Infoscreens ansteuern mit dem Raspberry Pi

Concerto

Concerto [3] besteht aus einem Server und einem oder mehreren Clients – RasPis oder auch normalen PCs-- welche die Bildschirme steuern. Diese holen sich die Inhalte vom Concerto-Server, auf dem Sie den Content über ein Webinterface administrieren. Ein Client besteht mehr oder weniger nur aus einem Webbrowser, der eine Webseite vom Server abruft und im Vollbildmodus anzeigt.

TIPP

Wer sich das Concerto vorab ansehen will, findet im Web eine Demoseite [4], die sowohl die Bildschirme zeigt als auch den Test des Admin-Interface erlaubt.

Einen Concerto-Client installieren Sie auf dem RasPi sehr einfach: Dazu benötigen Sie in erster Linie einen Browser – neben Midori käme hier auch Chromium im Kiosk-Mode (@chromium --kiosk) infrage.

Zusätzlich ziehen Sie bei Bedarf das Paket unclutter nach. Es sorgt dafür, dass kein Mauszeiger erscheint. Anschließend stellen Sie sicher, dass der Browser im Fullscreen-Modus startet und den Concerto-Server kontaktiert. Dazu fügen Sie in der Datei ~/.config/lxsession/LXDE/autostart die Zeile aus Listing 4 ein.

Listing 4

@midori -e Fullscreen -a http://Concerto-Server/screen/?mac=MAC-Adresse

Für Concerto-Server setzen Sie die Adresse des entsprechenden Rechners ein, MAC-Adresse ersetzen Sie durch die MAC-Adresse des Raspberry Pi. Zuletzt verhindern Sie, dass der Bildschirm sich ungewollt abschaltet. Dazu modifizieren Sie in der Datei /etc/lightdm/lightdm.conf im Bereich [SeatDefaults] den Startbefehl wie folgt:

xserver-command=X -s 0 dpms

Concerto bietet wie bereits erwähnt die Möglichkeit, mehrere Bildschirme anzusteuern. Der Server läuft als PHP-Anwendung, die als Datenbank einen MySQL-Server braucht. Dieser muss nicht zwangsläufig auf dem gleichen Rechner laufen wie Concerto.

Für die Installation laden Sie von der Homepage [5] die Server-Software herunter, entpacken sie und kopieren die Daten auf den Webserver. Concerto gibt es in zwei Varianten: Einmal mit einem speziellen Authentifizierungssystem (CAS) der Yale-Universität, einmal ohne. In der Regel genügt die zweite Variante (aktuell: concerto-1.9.3-NoCAS). Um die Rechte anzupassen, geben Sie auf dem Webserver die folgenden Befehle ein:

$ cd concerto-directory
$ sudo chown -R www-data .

Anschließend kopieren Sie die Config-Datei config.inc.php.sample nach config.inc.php und passen zumindest die Variablen aus Listing 5 entsprechend den konkreten Gegebenheiten an.

Listing 5

$db_host = 'localhost';     // Datenbank-Server
$db_login = 'user';         // Datenbank-User
$db_password = 'password';  // Datenbank-Passwort
$db_database = 'concerto';  // Datenbank-Name
// Important paths
define('ROOT_DIR', '/var/www/');  // Pfad zur Concerto-Installation
define('ROOT_URL', '/');          // URL zur Concerto-Installation

Anschließend legen Sie die Datenbank an und befüllen diese mit den erforderlichen Tabellen und Daten aus dem Verzeichnis install (Listing 6). Der letzte Befehl setzt das Passwort für den User admin. Dieses steht zwar ab Werk leer, die Software erlaubt aber keine Logins mit leerem Passwort.

Listing 6

mysql -h localhost -u user -p concerto < schema.sql
mysql -h localhost -u user -p concerto < data.sql
mysql -h localhost -u user -p concerto -e "update user set password=md5('Passwort') where id=0;"

Um zu überprüfen, ob die Installation passt, bietet Concerto ein kurzes Diagnose-Skript an (Abbildung 4). Ein im Test aufgetretener Fehler – die Variable PATH_INFO war nicht korrekt gesetzt – ließ sich mit einem Klick auf try visiting this lösen. Falls das nicht klappt, müssen Sie in der Apache-Konfiguration (oder .htaccess-Datei) noch die Direktive AcceptPathInfo On einfügen.

