Bücher: "Raspberry Pi Hacks", "Raspberry Pi Cookbook"

Lesefutter

Rund um den Raspberry Pi haben Verlage weltweit eine breite Palette an Büchern auf den Markt geworfen. Die zum Teil umfangreichen Ausgaben versprechen umfassendes Wissen zum Mini-PC. Unsere Bücherecke nimmt einzelne Bücher unter die Lupe und zeigt, was Sie erwartet und ob sich der Kauf lohnt.

Bücher zum Raspberry Pi erscheinen in jüngster Zeit in zunehmender Frequenz. Selbst Verlage wie O'Reilly führen mittlerweile etliche Titel zum dem Thema im Programm, die meisten davon liegen in deutscher Sprache vor. Zwei interessante Neuerscheinungen, die beide bisher nur auf Englisch vorliegen, ergänzen jetzt die umfangreiche Literaturliste: "Raspberry Pi Hacks" und das "Raspberry Pi Cookbook".

Raspberry Pi Hacks

Mit etwa 350 Seiten in einem flexiblen Einband gehört das für 20 Euro erhältliche Buch [1] zu den günstigeren Titeln rund um den RasPi. Es gliedert sich in sechs Kapitel und 60 als "Hacks" titulierte thematische Abschnitte. Neben reinen Software-Hacks beschreibt es auch eine Reihe von Hardware-Basteleien.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit einigen recht trivialen Themen, wie etwa dem Formatieren und Einhängen einer SD-Karte. Im weiteren Verlauf tasten die Autoren sich aber an einige gefährliche Modifikationen wie Overclocking und Overvolting heran. Zwar weist der Text ausdrücklich auf die damit verbundenen Gefahren bis zum Totalverlust der Hardware hinweist, die Platzierung solcher heiklen Themen im ersten Kapitel erscheint dennoch wenig verständlich.

Auf die Hardware der Raspberry Pi gehen die Autoren recht ausführlich ein und erklären dabei unter anderem die Funktion der auf der Platine vorhandenen Testpoints. Ob es allerdings einen ganzen Hack wert ist, die mechanische Empfindlichkeit eines Puffer-Elkos für die Stromversorgung zu thematisieren, sei einmal dahingestellt. Dafür behandeln die nächsten Hacks die GPIO recht ausführlich.

Die beiden Hauptautoren stammen aus dem Umfeld des Fedora-Projekts: Ruth Suehle leitet Fedoras Project Marketing Team, Tom Callaway ist der zuständige Fedora Engineering Manager. Letzteres erklärt wohl die oftmals nicht sofort nachvollziehbare Wahl von Pidora als Distribution. Für einige der interessanteren Hacks kommen zusätzliche Autoren hinzu. Das hat den Vorteil, dass diese über ihre eigenen Projekte sehr fundiert berichten.

Insgesamt kommt dieser Teil trotzdem etwas kurz. Das zeigt sich auch am Beispiel zum Mediacenter auf Basis von Musicbox und optional MPD. Zusätzlich gibt es einen Hack zum Mediacenter XBMC. Dort weisen die Autoren auf die spezielle Distribution Raspbmc hin und beschreiben den Anschluss einer Fernbedienung. Weitergehende Informationen fallen aber spärlich aus.

Wirklich nervig wirken die teilweise seitenlangen Python-Listings, die – obwohl kaum kommentiert – vermutlich der Erläuterung von Programmen dienen. Dass die Leser diese abtippen, mögen die Autoren hoffentlich nicht ernsthaft annehmen. An vielen Stellen im Buch finden sich Fotos und Abbildungen, die durchaus beim Verständnis der Texte helfen. Diese fehlen jedoch im Index, und auch eine Übersicht der Abbildungen suchen Sie vergeblich.

Insgesamt hinterlässt das Buch einen etwas schalen Eindruck: Streckenweise wirkt es, als hätten die Autoren Mühe gehabt, die von ihnen angestrebten 390 Seiten auch zu füllen. Derzeit liegt "Raspberry Pi Hacks" nur auf Englisch vor, eine deutsche Übersetzung ist aber für Mai in Vorbereitung.

Info

Ruth Suehle, Tom Callaway

Raspberry Pi Hacks

1. Auflage, Januar 2014

390 Seiten, broschiert

ISBN 978-1-4493-6234-8

Buch: 20 Euro

E-Book (PDF): 15,99 Euro

Raspberry Pi Cookbook

Ganz anders wirkt das Buch von Simon Monk, das im Januar 2014 erschien [2]. Mit 32 Euro kommt das "Cookbook" deutlich teurer als die "Hacks", umfasst aber auf 400 größerformatigen Seiten auch signifikant mehr Informationen. Es gliedert sich in 14 Kapitel, die sich mit allen relevanten Problemen rund um den Mini-PC beschäftigen.

Das beginnt mit der Konfiguration, hauptsächlich mittels Raspi-config – obwohl dieses Stichwort im Index fehlt. Es folgen Abschnitte zu den Varianten des Netzwerkbetriebs sowie der Arbeit mit verschiedenen Raspberry-Pi-Betriebssystemen. Allein vier Kapitel beschäftigen sich mit der Python-Programmierung. Ebenfalls nicht zu kurz kommen das GPIO-Interface und die Steuerung unterschiedlicher Hardware, wie LEDs, Stepper- und Servo-Motoren sowie diverser Sensoren. Die letzten beiden Kapitel thematisieren externe Displays und den Ausbau des RasPi durch Arduino-Boards und andere Hardware.

Alle Kapitel folgen dem gleichen Aufbau: Der Abschnitt "Problem" beschreibt eine konkrete Aufgabenstellung, für das der Autor unter "Solution" eine Lösung vorschlägt. Zusätzliche Informationen zum Thema enthält die teilweise recht umfangreiche "Discussion", worauf meistens noch Verweise zu anderen Abschnitten oder externen Quellen unter "See also" folgen.

Die Kapitel 3 bis 7 konzentrieren sich darauf, Linux-Unkundige im Umgang mit dem System zu unterstützen. Das erscheint bei einem Buch zum Linux-affinen Raspberry Pi auf den ersten Blick zwar nicht zwingend erforderlich, doch entstammt erfahrungsgemäß ein Gutteil der Nutzer dennoch dem Windows-Lager. Darüber hinaus präsentieren sich die einzelnen Abschnitte gut strukturiert und geschrieben, lediglich der Umfang von vier Kapiteln zu Python wirkt etwas heftig.

Allerdings hätten die Informationen rund um die RasPi-Hardware gerne etwas ausführlicher ausfallen dürfen. So beschreibt der Autor zwar sowohl das Kameramodul als auch alternative Wege zum Anschluss einer USB-Kamera, geht jedoch auf die wichtige Software Motion nur sehr kurz ein. Sinngemäß das Gleiche gilt für GPS-Module. Die Ausbaumöglichkeiten über zusätzliche Hardware wie etwa Erweiterungsplatinen beschreibt das Buch dagegen vorbildlich.

Das "Raspberry Pi Cookbook" enthält so gut wie alle relevanten Informationen zum Einsatz des Raspberry Pi und darüber hinaus noch vieles mehr. Ergänzend zum Buch hat Autor Simon Monk eine Reihe von Videos produziert (alle englischsprachige), die er im Netz kostenfrei bereitstellt [3]

Info

Simon Monk

Raspberry Pi Cookbook

1. Auflage, Januar 2014

412 Seiten, broschiert

ISBN 978-1-4493-6522-6

Buch: 32,00 Euro

eBook (PDF, EPUB, Mobi): 25,49 Euro

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