dazu tragen Sie in die Datei /etc/ntp.conf Server aus dem NTP-Pool ein [1] und kommentieren die anderen aus (Listing 3).

Listing 3

[...]
#server 1.debian.pool.ntp.org iburst
#server 2.debian.pool.ntp.org iburst
#server 3.debian.pool.ntp.org iburst
server 0.de.pool.ntp.org iburst
server 1.de.pool.ntp.org iburst
server 2.de.pool.ntp.org iburst
server 3.de.pool.ntp.org iburst

Hier gibt es noch eine kleine Stolperfalle zu überwinden: Holt der RasPi die IP-Adresse via DHCP – was ja bis zum Umstellen auf die statische Adresse der Fall war – dann liest er die Konfiguration des Zeitservers nicht aus der Datei /etc/ntp.conf, sondern aus /var/lib/ntp/ntp.conf.dhcp. Das bleibt so lange der Fall, wie diese Datei existiert. Und in dieser steht der vom DHCP-Server vorgegebene Zeitserver, üblicherweise die Adresse des DSL-Routers.

Vergewissern Sie sich zunächst, dass der RasPi die statische IP-Adresse verwendet. Um das zu gewährleisten, starten Sie mit dem Befehl sudo init 6 den Rechner neu. Danach löschen Sie die Datei /var/lib/ntp/ntp.conf.dhcp und rebooten nochmals. Überprüfen Sie abschließend nach etwa zwei Minuten mit dem Befehl ntpq -p, ob der Zeitserver jetzt die richtigen Einstellungen verwendet (Listing 4).

Listing 4

$ ntpq -p
     remote           refid      st t when poll reach   delay   offset  jitter
==============================================================================
+imap.immobilien .PPS.            1 u   41   64    1   79.383   -0.553   1.211
+195.50.171.101  145.253.2.212    2 u    5   64    1   11.553   -1.133   1.247
*stratum2-4.NTP. 129.70.130.70    2 u    9   64    1   17.939   -1.059   0.146
-ntp.uni-oldenbu 192.53.103.104   2 u   40   64    1   24.178   -0.018   0.811

Nameserver

Die Namensauflösung über einen eigenen Server gelingt mehr als drei Mal so schnell wie die über externe Nameserver – vor allem deshalb, weil der lokale DNS wiederholte Anfragen aus dem eigenen Cache beantwortet. Um das zu demonstrieren, fragen die Aufrufe in Listing 5 tausend Mal die Auflösung eines Domain-Namens ab, zuerst via Internet und danach lokal.

Listing 5

$ time (for i in `seq 1 1000`; do dig google.com @8.8.8.8 > /dev/null 2>>/dev/null; done)
real    0m24.156s
user    0m4.825s
sys     0m3.517s
$ time (for i in `seq 1 1000`; do dig google.com @127.0.0.1 > /dev/null 2>>/dev/null; done)
real    0m7.632s
user    0m4.305s
sys     0m2.736s

Freilich dauert die Namensauflösung einzelner Adressen nur Millisekunden, sodass deren Dauer für ein Heimnetzwerk eigentlich keine große Rolle spielt. Es spricht aber trotzdem ein gutes Argument für den eigenen Nameserver: Er macht es möglich, die Geräte im eigenen Netz über einprägsame Namen anzusprechen statt über mehr oder minder kryptische IP-Adressen.

Für die Namensauflösung ist in unserem Szenario der Berkeley Internet Name Domain Server Bind 9 zuständig. Sie richten ihn mittels des Kommandos aus der ersten Zeile von Listing 6 auf dem RasPi ein. Wichtig ist dabei, dass der Pi über eine ausreichend große SD-Karte verfügt; sie sollte mindestens 4 GByte, im optimalen Fall aber besser 16 GByte Kapazität bieten.

Listing 6

$ sudo apt-get install bind9
$ sudo apt-get install dnsutils

Mit dem Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 6 installieren Sie zusätzlich die DNS-Utilities. Damit stehen Ihnen so nützliche Befehle zur Verfügung wie Nslookup und Dig. Eine Prüfung mit Nslookup zeigt, dass der RasPi derzeit über den Gateway den DNS-Dienst Ihres Providers als Master benutzt (Listing 7).

