Alles offen

2,5 Millionen verkaufte Exemplare des Raspberry Pi sprechen eine deutliche Sprache: Der Mini-PC beflügelt die Kreativen und Bastler rund um Globus. Die offene Kultur rund um die Hardware hilft dabei, bestehende Projekte weiterzuentwickeln.

Liebe Leserinnen und Leser,

der März begann mit einer guten Nachricht für alle RasPi-Freunde: Das Unternehmen Broadcom versprach, die Spezifikationen für den Videocore IV freizugeben. Das würde ein Stück weit den Weg ebnen [1], um einen komplett quelloffenen Treiber für den Grafikkern des im Mini-PC verbauten BCM2835-SoC zu erstellen. Die eigentliche Spezifikation bezieht sich auf ein ähnliches Produkt.

Damit die Sache in Schwung kommt, hat die Raspberry Pi Foundation gleich ein Preisgeld 10 000 US-Dollar für denjenigen ausgelobt, der als Erster einen Treiber programmiert, mit dem Quake III auf dem RasPi läuft [2]. Außerdem weckt die Freigabe der Specs Hoffnungen, auch bald einen Treiber für Android auf dem RasPi entwickeln zu können.

Raspberry-Vater Eben Upton meldete sich denn auch prompt zu Wort: Er betonte, dass es nur mit einem freien Treiber möglich sei, Fehler in der Software zu korrigieren und neue Funktionen hinzuzufügen. In der Vergangenheit hatte Broadcom für einen eher halbherzigen Versuch, Teile der Firmware freizugeben, herbe Schelte aus der Community bezogen. Es bleibt zu hoffen, dass es die Firma diesmal ernst meint, und Upton – ein Angestellter von Broadcom – sich in dieser Angelegenheit nicht vor den Marketing-Karren hat spannen lassen.

Die Nachricht von der Freigabe der Spezifikationen war auf jeden Fall gut abgepasst: Just zu diesem Zeitpunkt zählte die Foundation gut 2,5 Millionen verkaufte Exemplare des kleinen Computers – ein beachtlicher Erfolg und ein Beweis für den durch die knuffige Rechnerplatine ausgelösten unglaublichen Kreativitätsschub. Wie groß dessen Bandbreite ausfällt, zeigen auch die Artikel dieser Ausgabe. Ob als DNS/DHCP-Server für ein lokales Netzwerk, digitaler Infoscreen oder Ersatz für eine teure IP-Cam – es gibt kaum ein Problem, für das sich nicht mit dem RasPi und freier Software eine Lösung finden ließe.

Dass Projekte nicht nur aus Lust am Basteln entstehen, sondern manchmal aus der Not geboren sind, zeigt ein Beitrag, der mich in dieser Ausgabe besonders begeistert hat: der kindgerechte MP3-Player, der Albentitel via QR-Code einliest (S. 58). Als Vater zweier Vorschulkinder hat das Thema bei mir sofort ins Schwarze getroffen. Eine geniale Idee, die ich so noch nirgends gesehen habe.

Aber ganz egal, ob Sie beim Stöbern in dieser Ausgabe eine Inspiration für neue Projekte suchen oder eine clevere Lösung für ein bislang unlösbares Problem: Sie dürfen sicher sein, dass wir von Anfang bis zum Ende alle Informationen offen legen, ganz im Sinne freier Software.

Herzliche Grüße

Andreas Bohle

Stellv. Chefredakteur

Infos

  1. Spezifikation für Videocore IV freigegeben: http://www.golem.de/news/raspberry-pi-broadcom-gibt-dokumente-zum-grafikkern-frei-1403-104877.html
  2. Preisgeld der Raspberry Pi Foundation: http://www.raspberrypi.org/archives/6299

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • RasPi als DHCP- und DNS-Server

    Es sprechen einige Gründe dafür, die Namensauflösung im heimischen Netz in die eigene Hand zu nehmen. Der RasPi erledigt nicht nur das, sondern betätigt sich nebenbei auch noch als Adressverteiler und Zeitserver.

  • Dynamisch vergebene IP-Adressen ermitteln

    Welche IP-Adresse hat der Router, der Laptop, die Kaffeemaschine? Clevere Linux-Tools geben hier schnell Auskunft.

  • Die neue Firefox Synchronisation

    Mozillas Sync-Server erlaubt es, den Bestand von Lesezeichen, offenen Tabs oder gespeicherten Passwörtern über mehrere Browser zu synchron zu halten. Mit wenig Aufwand läuft er auch auf dem RasPi.

  • Teil 5: Mini-Farb-TFT ILI9341 ansteuern

    Über ein kleines Display behalten Sie Messdaten und andere Werte des ESP8266 jederzeit im Blick. Eine passende Bibliothek erleichtert das Verdrahten.

  • Raspberry Pi emulieren

    Wer viel am System bastelt, der kennt das Problem: Ein falscher Befehl, und das System startet womöglich nicht mehr. Abhilfe schafft eine virtuelle Umgebung wie Qemu: Hier stellen Sie den Zähler einfach wieder auf null und basteln weiter an Ihrem Raspbian.

Aktuelle Ausgabe

08/2019
Smarte Hacks

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Immer der Reihe nach

    Mit einer einfachen Schaltung testen Sie Bausteine, die über den SPI-Bus miteinander kommunizieren.

  • Einzigartig

    Eine MAC-Adresse ermöglicht die Kommunikation im Netzwerk. Der 24AA02E48 liefert sie für Setups, die aus grundlegenden Komponenten bestehen.

  • Steinkuchen

    Der Raspberry Pi hat viele Fans, doch nicht ohne Grund sehnen sich viele Anwender nach einem RasPi 4. Der Rock Pi 4 übertrumpft den RasPi 3 in Sachen Leistung um Längen und schlägt sich auch in der Praxis gut.

  • Kerngeschäft

    Der Einstieg in die Welt der Mikrocontroller fällt nicht ganz leicht. Mit dem Nucleo F401RE haben Sie jedoch ein Entwicklerboard samt abgestimmter Entwicklungsumgebung an der Hand.

  • Himbeer-Geräte

    Mit Maus und Tastatur im weiß-roten Raspberry-Look macht die Raspberry Pi Foundation das eigene Angebot an Peripheriegeräten für den Mini-Rechner komplett.

  • Unter Kontrolle

    PiCockpit ist eine speziell auf den RasPi zugeschnittene Online-Monitoring-Lösung. Wir werfen einen ersten Blick auf den brandneuen und in Ausbau befindlichen kostenlosen Dienst.

  • Ins rechte Licht gesetzt

    Selbst ohne eigenen Garten holen Sie sich Pflanzen mithilfe von LEDs in jeden Raum und sehen ihnen mit dem RasPi beim Wachsen zu.

  • Helligkeit nach Maß

    Wer bei wechselnden Lichtverhältnissen nicht ständig die Beleuchtung manuell nachregeln möchte, der spannt dafür einen PiXtend ein.

  • Geschrumpft

    Kleine Bildschirme gibt es zwar viele, aber der Support von Raspbian ist überraschend schlecht. Mit ein paar Tricks erzielen Sie trotzdem ein optimales Ergebnis.

  • Brüllwürfel

    Kompakt-Stereoanlagen mit CD-Spieler und Kassettendeck sind inzwischen oft ein Fall für den Recyclinghof – oder für die digitale Wiederbelebung mit einem RasPi und etwas Geschick.