Software-Perlen, die Sie kennen sollten

© Kati Molin, 123RF

Die schönsten Beeren

Raspbian, das offizielle Betriebssystem des Raspberry Pi, kommt mit einer Fülle vorinstallierter Anwendungen, und in den Repositories gibt es 35 000 weitere Programme. Wir zeigen Ihnen, was Sie sich ansehen sollten und wovon Sie besser die Finger lassen.

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Bei der Auswahl von Software für den Raspberry Pi gilt es, die besonderen Anforderungen des Einplatinen-Computers zu berücksichtigen. Dieser Artikel zeigt, worauf Sie achten müssen, und stellt einige typische Anwendungen vor.

Ungeachtet seiner unbestreitbaren Vorteile bleibt der Raspberry Pi in Sachen Leistung selbst hinter dem schwachbrüstigsten Laptop weit zurück. Sein ARM-Prozessor taktet mit gemütlichen 700 MHz, während seine großen Brüder mit mehreren GHz sprinten. Das Modell B bringt 512 MByte RAM mit, wohingegen selbst Billig-Notebooks mehrere GByte Arbeitsspeicher besitzen. Und wo sich die Massenspeicherkapazität von Laptops heute in TBytes bemisst, muss der RasPi mit dem auskommen, was auf eine SD-Card passt.

Angesichts dieser Beschränkungen ist es kaum zu glauben, wie viele große und komplexe Anwendungen der Raspberry Pi dennoch klaglos abarbeitet. Das ermöglicht neben der Verwendung des RasPi als Schul-Computer auch seinen Einsatz als schlanken Arbeitsplatzrechner – zumindest, solang der Benutzer weiß, was er tut.

Auf dem Desktop

Der Raspberry Pi wurde ursprünglich als billiger, transportabler Rechner für Schüler und Studenten konzipiert [1]. Dies spiegelt auch die auf dem Desktop vorinstallierte Software wider. Neben dem schlanken Webbrowser Midori sowie Links zur Dokumentation und Dienstprogrammen finden Sie hier auch einen Verweis auf die für den schulischen Einsatz gedachte Programmierumgebung Scratch [2].

Scratch basiert auf Lego-artigen Blocks mit Anweisungen und Strukturen, die sich zu durchaus komplexen Programmen zusammensetzen lassen. Die Oberfläche von Scratch (Abbildung 1) listet linkerhand die Blöcke auf, die sich mit der Maus in den mittleren Bereich ziehen und dort zu Programmen zusammensetzen lassen. In der Stage ("Bühne") auf der rechten Seite sehen Sie, welche Effekte der Code auf Sprites hat, kleine Grafikobjekte, die Sie aus einem Lager unterhalb der Stage ins Programm ziehen können. Auf diese Weise erlernen speziell Kinder bis zu 10 Jahren spielerisch die Grundlagen der Programmierung.

Abbildung 1: In der Entwicklungsumgebung Scratch macht das Programmieren vor allen Dingen Kindern Spaß.

Für Jugendliche und Erwachsene bietet es sich dagegen an, mit Python in die Welt der Programmierung einzutauchen. Diese vielseitige Programmiersprache setzen unter anderem auch Firmen wie Google oder Amazon ein. Auf dem RasPi-Desktop finden sich dazu mit IDLE und IDLE3 (Abbildung 2) gleich zwei fast identische IDEs zum Entwickeln und Austesten von Python-Programmen. Dabei bedient die erste die ältere Sprachversion 2, die zweite das (nur bedingt rückwärtskompatible) neue Python 3.

Abbildung 2: Idle gilt als Standard-Entwicklungsumgebung für die Programmiersprache Python.

Nach dem Start von Idle erscheint ein Python-Eingabeprompt, an dem Sie Befehle ausprobieren, Variablen setzen und Strukturen wie Schleifen, Funktionen und Klassen ausprobieren können. Um ein Programm zu erstellen, klicken Sie in der Menüleiste auf File und wählen New Window. Um sich einige Codebeispiele anzusehen, navigieren Sie über File | Open in das Verzeichnis python_games, in dem Sie einige vorinstallierte, relativ einfach gehaltene Python-Programme finden.

Daneben hält der Desktop einen Link zu einem Terminal-Emulator (unter Linux extrem nützlich) bereit und verweist außerdem auf ein Dienstprogramm zum Konfigurieren von WLAN-Verbindungen. Zwar bringt der RasPi von Haus aus kein drahtloses Netzwerk mit, doch viele USB-WLAN-Sticks spielen reibungslos mit dem Mini-Rechner zusammen [4].

