Spielkonsolen-Klassiker auf dem Raspberry Pi emulieren

© Ratoca, 123RF

Spiele-Schätzchen

Über Emulatoren lassen sich auf dem Raspberry Pi auch ohne Konfigurationsorgie klassische Konsolenspiele direkt nutzen. Für das volle Retro-Feeling schließen Sie dabei den Original-Controller der alten Nintendo-Konsole an die GPIO-Pins des RasPi an.

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Zum Nachspielen alter Klassiker eignet sich der Raspberry Pi ausgezeichnet – er ermöglicht sogar das Anschließen originaler Konsolen-Gamepads. Die zwei hier vorgestellten SD-Karten-Images vereinfachen die Nutzung passender Konsolen-Emulatoren erheblich.

Wer vor 30 Jahren Videospiele nutzen wollte, schloss dazu typischerweise einen kleinen Kasten an den Fernseher im Wohnzimmer an. Dabei handelte es sich entweder um einen handlichen Home-Computer oder eine Spielkonsole, zur Steuerung diente ein Gamepad oder Joystick. Das nostalgische 80er-Jahre-Feeling lässt sich mit den entsprechenden SD-Karten-Images auf dem Raspberry Pi problemlos wiederbeleben.

PiMAME

Ein beliebtes Image dazu ist PiMAME [1], das direkt nach dem Booten ein kleines Textmenü anzeigt, in dem Sie mit den Cursortasten den gewünschten Emulator auswählen und starten. Hierfür haben die Urheber eine Raspbian-Installation derart abgeändert, dass sie zur Leistungsoptimierung nur noch die notwendigsten Dienste startet. Anschließend führt das System nach einem automatischen Login sofort ein Skript aus, welches das Auswahlmenü präsentiert.

Zwar gibt es auch auf modernen Flatscreen-TVs mit HDMI-Anschluss keine Probleme mit der Darstellung des Textmenüs, doch schwören echte Retro-Fans darauf, Konsolenspiele der 80er- und 90er-Jahre stilecht nur auf alten Röhrenfernsehern zu nutzen. Dank des beim Pi ebenfalls vorhandenen analogen Ausgangs für das Videosignal stellt das auch kein Problem dar. Das Bild wirkt dann wegen der Interlace-Streifen und der weicheren Übergänge originalgetreuer als ein scharf gestochener, digitaler Bildschirm.

Falls Sie sich dafür entscheiden, zur Darstellung einen alten Röhrenfernseher einzusetzen, sollten Sie kein zu kleines Gerät für diese Aufgabe heranziehen – anderenfalls wirkt das Textmenü von PiMAME eher schwer lesbar.

Zur Auswahl (Abbildung 1) stehen zum einen Emulatoren für diverse Spielekonsolen (PS1, SNES, Gameboy, Game Boy Advance, Atari 2600, Neo Geo). Zum anderen lassen sich mit den Programmen MAME4All und AdvanceMAME vielerlei Videospielautomaten aus den Spielhallen der 80er-Jahre am RasPi wiederbeleben. Als einzige Homecomputer-Emulation steht der Commodore C64 zur Verfügung.

Abbildung 1: PiMAME beschränkt sich auf ein einfaches, dafür jedoch übersichtliches Textmenü.

Bei den Emulatoren für die von PiMAME berücksichtigten Konsolen gab es im Test keinerlei Geschwindigkeitsprobleme, die verwendeten Klassiker liefen alle flüssig und ohne zu ruckeln. Fans des Grafikadventure-Genres freuen sich über das mitgelieferte ScummVM [2]. Dieses macht sich zunutze, dass in den 80ern Spieleschmieden wie Lucasfilm Games oder Sierra On-Line ihre Spiele nicht etwa in einer maschinennahen Sprache programmierten, sondern jeweils firmeneigene Interpreter verwendeten, die den Spielen jeweils beilagen. Open-Source-Programmierer fanden via Reverse Engineering den Aufbau der kodierten Interpreterdateien heraus und entwickelten mit ScummVM ein eigenes Abspielprogramm (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit ScummVM und dem Adventure Police Quest erleben Sie den Alltag eines US-Streifenpolizisten im Jahr 1991.

