Veranstaltungsbericht: Pi and More 4 in Luxemburg

TorPi

Im darauf folgenden Vortrag empfahlen Mitglieder des luxemburgischen Chaos Computer Clubs [7], angesichts der NSA-Enthüllungen das eigene Surfverhalten über einen Onion-Pi-Router zu verschleiern. Eine Anleitung zum Einrichten lieferten sie innerhalb des Vortrags aus Zeitgründen nicht, verwiesen Interessenten jedoch auf den CCC-Stand (Abbildung 5), wo sie im persönlichen Gespräch die Onion-Pi-Konfiguration erläuterten.

Abbildung 5: Stand des Chaos Computer Clubs Luxemburg.

Der Vortrag behandelte hingegen Tor im Allgemeinen sowie eigene Erfahrungen beim Betrieb von Tor-Servern. Hierbei erzählten die Referenten auch von dem von ihnen mitgegründeten Verein "Frënn vun der Ënn" [8]. Der luxemburgische Name (deutsch: Freunde der Zwiebel) spielt auf das bei Tor genutzte anonymisierende Onion-Routing an, die Non-Profit-Organisation betreibt Tor-Server in sechs Ländern.

Mittlerweile arbeitet der Verein bezüglich der von ihm betriebenen Tor-Exit-Nodes mit einem Anwalt zusammen. Das erleichtert zum einen den Umgang mit Beschwerdeführern, die das Prinzip des anonymisierenden Onion-Routings nicht so recht verstanden haben. Zum anderen erweist sich juristische Unterstützung insbesondere auch bei Auskunftsersuchen bezüglich der IP-Adresse von Tor-Nutzern als unumgänglich.

Insgesamt führt es den Erfahrungen der Referenten zufolge zu deutlich weniger Unannehmlichkeiten, wenn ein Verein statt einer Privatperson Server für Tor-Exit-Nodes mietet: Ein einzeln agierender Betreiber gerät schnell ungerechtfertigt in das Visier von Behörden. Die "Frënn vun der Ënn" finanzieren ihre Ausgaben über Mitgliedsbeiträge, Crowdfunding, Spenden und Sponsoren.

Retro-Gaming

Kurz vor dem letzten Vortrag referierte ein Teil der Pi-and-More-Gründer der ersten Stunde kurz darüber, dass sie wenige Tage vor diesem vierten Jam einen Verein gegründet hatten: Er trägt den Namen "CMD - Computer, Menschen, Dinge" und solle zukünftig die Organisation von Veranstaltungen wie dieser fördern.

Danach betrat der letzte Referent des Tages das Podium. Er erklärte in der darauf folgenden Präsentation, wie man seiner Erfahrung nach das bestmögliche Retro-Gaming-Erlebnis mithilfe eines Raspberry Pis hervorruft. Dafür machte er drei Faktoren verantwortlich: Funktion, Gefühl und Aussehen.

Funktion meint hierbei, dass die Emulation schnell genug ablaufen muss, um spielbar zu sein. Um dies beim RasPi zu gewährleisten, müssen die Emulatoren die SDL-Bibliotheken anstatt von OpenGL benutzen, da nur dann der Pi die Hardware-Beschleunigung der GPU nutzen kann. Das kann man von Hand konfigurieren – oder einfacher ein fertiges Image wie RetroPie nutzen [9].

Hinsichtlich des Gefühls sprach der Referent die Nutzung möglichst authentischer Gamepads an, während der Aspekt Aussehen auf das zu nutzende Gehäuse einging. Für Letzteres existieren beispielsweise Anbieter, die Nachbildungen von klassischen Arcade-Automaten-Behausungen offerieren. Allerdings passt es möglicherweise besser zur Do-it-yourself-Mentalität des RasPis, sich selbst ein Retro-Gehäuse zu zimmern. Zum Abschluss wurden noch via Beamer verschiedene auf dem Mini-Computer laufende Emulatoren demonstriert. 

Hinter den Kulissen

Am Rande des Jams erzählten uns François-Xavier Flotterer und Kijamet Kenan, die stellvertretend für das Organisationsteam das Gespräch mit Raspberry Pi Geek führten, wie es zu der deutsch-luxemburgischen Kooperation kam.

Mehrere Mitglieder des CEST [10], der Studentenvertretung der technischen Fakultät an der Universität Luxemburg, wollten gerne einen Pi-Jam vor Ort veranstalten. Doch aufgrund der überschaubaren Größe des Landes erschien es schwierig, genügend Redner und Besucher für einen solchen zu finden. So schloss man sich mit Gleichgesinnten aus der 50 Kilometer entfernt liegenden deutschen Grenzstadt Trier kurz, die bereits Erfahrungen mit der Organisation mehrerer RasPi-Jams gemacht hatten.

Die Trierer Nachbarn stellten nicht nur den Namen und die Homepage der Pi and More zur Verfügung, sondern gestalteten auch einen Teil der Vorträge sowie den Workshop. Darüber hinaus organisierten sie einen Shuttle-Bus von der deutschen Seite der Grenze hin zum Veranstaltungsort in Luxemburg. Aufgrund der internationalen Zusammensetzung des Publikums fanden sämtliche Veranstaltungen auf Englisch statt.

Die Luxemburger Gastgeber wendeten viel Mühe auf, um gute Rahmenbedingungen für einen Jam zu schaffen. So stießen beispielsweise RasPi-Neulinge während der Veranstaltung auf keinerlei Equipment-Probleme: Vor Ort konnte man nicht nur für den Elektronik-Workshop ein Steckbrett und eine Auswahl an elektronischen Bauteilen kaufen, für 30 Euro war auch der neuere Raspberry Pi Modell B zu haben.

Laut Flotterer und Kenan nahmen dieses Mal hauptsächlich Deutsche und Luxemburger am Jam teil. In Zukunft wolle man zusätzlich mehr französische Besucher anlocken. Hierbei hat der veranstaltende CEST insbesondere die grenznahen Städte Metz und Nancy im Visier. Auf diese Weise könnten sich Menschen aus drei Ländern auf ein und derselben Veranstaltung miteinander austauschen.

Infos

  1. Pi and More: http://www.piandmore.de
  2. Circlean: http://circl.lu/projects/CIRCLean/
  3. OpenMePi: https://hacker.lu/projects/openmepi
  4. Hackerspace syn2cat: http://www.hackerspace.lu/
  5. Space-API: http://spaceapi.net/
  6. PiTörn: https://plus.google.com/109628681691714768670/posts
  7. CCC Luxemburg: http://c3l.lu/doku.php
  8. Verein "Frënn vun der Ënn": http://www.enn.lu
  9. Retro-Gaming: Makro Dragicevic, "Spiele-Schätzchen", RPG 01/2014, S. ###, http://www.raspi-geek.de/30910
  10. CEST: http://www.cest.lu

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