Einführung: Linux auf dem Raspberry Pi

Ein Spaziergang

Aufgrund des hohen Strukturierungsgrads des Linux-Dateisystems fällt das Navigieren darin oft auf der Kommandozeile sogar komfortabler aus als in einem grafischen Dateimanager. Öffnen Sie ein Terminalfenster, landen Sie typischerweise in Ihrem Home-Verzeichnis – auf dem RasPi also in der Regel in /home/pi.

Hier geben Sie nun erst einmal ls an, um sich den Inhalt anzusehen. Um in ein anderes Verzeichnis zu gelangen, verwenden Sie das Kommando cd ("change directory"). Diesem nennen Sie als Parameter das gewünschte Zielverzeichnis:

$ cd /home/pi/Dokumente

Ein Punkt im Pfad symbolisiert das aktuelle Verzeichnis. Um aus Ihrem Home in dessen Unterordner Musik zu wechseln, könnten Sie beispielsweise Folgendes tippen:

$ cd ./Music

Zwei Punkte dagegen weisen die Shell an, im Verzeichnisbaum in die nächsthöhere Ebene zu wechseln. Um aus Musik wieder zurück in Ihr Home zu gelangen, schreiben Sie also:

$ cd ..

Auf vielen Systemen steht die Tilde (~) für das Home-Verzeichnis des aktuell angemeldeten Benutzers. Von jedem Ort des Dateisystems kehren Sie also mit folgendem Kommando wieder in ihr Home zurück:

$ cd ~

Haben Sie sich im Dateisystem "verlaufen" und wissen nicht mehr genau, in welchem Verzeichnis Sie sich gerade aufhalten, tippen Sie einfach pwd ("print working directory"). Die Shell gibt daraufhin den Namen das aktuellen Verzeichnisses aus. Neue Verzeichnisse legen Sie mit mkdir ("make directory") an:

$ mkdir /home/pi/Musik/Beatles

Auch das rekursive Erstellen eines ganzen Verzeichnisbaums beherrscht mkdir, Sie müssen dazu nur den Parameter -p mit angeben:

$ mkdir -p Musik/Beatles/Help

Dieses Kommando erstellt nacheinander die Verzeichnisse Musik, Musik/Beatles und schließlich Musik/Beatles/Help.

Der Befehl cp lässt Sie Dateien und Verzeichnisse kopieren, seine allgemeine Syntax folgt dem Schema cp Quelle Ziel. Dabei sucht cp die Quelle, sofern Sie keinen Pfad angeben, im aktuellen Verzeichnis. Ganz ähnlich arbeitet der Verschiebe-Befehl mv. Sie können beiden Befehlen jedoch auch Pfadangaben für Quelle und Ziel mit auf den Weg geben. Dafür benötigen Sie freilich ausreichende Rechte in den jeweiligen Verzeichnissen.

Das Kommando mv verschiebt Dateien oder komplette Verzeichnisse. So verschiebt der Befehl mv datei dir/ das angegebene File ins Unterverzeichnis dir/ des aktuellen Verzeichnisses. Bewegen Sie das Ziel nicht, benennt mv die Quelle um. So ändert mv datei1 datei2 den Namen der Datei datei1 in datei2

Zum Löschen von Dateien dient rm ("remove"), zum Entfernen kompletter Verzeichnisse verwenden Sie rm -r oder rmdir.

Eine Zusammenfassung der gängigsten Shell-Befehle zeigt Tabelle 1. Für jedes der Kommandos gibt es eine Reihe zusätzlicher Optionen, die sie der zugehörigen Hilfeseite entnehmen können. Diese rufen Sie mit folgendem Kommando ab:

$ Befehl --help | less

Dabei sorgt das less am Schluss dafür, dass Sie mit den Cursortasten in längeren Hilfetexten blättern können.

Gängige Shell-Befehle

Befehl

Aktion

ls

Inhalt des aktuellen Verzeichnisses zeigen

cd

Verzeichnis wechseln

pwd

Name des aktuelles Verzeichnisses zeigen

mkdir

Verzeichnis anlegen

cp

Datei oder Verzeichnis kopieren

mv

Datei oder Verzeichnis verschieben oder umbenennen

rm

Datei oder Verzeichnis löschen

rmdir

Verzeichnis löschen

Benutzer und Gruppen

Benutzerkonten und Benutzergruppen ermöglichen unter Linux eine präzise Rechtevergabe für alle Systemressourcen, insbesondere für den Zugriff auf Verzeichnisse und Dateien [3]. Eine besondere Rolle spielt dabei der Systemadministrator root.