Zu guter Letzt finden sich im Raspberry Store weitere Programme, die Sie auf Ihren RasPi herunterladen und ausprobieren können. Hier findet sich auch anwendergenerierte Inhalte, und umgekehrt können Sie über den PiStore Ihre eigenen Kreationen hochladen und mit der Raspberry-Pi-Community teilen.

Nachrüsten

Das Hauptmenü des Raspberry Store schlüsselt die Inhalte nach Kategorien auf. In Accessories finden sich Hilfsprogramme wie etwa ein Taschenrechner, ein Texteditor und ein Bildbetrachter; unter Graphics gibt es einen PDF-Viewer und so weiter. Beim Stöbern in den Menüs fallen jedoch einige offensichtliche Lücken auf. So gibt es außer den bereits erwähnten Python-Demos keine Spiele. Auch Büro-Software und Bildbearbeitungsprogramme glänzen durch Abwesenheit. Raspbian liefert nur das Nötigste, und das mit voller Absicht: Sie sollen ja lernen, mit dem System umzugehen und es mit den von Ihnen benötigten Anwendungen anzureichern.

Wie das im Terminal mithilfe des Paketmanagers Apt gelingt, haben wir bereits in der letzten Ausgabe in einem Crash-Kurs zur Raspbian-Shell ausführlich beschrieben [5]. Deshalb wollen wir uns hier auf ein kurzes Beispiel beschränken. Nehmen wir dazu an, Sie möchten das freie Bildbearbeitungsprogramm Gimp installieren. Dazu öffnen Sie ein Terminal und tippen zunächst apt-cache search gimp, um den genauen Namen des gesuchten Software-Pakets herauszufinden – es heißt, wie zu vermuten war, gimp.

Bevor Sie nun aber zur Installation schreiten, sollten Sie unbedingt noch zwei Dinge erledigen. Bringen Sie zum einen mit dem Aufruf sudo apt-get update die Paketdatenbank des Systems auf den neuesten Stand. Prüfen Sie außerdem anhand einer simulierten Installation in Erfahrung, welche Abhängigkeiten die gewünschte Software nachzieht. Dies erfahren Sie anhand des Aufrufs apt-get -s install gimp, der eine Einrichtung des Pakets durchspielt, ohne tatsächlich etwas am System zu verändern. Angesichts der begrenzten Ressourcen des RasPi empfiehlt es sich, lieber von Programmen Abstand zu nehmen, die eine Vielzahl dynamisch gelinkter Bibliotheken nachziehen: Die müssen zur Laufzeit in das nicht eben üppige RAM des Mini-Rechners passen. Wird es dort zu eng, hat das unschöne Auswirkungen auf die Performance.

Im Fall unseres Beispiels Gimp ergeben sich zwar zahlreiche, aber nicht unbedingt exzessiv viele Abhängigkeiten (Abbildung 3), sodass nun nichts mehr gegen eine Installation mittels sudo apt-get install gimp spricht. Ein perfektes Gegenbeispiel liefert ein anderes freies Bildbearbeitungsprogramm, Krita: Dessen überbordende Abhängigkeiten (Abbildung 4) schließen einen Einsatz auf dem RasPi praktisch aus.

Abbildung 3: Zwar zieht die freie Bildbearbeitung Gimp bei der Installation eine ganze Reihe benötigter Komponenten nach …
Abbildung 4: … doch die Abhängigkeiten des Konkurrenten Krita fallen deutlich umfangreicher aus. Hier ist Gimp die bessere Wahl.

Möchten Sie auf dem RasPi eine Bürosuite einrichten, könnten Sie zwar prinzipiell zu OpenOffice oder seinem Ableger LibreOffice greifen, doch erweisen sich beide als zu ressourcenhungrig für den sinnvollen Einsatz. Als zwar ebenso leistungsfähige, aber deutlich weniger leistungshungrige Alternativen bieten sich die Textverarbeitung Abiword (Abbildung 5) und die Tabellenkalkulation Gnumeric (Abbildung 6) an. Der Aufruf:

$ sudo apt-get install abiword gnumeric

befördert die beiden aus dem Fundus der Desktop-Umgebung Gnome stammenden Anwendungen in einem Rutsch auf die SD-Card des RasPi.

Abbildung 5: Abiword glänzt als funktionsreiche, aber trotzdem leichtgewichtige Textverarbeitung.
Abbildung 6: Gnumeric präsentiert sich als leistungsfähige Alternative zu schwergewichtigeren Tabellenkalkulationen.

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