Listing 7

$ nslookup www.telekom.de
Server:         192.168.100.1
Address:        192.168.100.1#53
Non-authoritative answer:
Name:   www.telekom.de
Address: 217.150.151.99

Um das zu ändern, passen Sie die Datei /etc/resolv.conf wie in Listing 8 beschrieben an. Adressen von freien Nameservern [2], wie sie das Beispiel bereits enthält, finden Sie auf diversen Seiten im Web [3]. Nach dem Anpassen der resolv.conf sieht ein Aufruf von Nslookup so aus wie in Listing 9.

Listing 8

domain heimnetz.local
search heimnetz.local
nameserver 127.0.0.1
nameserver 194.187.164.20
[...]
nameserver 213.30.253.65
nameserver 141.2.1.3

Listing 9

$ nslookup www.telekom.de
Server:         127.0.0.1
Address:        127.0.0.1#53
Non-authoritative answer:
Name:   www.telekom.de
Address: 217.150.151.99

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Heft-DVD 05/2013

    Ohne ein System handelt es sich bei dem Raspberry Pi nur um eine Platine ohne Funktion. In der ersten Ausgabe von Raspberry Pi Geek stellen wir Ihnen auf dem beiliegenden Datenträger einen Grundstock an passenden Linux-Derivaten bereit, mit denen Sie den Single-Board-Computer in einen funktionsfähigen PC verwandeln.

  • Raspberry Pi als Tor-Router und Web-Filter

    Auf dem Raspberry Pi lässt sich ein Tor-Proxy im Handumdrehen einrichten und mit minimalen Kosten betreiben. Damit platziert sich der Mini-Rechner als ideales Werkzeug, um die Privatsphäre bestmöglich zu wahren.

  • Die moderne Wordpress-Alternative Ghost auf dem Raspberry Pi

    Wer ein Blog starten möchte, greift in der Regel zu Wordpress. Mit Ghost macht jetzt ein Neuling dem bisherigen Platzhirsch ernsthaft Konkurrenz.

  • Stromversorgung per Windturbine

    Peilen Sie ein Projekt an, bei dem der Raspberry Pi abseits jedes Stromnetzes seinen Dienst versehen muss? Meist kommt in solchen Szenarien Solarstrom zum Zug. Liefert die Sonne nicht genügend Leistung, kann eine preiswerte Windturbine als Ergänzung einspringen.

  • Mit dem Raspberry Pi eine Wetterstation anzapfen

    Einige Wetterstationen liefern ihre Messdaten per USB an einen angeschlossenen Rechner. Mit dem Raspberry Pi lassen sich so die Daten auswerten und per Web-Anwendung ins Netz stellen.

Aktuelle Ausgabe

06/2019
Home Improvement

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Verschlungene Pfade

    Mit Schleifen, Fallunterscheidungen und Funktionen programmieren Sie komplexe Skripte auf einfache und elegante Weise.

  • Extrem genau

    Mit einem A/D-Wandler messen Sie bei Bedarf Spannungen. Der MCP3424 macht dabei konstruktionsbedingt eine gute Figur.

  • Verbindungsaufnahme

  • Süßer Wecker

    Dem RasPi fehlen sowohl eine Echtzeituhr als auch ein BIOS, ein zeitgesteuertes Wecken erfordert also Zusatzkomponenten. Hier springt der Witty Pi Mini in die Bresche, ein µHAT von UUGear.

  • Windows to go

    Das Aufsetzen zuverlässiger und sicherer Remote-Desktop-Lösungen erfordert einiges Know-how. Die RasPi-basierte Pinbox von Pintexx reduziert den Konfigurationsaufwand auf ein Minimum.

  • Prima Klima

    In Museen ist es Pflicht, zu Hause nützlich: das permanente Prüfen und zentrale Erfassen der Feuchtigkeit und Temperatur in Räumen.

  • Auf einen Blick

    Ein maßgeschneiderter Infoscreen auf RasPi-Basis mit stromsparendem E-Ink-Display zeigt Termine, Bilder, Mitteilungen und Wetterinformationen an.

  • Sanft berührt

    Mit einem RasPi und dem Controllermodul PiXtend lassen sich mühelos Roboterarme ansteuern und deren Bewegung automatisieren.

  • Popcorn-Kino

    Mit Kodi 18.0 unterstützt LibreELEC 9.0 jetzt die von vielen Streaming-Diensten genutzte DRM-Verschlüsselung. Die Integration von Netflix, Amazon und Co. erfordert allerdings Handarbeit.

  • So nah und doch so fern

    Der RasPi kommt häufig als Server oder Steuerrechner für spezielle Zwecke zum Einsatz. Mit Anydesk erhalten Sie dazu eine Steuersoftware mit grafischer Oberfläche.