Die wichtigsten RasPi-Jams in Asien

© Japanese Raspberry Pi User Group

Ferne Länder

Der RasPi ist ein internationales Phänomen: Weltweit regt er Menschen zu kreativen Ideen an. Auch in Asien, dem bevölkerungsreichsten Kontinent der Erde, haben bereits einige Jams stattgefunden.

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Der Artikel stellt Raspberry Pi-Jams in verschiedenen Ländern Asiens vor und geht sowohl auf deren Entstehung als auch auf deren bisherige Inhalte ein.

Ohne internationalen Austausch hätten viele Open-Hardware- und Open-Source-Produkte nicht entstehen können. Ob in Foren, auf Kickstarter oder über persönliche Blogs: Mit wenigen Klicks können wir die Früchte der Arbeit von weltweit verstreuten RasPi-Fans einsehen und oft auch direkt nutzen.

Doch welche Veranstaltungen organisieren die RasPi-Communities vor Ort? Wir schauen uns im Folgenden schwerpunktmäßig Singapur und Japan an, gehen jedoch auch kurz auf Indien und Hongkong ein.

Singapur

Der Raspberry Pi Club Singapore [1] und dessen Jams entstanden vor eineinhalb Jahren aus einer lokalen RasPi-Gruppe in Facebook. Im Gespräch mit Raspberry Pi Geek erzählt Daniel Ellis, dass die Organisation der Veranstaltungen im Prinzip immer noch über diesen Kanal läuft: "Zuerst führen wir in der Facebook-Gruppe eine Umfrage durch, um zu sehen, welches Datum den Teilnehmern am besten passen würde." Danach arrangieren die Organisatoren einen geeigneten Veranstaltungsort (Abbildung 1).

Abbildung 1: In Singapur trifft sich die RasPi-Community alle zwei Monate.

Manchmal können sie Räumlichkeiten des Hackerspace SG nutzen, einer lokalen Hacker-Community. Andere Male griffen sie auf Angebote des Co-Working-Spaces Silicon Straits zurück. Beide Organisationen unterstützen gerne die Raspberry-Pi-Initiative in ihrer Stadt, indem sie die Räume jeweils immer für einen Abend kostenlos zur Verfügung stellen. In dem dicht bebauten Stadtstaat Singapur ist es jedoch nicht immer ganz leicht, bei Bedarf eine noch größere Fläche zu finden. Es melden sich jedoch kontinuierlich mehr Interessenten, die gerne ebenfalls an einem Treffen teilnehmen würden.

"Anfangs führten wir die Veranstaltung quartalsweise durch, beziehungsweise dann, wenn jemand Zeit hatte, die Organisation zu übernehmen," erklärt Ellis. "Inzwischen findet alle zwei Monate ein Jam statt, um auf diese Weise mehr Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. Das ist hier in Singapur wesentlich einfacher, als einen flächenmäßig größeren Austragungsort zu finden." Sobald Datum und Ort feststehen, kündigen die Veranstalter den Jam jedes Mal auch außerhalb der Facebook-Gruppe an, und suchen als letzte Phase der Organisationsarbeit nach Interessenten, die gerne einen Vortrag halten würden.

Das Programm gestaltet sich vielfältig. Einmal diskutierten die Teilnehmer darüber, wie sie mit Raspbmc beziehungsweise OpenELEC ein Mediencenter im Detail umsetzen könnten. Manchmal werden aber auch Anwendungsmöglichkeiten für gerade erschienene Neuerungen besprochen – dies geschah beispielsweise dann, als das Kameramodul für den RasPi neu herauskam.

Ein anderes Mal präsentierte ein Teilnehmer eine erworbene Udoo-Platine. Dabei handelt es sich um Open Hardware, die von ihren Machern nach der Finanzierung via Kickstarter unter CC-BY-SA-Lizenz gestellt wurde. Gerne stellen Teilnehmer auch ihre fertiggestellten eigenen Projekte vor und lassen diese diskutieren (Abbildung 2), wie etwa Joakim Skjefstad mit seinem "Project Maria". Dabei handelt es sich um ein Hausautomationssystem, das auf gesprochene Befehle reagiert. Umgesetzt wurde es via Raspberry Pi und Arduino.

