Einführung: Linux auf dem Raspberry Pi

© Ivan Mikhaylov, 123RF

Erste Schritte

Raspbian ist eine vollwertige, leistungsfähige Linux-Distribution. Wer bislang nur wenig mit Linux zu tun hatte, der tut sich mit Raspbian allerdings etwas schwer. Dabei ist der Einstieg keine Hexerei.

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Für Linux-Einsteiger, die mit dem Standard-Betriebssystem Raspbian noch nicht näher vertraut sind, stellt dieser Artikel die wichtigsten Befehle und Kommandos der Linux-Shell vor.

Als Standard-Betriebssystem für den Raspberry Pi, das sich auch auf den SD-Karten der meisten RasPi-Kits im Handel findet, dient Raspbian. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um einen Ableger der populären Linux-Distribution Debian GNU/Linux.

Wer mit dem Minirechner arbeiten will, aber nur wenig Erfahrung mir dem Dateisystem und der Kommandozeile von Linux mitbringt, tut sich daher notgedrungen etwas schwer. Die Hürde ist aber eher psychologischer als tatsächlicher Art: Den grundlegende Umgang mit Linux kann man im Handumdrehen erlernen.

Das Dateisystem

Zu den verwirrendsten Dingen für Linux-Einsteiger zählt zweifellos das Dateisystem und dessen Organisation. Dabei weist es eine absolut logische Struktur auf, die auf allen Linux-Distributionen weitgehend gleich ausfällt [1].

Wie bei den meisten Betriebssystemen weist auch bei Linux das Dateisystem eine Baumstruktur auf. Dessen Wurzel, also das Verzeichnis, aus dem der Baum wächst, bezeichnet man als Root-Verzeichnis und kennzeichnet den entsprechenden Pfad mit einem Schrägstrich (/). Das Wurzelverzeichnis enthält eine Reihe weiterer Verzeichnisse, die Namen wie /bin, /lib oder /home tragen. Auch diese enthalten wieder Unterverzeichnisse, und so fort. Abbildung 1 zeigt einen typischen Teil dieses Verzeichnisbaums.

Abbildung 1: So sieht ein typischer Teil des Linux-Dateisystems aus.

Um sich den Inhalt des Wurzelverzeichnisses anzusehen, öffnen Sie den Dateimanager (das zweite Icon von links in der Leiste am Fuß des Bildschirms) und doppelklicken dann darin auf den nach oben weisenden Pfeil in der Werkzeugleiste (Abbildung 2). Auf der Kommandozeile geben Sie den Inhalt des Wurzelverzeichnisses mit folgendem Befehl aus:

$ ls /
Abbildung 2: So sieht der Inhalt des Wurzelverzeichnisses / im Dateimanager aus.

Die Namen der Unterverzeichnisse sind keineswegs zufällig: So enthalten Verzeichnisse wie /bin ("binaries") und /sbin ("system binaries") ausführbare Dateien, wenn auch keineswegs durchwegs Binärdateien, wie der Name nahe legt. Solche Programmverzeichnisse finden sich nicht nur direkt unterhalb von der Verzeichniswurzel, sondern beispielsweise auch in /usr ("unix system resources").

Das zeugt von sauberer Sortierung: /bin und /sbin enthalten nur solche Programme, die für das Funktionieren des Systems essenziell sind. Dagegen findet sich in /usr/bin und /usr/sbin Extra-Software, wie beispielsweise Spiele. Falls Sie sich nun fragen, wo denn der Unterschied zwischen /bin und /sbin liegt: Die Programme in Ersterem dürfen typischerweise auch normale User ausführen, für jene in Letzterem braucht man meist administrative Rechte.

@:Suchen Sie ein bestimmte Programm und möchten wissen, in welchem Verzeichnis es liegt, greifen Sie zur Hilfsanwendung which:

$ which ls
/bin/ls

Wir wollen uns hier nicht ausführlich mit dem Inhalt aller Verzeichnisse beschäftigen, da dies den Rahmen eines Einführungsartikels sprengen würde. Mit zwei besonderen Verzeichnissen sollten Sie aber vertraut sein, mit /home und mit /etc.

Unterhalb von /home liegen die sogenannten Home-Verzeichnisse für alle angelegten Benutzerkonten. Sobald Sie anfangen, den RasPi zu benutzen – und bevor Sie beginnen, neue Benutzerkonten anzulegen (dazu später mehr) – finden Sie sich im Verzeichnis /home/pi wieder. Das ist das Home-Verzeichnis des Standard-Benutzers pi, als der Sie sich anfangs anmelden. Hier können Sie nach Herzenslust Dateien und Ordner anlegen, verändern und löschen.

