Einführung: Linux auf dem Raspberry Pi

Rechte verändern

Um Datei- und Verzeichnisrechte zu ändern, greifen Sie zum Programm chmod. Das funktioniert allerdings nur, sofern Sie der Eigentümer des Objekts sind oder aber administrative Rechte. Die neuen Rechte geben Sie entweder in Zahlen- oder Buchstabenform an. Wir beschränken uns hier auf die einfacher zu merkenden Variante mit Buchstaben.

Hier kommen wieder die bereits bekannten Rechte r, w und x zum Einsatz sowie die Kürzel u für den Besitzer ("user"), g für die Gruppe sowie o ("others") für alle anderen. Eine Kombination aus diesen Buchstaben und Plus-, Minus- und Istgleich-Zeichen weist chmod an, die Rechte entsprechend zu setzen. So vergeben Sie mit folgendem Befehl Lese- und Schreibrechte für die Gruppe:

$ chmod g+rw Datei

Das Entfernen von Rechten folgt dem gleichen Strickmuster: Um Benutzern, die weder Eigentümer sind noch der Gruppe angehören, alle Rechte zu entziehen, tippen Sie:

$ chmod o-rwx Datei

Mithilfe des Istgleich-Zeichens setzen Sie eine präzise Rechtekombination. Um etwa dem Eigentümer, der Gruppe und auch allen anderen Benutzern vollen Zugriff auf ein Verzeichnis einzuräumen, geben Sie folgenden Befehl ein:

$ chmod ugo=rxw Verzeichnis

Um die Gruppenzugehörigheit von Dateien und Verzeichnissen zu modifizieren, verwenden Sie das Tool chgrp. Uneingeschränkt darf man das nur mit administrativen Rechten. Als einfacher Benutzer können Sie chgrp nur auf Dateien und Verzeichnisse anwenden, deren Besitzer Sie sind und deren Gruppe Sie angehören.

@:Das Kommando chgrp erwarten die Angabe der neuen Gruppe, gefolgt vom Namen des zu ändernden Dateisystemobjekts. Um etwa eine Datei der Gruppe audio zuzuordnen, tippen Sie:

$ chgrp audio Datei

Als administrativer Benutzer dürfen Sie Dateien und Verzeichnisse sowohl neuen Eigentümern als auch anderen Gruppen zuordnen. So vergibt der Befehl chown pi Datei die Datei an den pi. Eigentümer und Gruppe lassen sich auch in einem Rutsch neu vergeben:

$ chown pi:audio Datei

Alle drei Werkzeuge – chmod, chgrp, und chown – unterstützen die Option -R für die rekursive Vergabe. Sollen die Mitglieder der Gruppe video Zugriff auf ein bestimmtes Verzeichnis und alle enthaltenen Dateien erhalten, tippen Sie:

$ chgrp -R video Verzeichnis

Bei chmod spart die Option -R oft viel Tipparbeit. Um "others" alle Rechte auf ein Verzeichnis und dessen Inhalte zu entziehen, genügt der Befehl

$ chmod -R o-rwx Verzeichnis

Auch chown unterstützt die Option -R. Sie hilft beispielsweise beim Ausstatten neu angelegter Benutzerkonten. Nehmen wir an, Sie haben gerade das Benutzerkonto piuser angelegt und dessen Home-Verzeichnis mit einer Grundausstattung an Dateien und Verzeichnissen befüllt. Um piuser jetzt auch zum Eigentümer aller Inhalte in /home/piuser zu machen, tippen Sie einfach:

$ sudo chown -R piuser:piuser /home/piuser

Hier erweist es sich wieder als besonders praktisch, dass sich mit chown in einem Rutsch auch gleich die Gruppenzugehörigkeit (hier das zweite piuser hinter dem Doppelpunkt) ändern lässt.

Pakete verwalten

Ein anderes Kommandozeilenwerkzeug, mit dem Sie regelmäßig in Kontakt kommen werden, ist der Paketmanager APT ("Advanced Package Tool"). Er dient dazu, aus dem Paketfundus ("Repository" oder kurz Repo) von Raspbian Software aller Art nachzuinstallieren ([5],[6]).

Der Vorteil dieser Installationsmethode: Sie müssen sich um nichts kümmern, APT erledigt alles automatisch – insbesondere das Nachziehen anderer für den Betrieb des Pakets notwendiger Software ("Abhängigkeiten"). Zwar lässt sich Software auch aus dem Netz laden und auf dem System einrichten, dabei sind allerdings alle anfallenden Arbeiten händisch zu erledigen. Das machen selbst Linux-Profis nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt.

Um ein Paket aus den Debian-Repositories ins System einzuspielen und dabei auch gleich alle Abhängigkeiten aufzulösen, genügt folgender handliche Befehl:

$ sudo apt-get install Paket

Vor dem Durchlauf gibt das Programm eine Zusammenfassung aller geplanten Vorgänge aus. So sehen Sie beispielsweise, welche Abhängigkeiten APT auflöst, welche Pakete es neu installiert oder aktualisiert, und wie viel Platz diese auf dem Massenspeicher benötigen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit apt-get installieren Sie Software aus den Repositories von Raspbian.

Benötigen Sie ein installiertes Paket nicht mehr oder entspricht die Software nicht Ihren Vorstellungen, dann deinstallieren Sie sie mittels des Befehls:

$ sudo apt-get remove package-name

Allerdings bleiben dabei möglicherweise Konfigurationsdateien der entfernten Software im Dateisystem zurück. Um auch diese mit loszuwerden, nutzen Sie statt remove die Option purge:

$ sudo apt-get purge package-name

Das Kommando sudo apt-get autoremove bereinigt in einem Aufwasch gleich sämtliche alten und nicht mehr benötigten Pakete.

Vor jedem Installationsvorgang sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass APT sämtliche seit der letzten Benutzung erfolgten Paketaktualisierungen kennt. Dazu nutzen Sie den Befehl sudo apt-get update.

Neben dem in den obigen Beispielen verwendeten apt-get umfasst das APT-System noch etliche weitere Tools, deren weitaus nützlichstes apt-cache heißt. Es bietet eine wahre Schatztruhe an Informationen über die Pakete im Raspbian-Repository und auf dem System. Der Befehl:

$ sudo apt-cache showpkg Paket

zeigt nicht nur die installierte Version, sondern auch die neueste aus dem Repository sowie die Abhängigkeiten und die reversen Abhängigkeiten (also welche andern Pakete das angefragte benötigen). Der Befehl apt-cache dump führt sämtliche installierten Pakete auf, apt-cache stats bietet Informationen wie die Anzahl der installierten Pakete sowie sämtlicher Abhängigkeiten.

Als besonders nützlich erweist sich apt-cache search, dem Sie einen zu suchende Zeichenkette mit auf den Weg geben. Es stöbert dann alle Pakete auf, in deren Name oder Beschreibung der fragliche String vorkommt. Um etwa ein Minesweeper-Spiel zu finden, tippen Sie beispielsweise:

$ apt-cache search minesweep

Sie erhalten daraufhin eine (erstaunlich umfangreiche) Liste aller passenden Pakete, darunter beispielsweise auch das in den obigen Beispielen installierte Xbomb.

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