Abbildung 2: Auf den Jams in Singapur diskutieren die Teilnehmer neue RasPi-Projekte.

Ab und an nehmen auch ausländische Besucher an den Pi-Jams in Singapur teil. Einmal war ein Teilnehmer aus Japan mit an Bord (Entfernung zu Singapur, gemessen in Luftlinie: 5300 Kilometer), ein anderes Mal ein RasPi-Fan aus Hongkong (Luftlinie: 2600 Kilometer).

Japan

Die Japanese Raspberry Pi User Group [2] wurde ursprünglich von Masafumi Ohta initiiert. Inzwischen hat die Gruppe schon einiges zuwege gebracht. Sie veröffentlichte nicht nur eines der ersten japanischsprachigen RasPi-Bücher, sondern veranstaltete auch Mitte 2013 einen dreitägigen RasPi-Jam, zu dem auch prominenter Besuch aus dem Ausland erschien. Platzprobleme wie in Singapur kennt man in Japan nicht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Neben den Vorträgen gab es auf dem japanischen RasPi-Jam auch einen Ausstellungsbereich für eigene Projekte.

Die Veranstaltung startete an einem Freitag. Im ersten Vortrag erklärte Yuriko Ikeda, wie ein Raspberry Pi die Belichtungszeiten von Kameras austesten kann. Takayuki Konishi referierte anschließend darüber, wie er auf einem Pi einen Java-EE-Server aufsetzte. Um auf einen Blick sehen zu können, ob jemand auf den Server zugriff, bastelte er eine Lösung, die in diesem Fall LEDs aufleuchten ließ. Akira Ouchi erklärte, wie man den Tray eines alten CD-ROM-Laufwerks zweckentfremdet in andere Hardware-Aufbauten einbindet, und mit dem RasPi diesen fernsteuern kann. Hideki Aoshima gab im letzten Slot des Abends eine Einführung in Pidora 18.

Der Samstag stand unter dem Motto "Big Jam". Groß war auch die Teilnehmerzahl, denn es strömten 120 Besucher in die Halle, im Gegensatz zu jeweils rund 30 am Freitag und Sonntag (Abbildung 4). Den Keynote-Vortrag hielt Eben Upton von der Raspberry Pi Foundation, der für die Veranstaltung extra aus dem fernen Großbritannien angereist war. Er schilderte die Entstehungsgeschichte des RasPis: Dass er, als er noch als College-Dozent arbeitete, merkte, wie wenig technisches Vorwissen die Erstsemester inzwischen mitbrachten. Er vermutete, dass dies daran läge, dass Jugendliche nicht mehr wie früher an einem Home-Computer herumtüfteln und daher auch nicht mehr spielerisch entsprechende tiefergehende Kenntnisse erwarben.

Abbildung 4: Der Jam der japanischen RasPi-User-Group weckte breites Interesse beim Publikum.

Deswegen gründete er Jahre später mit anderen zusammen eine Stiftung, die so etwas wie einen Mini-Home-PC herausbringen wollte: den späteren Raspberry Pi. Auf der einen Seite sollte der Kleinrechner so preisgünstig sein, dass ihn sich auch Jugendliche aus einfachen Arbeiterfamilien leisten könnten. Auf der anderen Seite musste er aber auch leistungsfähig genug für attraktive Multimedia-Leistungen sein, sodass für den Nutzer auch ein Anreiz bestünde, sich mit dem Gerät auseinanderzusetzen.

