Webbasierte Feedreader auf dem RasPi hosten

© serezniy, 123RF

Frische Beeren

Auf die Einstellung des Google Readers reagierten viele Nutzer überrascht bis verärgert. Dabei gibt es einen weit zuverlässigeren Ersatz, der sogar auf dem heimischen Pi läuft: Tiny Tiny RSS kann niemand außer Ihnen selbst abschalten.

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Die tägliche Nachrichtenflut organisieren Sie am einfachsten mit einem Feedreader. Dazu richten Sie auf dem Raspberry Pi das dazu bestens geeignete Tiny Tiny RSS als Server ein, um abonnierte Newsfeeds auf allen Clients im Haushalts via Web-Interface oder Android-App zu lesen.

Eine der wichtigsten Errungenschaften des Web 2.0 besteht in syndizierbaren Inhalten. Nachrichtenseiten und Blogs stellen ihre News nicht mehr nur in Form einer Homepage bereit, sondern auch in speziellen Newsfeed-Formaten wie RSS oder Atom. Die enthalten nicht nur die Nachrichten an sich, sondern sie hinterlegen über XML-Tags auch bestimmte Daten zur Nachricht, wie etwa Titel, Autor oder die Sprache des Textes. Dies erleichtert das automatisierte Weiterverarbeiten von News enorm. Dazu benötigt man als Nutzer einen Feedreader: In einem solchen Programm abonniert man die Feeds seiner Lieblings-Nachrichtenseiten, sodass die Software regelmäßig die neuesten Artikel dort herunterlädt. Der Nutzer kann diese Feeds anschließend nach Belieben markieren, sortieren, archivieren oder auch löschen.

Wer nur eine lokale Feedreader-Software auf seinem Desktop nutzt, hat ein Problem, sobald er mehrere Geräte einsetzt: Er müsste ständig verschiedene Daten zwischen den Geräten synchronisieren, insbesondere die abonnierten Feeds. Ab dem Jahr 2005 bot Google mit seinem Reader eine großartige Alternative an: Dieser lief im Browserfenster, wodurch man jetzt von jedem beliebigen Gerät aus auf seine Feeds und dazugehörigen Einstellungen zugreifen konnte. Ferner bestanden keine hohen Einstiegshürden, ein Google-Account genügte. Doch im Jahr 2013 stellte der Suchmaschinenkonzern im Rahmen einer Verschlankungskur seinen Google Reader ein. Auf welchen Ersatz sollte man sich nun einlassen?

Alternativen

Natürlich existieren inzwischen auch Alternativen mit ähnlichem Funktionsumfang. Ein Beispiel hierfür ist der Webdienst Feedly (Abbildung 1). Doch läuft man hier Gefahr, eines Tages dasselbe zu erleben wie beim Google Reader: Der Anbieter [1] könnte seinen Dienst einstellen.

Abbildung 1: Feedly.com bietet Ihnen weniger Sicherheit als Tiny Tiny RSS auf Ihrem Pi.

Deswegen erscheint es am sichersten, einen solchen Webdienst selbst zu hosten. Dank Tiny Tiny RSS [2] klappt das ohne viel Aufwand. Theoretisch könnten Sie die Skripte dieser Software auch auf dem Webspace eines Hosting-Providers Ihrer Wahl ablegen – doch diese Lösung wäre alles andere als optimal: Nicht nur, dass Sie dann von der Verfügbarkeit des gewählten Webhosters genauso abhängig wären wie bei einem Webdienst; dessen Mitarbeiter könnten ferner theoretisch auf Ihre Daten zugreifen und einsehen, welche Nachrichtenquellen sie besonders bevorzugen.

Deswegen verspricht das Hosten von Tiny Tiny RSS auf dem heimischen RasPi nicht nur maximale Kontinuität, sondern auch den besten Datenschutz. In Ihrem Haushalt können Sie dann kinderleicht und auf Wunsch auch mit mehreren Client-Geräten die gesammelten Newsfeeds des Pi-Servers lesen.

Grundkonfiguration

Im Folgenden gehen wir davon aus, dass Sie auf Ihrem Pi Raspbian oder eine andere auf Debian basierende Distribution verwenden. Installieren Sie zunächst mit einem Konsolen-Befehl die benötigten Pakete, damit ihr Minicomputer dynamische Webseiten ausliefern kann:

$ sudo apt-get install apache2 mysql-server mysql-client php5 php5-mysql php5-curl

Nach einiger Zeit fordert Sie ein Konfigurationsdialog zur Vergabe eines MySQL-Passworts auf, das Sie sich nach dem Eingeben unbedingt notieren sollten. Falls auf dem Raspberry Pi bereits eine LAMP-Umgebung läuft, kontrollieren Sie, ob auch der Curl-Support für PHP (das Paket php5-curl) eingerichtet wurde, da Tiny Tiny RSS es benötigt.

Als Nächstes rufen Sie die Website von Tiny Tiny RSS in einem Browser auf und scrollen bis zur Download-Sektion herunter. Speichern Sie den dort angebotenen Tarball auf Ihrem RasPi. Wechseln Sie nun auf der Konsole in das Verzeichnis, in dem Sie das Archiv abgelegt haben, und geben nacheinander die Befehle aus Listing 1 ein. Den Namen des Download-Archivs gilt es in den Konsolen-Befehlen entsprechend anzupassen, da er die aktuelle Versionsnummer enthält. Lobenswerterweise veröffentlicht der Entwickler Updates sehr häufig und in kurzen Abständen.

Listing 1

 

$ sudo mv Tiny-Tiny-RSS-Versionsnummer.tar.gz /var/www/
$ cd /var/www
$ sudo tar xvfz Tiny-Tiny-RSS-Versionsnummer.tar.gz
$ sudo rm Tiny-Tiny-RSS-Versionsnummer.tar.gz
$ sudo mv Tiny-Tiny-RSS-Versionsnummer tt-rss
$ sudo chmod ugoa+rw tt-rss

Nun müssen Sie die frisch installierte MySQL-Umgebung noch veranlassen, eine neue Datenbank anzulegen. Das klappt mithilfe des im ersten Schritt mitinstallierten Shell-Clients für MySQL recht fix (Listing 2)

Listing 2

 

$ mysql --user=root --password=MySQL-Passwort
mysql> CREATE DATABASE ttrss;
mysql> QUIT

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