Um das selbe in anderen Verzeichnissen zu tun, etwa in /, /etc oder /usr, brauchen Sie besondere Rechte – meist jene des administrativen Benutzers root ("superuser"). Dies gilt insbesondere für /etc ("et cetera"), das sich als Lagerplatz für systemweite Konfigurationsdateien eingebürgert hat. Deswegen werden Sie bei der Benutzung des RasPi des Öfteren dort zu tun haben.

Bitte beachten Sie: Sobald Sie Dateien außerhalb Ihres Home-Verzeichnisses verändern, laufen Sie Gefahr, durch Bedienungs- oder Konfigurationsfehler einzelne Programme oder sogar das komplette System unbrauchbar zu machen. Mehr über die Struktur des Linux-Dateisystems, die dem sogenannten Filesystem Hierarchy Standard (FHS) folgt, können Sie bei Interesse in einem ausführlichen Artikel dazu auf der Wikipedia nachlesen [2].

Die Kommandozeile

Einsteiger halten die Linux-Kommandozeile oft für "unfreundlich". Ein altes Bonmot behauptet dagegen, sie sei keineswegs unfreundlich, sondern nur wählerisch in Bezug auf Freundschaften. Wie auch immer: Bei der Shell – so nennen Linuxer die Kommandozeile nach dem Standard-Kommandointerpreter Bash ("Bourne again shell") – handelt es sich um ein mächtiges Werkzeug.

Für den Einsatz auf dem mit Rechenpower und Speicher nicht eben übermäßig versehenen RasPi eignet sie sich schon deswegen ideal, weil sie bei geringstem Footprint eine Vielzahl leistungsfähiger Funktionen, Tools und Anwendungen bereitstellt. Außerdem eröffnet die Shell die Möglichkeit, sich aus der Ferne via SSH ("secure shell") auf dem Raspberry Pi anzumelden beziehungsweise im Serverbetrieb auf eine Ressourcen fressende grafische Oberfläche zu verzichten.

Über die Jahre hinweg haben die Entwickler die Shell mit einigen netten Tricks benutzerfreundlicher gemacht. Zu den angenehmsten davon zählt die automatische Befehlsergänzung oder neuhochdeutsch Auto-Completion: Beim Tippen auf der Kommandozeile können Sie mit einem Druck auf die Tabulatortaste die Shell anweisen, das Getippte zu ergänzen. Möchten Sie sich beispielsweise den Inhalt des Unterverzeichnisses Donaudampfschifffahrtsgesellschaft ansehen, schreiben Sie auf der Kommandozeile lediglich ls Don und drücken dann [Tab].

Die Shell ergänzt nun den Verzeichnisnamen automatisch, sodass Sie nur noch die Eingabetaste betätigen müssen, um das Gewünschte einzusehen. Was aber, wenn es ein zweites Unterverzeichnis gibt, dessen Namen ebenfalls mit Don beginnt? Dann bewirkt ein Druck auf die Tabulatortaste erst einmal nichts. Ein zweites [Tab] veranlasst die Shell dann aber, alle Verzeichnisnamen auszugeben, die mit Don beginnen. So können Sie dann das richtige aussuchen.

Eine weitere Nettigkeit der Shell stellt ihr Kommandopuffer da, die sogenannte History. In ihr blättern Sie mit den Cursortasten aufwärts und abwärts durch die bislang eingegebenen Befehle, bis Sie den gewünschten vor sich haben. In diesem bewegen Sie sich dann bei Bedarf mit [Cursor-rechts] und [Cursor-links] hin und her, löschen Überflüssiges mit [Entf] oder der Rücktaste und ergänzen oder überschreiben beliebige Parameter. Passt alles, drücken Sie die Eingabetaste.

In den Terminalemulationen grafische Benutzeroberflächen können Sie auch mit der Maus einen Teil des Textes im Fenster auswählen, indem Sie ihn anklicken und dann die Maus ziehen. Mit einem Druck auf die mittlere Maustaste (beziehungsweise das Mausrad) fügen Sie das Kopierte dann an anderer Stelle im Fenster wieder ein. Das erweist sich besonders für lange Datei- oder Pfadnamen als sehr praktisch.

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