Die ursprünglichen Planungen sahen vor, innerhalb von mehreren Monaten 10 000 Stück zu verkaufen, doch bereits am ersten Tag gingen bei der Stiftung über 100 000 Bestellungen ein. Eben Upton erklärte, dass er sich sehr freue, zu sehen, was die japanischen RasPi-Fans alles aus den Geräten herausholten. Japan sei einer der wichtigsten außereuropäischen Märkte für den Pi, betonte er.

Danach beschrieb Yuriko Ikeda, wie man bei sich zu Hause einen Wordpress-Blog auf dem RasPi hostet. Hierzu sei erwähnt, dass in Japan Privathaushalte wesentlich günstigere und höherwertigere Internetzugänge in Anspruch nehmen können, als dies beispielsweise in Europa der Fall ist. So zahlt man im Großraum Tokio für einen Glasfaseranschluss mit 2 Gbit/s Bandbreite gerade einmal 40 Euro im Monat! Während man also in Europa für eine Homepage eher Webspace in einem Rechenzentrum anmieten würde, ergibt es demgegenüber in Japan durchaus Sinn, den privaten Blog stattdessen in den eigenen vier Wänden zu hosten.

Der Vortrag thematisierte neben diversen Grundkonfigurationen (Netzwerkkonfiguration, Installieren einer LAMP-Umgebung, die Einrichtung von Wordpress an sich) auch die Einstellung des Memory-Splits via Raspi-config. Da bei einem reinen Servereinsatz des Pis dieser keine Grafik darstellen muss, ist es äußerst sinnvoll, der GPU nur den Mindestwert von 16 MByte Speicher zuzuteilen, damit den Server-Daemons mehr RAM zur Verfügung steht. Zum Schluss diskutierten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, für den Serverbetrieb mehrere RasPis zu einem Cluster zu verbinden.

Keika Komura erklärte, wie man mit einfachen Mitteln Gehäuse für den Raspberry Pi selbst zusammenbaut. Daran schloss sich Masataka Tsukamoto an, der einmal einen Pi in ein Famicom-Gehäuse eingebettet hatte. Dabei handelt es sich um eine japanische Spielekonsole der 80er-Jahre – in Europa und Nordamerika wurde das Gerät in einer optisch stark abweichenden Variante unter dem Namen NES verkauft. Während der Präsentation des Gehäuses erzählte er, dass er der DIY-Community Tokyo Hackerspace angehört und die ehemalige Famicom-Hülle günstiger erwarb als im Handel angebotene RasPi-Gehäuse.

Der Tag schloss mit Erläuterungen von Tatsuya Sasaki, wie man mithilfe von drei RasPis den Standort eines WLAN-Clients wie beispielsweise eines Smartphones orten kann. Dabei kam zur Sprache, wie man auf den Pis den Monitor-Mode in die Netzwerkkonfiguration einträgt. Anschließend besprach Sasaki ein für die Ortung verfasstes Ruby-Skript.

Am Sonntag erklärte Hideki Aoshima den Teilnehmern, wie sie mit Ihrem RasPi LEDs zum Blinken bringen oder Werte eines Thermosensors einlesen. Anfangs schilderte er, wie und wo LEDs auf einem Steckbrett zu befestigen sind. Dann beschrieb Aoshima die verschiedenen Zugriffsmöglichkeiten via Software: Angefangen damit, wie man auf der Kommandozeile mit dem Befehl echo Werte an die GPIO-Pins sendet, ging er beim Thema Abfragen des Sensors zu einer Beschreibung des I2C-Busses über.

Auch in den Pausen gab es viel zu sehen und zu bereden. So lief beispielsweise ein Exemplar des Rapiros herum (wir berichteten in unserer letzten Ausgabe über den knuffigen Roboter mit einem RasPi im Kopf), das zeitweilig alle Blicke auf sich zog. Außerdem konnten sich die Teilnehmer des Jams bei einem gemütlichen Abendprogramm auch jenseits der Technik persönlich näher kennenlernen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Kanpai! Auf dem japanischen RasPi-Jam konnten sich die Teilnehmer abends bei einem gemütlichen Beisammensein entspannen.

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