Wenn Sie nun beispielsweise ein MS-DOS-Grafikadventure von damals benutzen möchten, müssen Sie dazu nicht den kompletten DOS-PC emulieren – was sich gerade bei den aufwendigeren Titeln an manchen Stellen zu langsam gestalten könnte. Stattdessen kopieren Sie nur die Spieledateien in das ScummVM-Unterverzeichnis, woraufhin sich der Interpreter um ein natives und dadurch angenehm flüssiges Abspielen des Adventures kümmert.

Games und ROMs

Dem PiMAME-Image fehlt jedoch noch eine wichtige Zutat: Spiele. Die überwiegende Mehrzahl davon gibt es wegen nach wie vor bestehender Urheberrechte nicht als Download – zumindest nicht als legalen.

Für ScummVM benötigen Sie nur die Dateien, welche damals auf dem Datenträger des Spiels enthalten waren. Für den C64 und die emulierten Konsolen brauchen Sie Abbilddateien der originalen Spiele-Medien. Die nennt man nicht ganz korrekt oft pauschal "ROMs", obwohl diese Bezeichnung streng genommen nur für Images von Konsolen-Cartridges zutrifft.

Zwar finden sich im Internet solche ROM-Dateien zum Download, doch dürfen Sie diese aus juristischer Perspektive nur dann verwenden, wenn sich eine zugehörige Original-Cartridge in Ihrem Besitz befindet. Damit streifen Sie dann zwar noch immer durch eine rechtliche Grauzone, brauchen aber in der Praxis eher nicht mit Problemen zu rechnen, da Sie die Nutzungsrechte für das Spiel legal erworben haben.

Um die Spiele-Dateien auf den RasPi zu kopieren, stehen viele Wege offen. Da es sich bei PiMAME lediglich um ein modifiziertes Raspbian-Image handelt, können Sie beispielsweise raspi-config starten, dort dann den SSH-Server aktivieren, und im heimischen LAN via SFTP die Dateien auf den Minirechner hochladen.

Alternativ rufen Sie bei PiMAME in der Konsole den Desktop mittels startx auf – er wird zwar standardmäßig nicht gebootet, liegt aber in der Image-Datei trotzdem voll installiert vor. Dort starten Sie dann einen Webbrowser und laden über diesen beispielsweise die Spiele aus einem Cloud-Speicher herunter, wo Sie sie zuvor mit einem anderen Rechner abgelegt haben.

Die Spieledateien einiger älterer Konsolen sind oft nur wenige KByte groß, sodass Sie diese selbst über eine langsame Netzverbindung binnen kürzester Zeit auf den Pi transferieren. Im Fall der Playstation und auch der Grafikadventures für ScummVM sieht das meist schon ganz anders aus: Hier kann ein einzelner Titel durchaus einmal 500 MByte Platz belegen, bei durchgehender Sprachausgabe sogar noch mehr. Für das Kopieren solcher Datenmengen auf den Raspberry Pi bietet es sich an, eine externe Festplatte oder einen USB-Stick zu verwenden.

Die ROM-Dateien müssen Sie nur einmalig auf den Pi übertragen. Anschließend gestaltet sich der Ablauf unkompliziert und angenehm flüssig: SD-Karte booten, im Menü die gewünschte Konsole wählen (etwa C64 oder ScummVM), spielen. Innerhalb der Emulatoren erreichen Sie meist über eine der Funktionstasten deren Menü, über das Sie das Programm auch wieder beenden und so ins Spielkonsolen-Auswahlmenü zurückkehren. Im Test traten dabei keinerlei Probleme auf.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht noch ein SD-Karten-Image gibt, das noch mehr Features parat hält?

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