Abbildung 4: Mit einem kleinen Skript überprüfen Sie die Installation des Concerto-Servers.

Zum Schluss richten Sie noch einen Cronjob ein (Listing 7). Den enthaltenen Pfad passen Sie entsprechend an, falls sich Concerto auf einem virtuellen Server oder in einem Unterverzeichnis befindet.

Listing 7

 */5 * * * * wget --delete-after --quiet http://localhost/common/scripts/cron.php

Concerto ist nun einsatzbereit. Nach der Anmeldung gelangen Sie zuerst ins Dashboard (Abbildung 5). Hier zeigt sich schnell, dass es sich bei Concerto um eine komplexe Applikation handelt: Das Repertoire umfasst neben einer Benutzerverwaltung die Möglichkeit, Inhalte freizuschalten, Bildschirme einzurichten sowie Inhalte hochzuladen und zu administrieren.

Abbildung 5: Über das Dashboard verwalten Sie die Funktionen von Concerto an einer zentralen Stelle.

Als Erstes installieren Sie die Templates von der Homepage [6]. Im Menü Admin finden Sie dazu ganz unten den Template Importer (Abbildung 6). Ein Template beschreibt, wo auf dem Bildschirm Text, Grafiken und eventuell die Uhrzeit stehen sollen, und definiert daneben ein Hintergrundbild.

Abbildung 6: Über Template legen Sie das Layout für die Inhalte auf dem Infoscreen fest.

Zunächst laden Sie ein Template-ZIP-Archiv herunter, entpacken es, und wählen im Importer die Grafik- und die XML-Datei aus. Anschließend legen Sie einen Feed im Menüpunkt Browse Content an. Damit kategorisieren Sie die Nachrichten. User dürfen die Feeds mit Inhalten füllen; Administratoren wählen aus, welche Feeds wie häufig auf einem Bildschirm erscheinen.

Nun legen Sie im Menüpunkt Screens den ersten Screen an. Bei der MAC-Adresse, nach der die Software fragt, handelt es sich um jene, die Sie bereits auf dem Client in der URL beim Browser angegeben haben. So erkennt der Concerto-Server die einzelnen Bildschirme.

Haben Sie den Screen angelegt, klicken Sie nochmals auf den Schirm und konfigurieren, welche Feeds dieser enthält (Manage Subscriptions). Zuletzt fügen Sie den Content im Menüpunkt Add Content hinzu und geben an, zu welchen Feeds dieser gehört.

Concerto erlaubt Benutzern, sich selbst einen Account anzulegen (Sign up) und dann selbst Inhalte zu übertragen. Diese bleiben aber versteckt, bis ein Moderator mit entsprechenden Rechten sie freigibt (Abbildung 7).

Abbildung 7: Neue Inhalte von Benutzern bedürfen der Freigabe eines Administrators, bevor sie auf dem Schirm erscheinen.

Fazit

Möchten Sie möglichst schnell und unkompliziert einen Monitor zum Infoscreen umrüsten, dann kommen Sie an Screenly OSE kaum vorbei. Die Installation und Administration fallen leicht, und die Software bringt alle Features bereits mit, die Sie in einem ersten Anlauf vermutlich brauchen.

Concerto erweist sich als Overkill, wenn Sie nur einen Bildschirm betreiben möchten. Außerdem unterstützt das Programm aktuell nur Bilder und Text. Die Entwickler arbeiten aber bereits an Concerto 2 [7], das mit Videos und dynamischem Content wie etwa Wettervorhersagen klarkommen soll.

Raspberry Digital Signage vermag dagegen mit beiden Projekten noch nicht zu konkurrieren. Die Art, wie die Entwickler den Code zum Download bereitstellen, lädt darüber hinaus nicht zur Mitarbeit ein.

Es existieren noch etliche weitere Projekte, die einen Raspberry Pi als Steuereinheit fürs Digital Signage verwenden. Genügen die vorgestellten Lösungen Ihren Ansprüchen nicht, dann finden Sie in der Digital-Signage-Übersicht von Elinux.org weitere Anregungen [8]

Der Autor

Wolfgang Dautermann arbeitet als Systemadministrator und hat neben vielen Linux-Varianten schon diverse andere Unixe gebändigt, darunter Solaris, Irix und Tru64. Er zählt zu den Organisatoren der Grazer Linuxtage.

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