Benutzergruppen fassen Benutzerkonten mit bestimmten Rechten zusammen und erleichtern dadurch die Rechteverwaltung. So könnte etwa eine Gruppe Buchhaltung alle User enthalten, die aufgrund ihrer Tätigkeit Zugriff auf die Finanzdaten eines Unternehmens benötigen. Anstatt dazu jedem einzeln die notwendigen Rechte zuzuteilen, kann der Administrator dieser der Gruppe zuweisen und dann die entsprechenden Benutzerkonten in Buchhaltung zusammenfassen.

Diese Vorgehensweise klappt auch bei Hardware-Ressourcen und Diensten. Wer auf das optische Laufwerk des Rechners zugreifen will, muss Mitglied der Gruppe cdrom sein (zumindest unter Debian/Raspbian). Und nur wer zur Gruppe sudo zählt, darf Befehle via sudo ("superuser do") mit administrativen Rechten ausführen. Um herauszufinden, welchen Gruppen ihr Benutzerkonto angehört, verwenden Sie den Befehl groups. Listing 1 zeigt die Ausgabe für pi.

Listing 1

$ groups
  pi adm dialout cdrom sudo audio video plugdev games users netdev input indiecity

Als Superuser unterwegs mit Sudo

Die meisten Linux-Distributionen richten für den Administrator ein separates Benutzerkonto namens root ein. Um Befehle mit administrativen Rechten auszuführen, muss man sich allerdings nicht zwangsläufig als Root anmelden. Stattdessen kann ein angemeldeter Benutzer auch mit dem Befehl su in den Rechtekontext des Superusers wechseln.

Um nur einzelne Kommandos aus einem normalen Benutzerkonto heraus mit administrativen Rechten auszuführen, kommt der Befehl sudo Kommando zum Einsatz. Um ihn benutzen zu dürfen, muss das fragliche Konto entweder in der Datei /etc/sudo erfasst sein oder der Gruppe sudo angehören. Diesen Ansatz verfolgt auch Raspbian für den Standardbenutzer pi, der sudo jederzeit benutzen kann.

Daher sollten Sie das standardmäßig für pi vergebene Passwort raspberry beim Einrichten des Systems (oder auch nachträglich) in Raspi-config gleich ändern (change_pass) und neue Benutzerkonten ohne administrative Rechte einrichten.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 8 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

08/2019
Smarte Hacks

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Immer der Reihe nach

    Mit einer einfachen Schaltung testen Sie Bausteine, die über den SPI-Bus miteinander kommunizieren.

  • Einzigartig

    Eine MAC-Adresse ermöglicht die Kommunikation im Netzwerk. Der 24AA02E48 liefert sie für Setups, die aus grundlegenden Komponenten bestehen.

  • Steinkuchen

    Der Raspberry Pi hat viele Fans, doch nicht ohne Grund sehnen sich viele Anwender nach einem RasPi 4. Der Rock Pi 4 übertrumpft den RasPi 3 in Sachen Leistung um Längen und schlägt sich auch in der Praxis gut.

  • Kerngeschäft

    Der Einstieg in die Welt der Mikrocontroller fällt nicht ganz leicht. Mit dem Nucleo F401RE haben Sie jedoch ein Entwicklerboard samt abgestimmter Entwicklungsumgebung an der Hand.

  • Himbeer-Geräte

    Mit Maus und Tastatur im weiß-roten Raspberry-Look macht die Raspberry Pi Foundation das eigene Angebot an Peripheriegeräten für den Mini-Rechner komplett.

  • Unter Kontrolle

    PiCockpit ist eine speziell auf den RasPi zugeschnittene Online-Monitoring-Lösung. Wir werfen einen ersten Blick auf den brandneuen und in Ausbau befindlichen kostenlosen Dienst.

  • Ins rechte Licht gesetzt

    Selbst ohne eigenen Garten holen Sie sich Pflanzen mithilfe von LEDs in jeden Raum und sehen ihnen mit dem RasPi beim Wachsen zu.

  • Helligkeit nach Maß

    Wer bei wechselnden Lichtverhältnissen nicht ständig die Beleuchtung manuell nachregeln möchte, der spannt dafür einen PiXtend ein.

  • Geschrumpft

    Kleine Bildschirme gibt es zwar viele, aber der Support von Raspbian ist überraschend schlecht. Mit ein paar Tricks erzielen Sie trotzdem ein optimales Ergebnis.

  • Brüllwürfel

    Kompakt-Stereoanlagen mit CD-Spieler und Kassettendeck sind inzwischen oft ein Fall für den Recyclinghof – oder für die digitale Wiederbelebung mit einem RasPi und etwas Geschick.